12.06.2002 · Nach der glücklichen Qualifikation für das Achtelfinale hat der Gegner des deutschen Teams neues Selbstbewusstsein gewonnen.
Stürmische Spanier, ein „Joker“ namens Nelson Cuevas und die Anzahl der in allen Gruppenspielen erzielten Tore haben überraschend Paraguay zum Achtelfinalgegner der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der WM 2002 gemacht.
Die Südamerikaner schafften am dramatischen letzten Spieltag der Gruppe B qausi in letzte Minute den Sprung auf Rang zwei. Vor den Augen von DFB-Teamchef Rudi Völler und mit nur zehn Mann besiegte Paraguay in Seogwipo Slowenien mit 3: 1 (0:1) und kam so auf insgesamt 6:6 Treffer. Südafrika unterlag Spanien (2:3) und hatte am Ende nur 5:5 Treffer.
„Möchte die Spanier umarmen“
Der entscheidende Treffer im Fernduell fiel erst in der 84. Minute, als der eingewechselte Cuevas, zuvor bereits Schütze zum 1: 1-Ausgleich (66.), zum kaum mehr für möglich gehaltenen 3:1 traf. Danach mussten die zuvor wie beseelt stürmenden Südamerikaner erst einmal ein Dankeschön los werden. „Ich möchte die Spanier umarmen, weil sie uns geholfen haben“, sagte Torhüter Jose Luis Chilavert.
Dann fiel der 36-Jährige, der mit einem Freistoß in der 80. Minute die Latte getroffen hatte, erst einmal auf die Knie und betete. Bei der WM 1998 war Paraguay ebenfalls im Achtelfinale, scheiterte dort nach „Golden Goal“ (0:1) aber am späteren Weltmeister Frankreich.
„Wir können auch die Deutschen schlagen“
Während Chilavert anschließend noch von „einem großen Tag für Paraguay sprach“, dachten andere sofort an Deutschland. sagte Bayern Münchens Stürmer Roque Santa Cruz, der am Samstag (8.30 Uhr MESZ/live in der ARD und bei Premiere) an gleicher Stelle auf Vereinskamerad Thomas Linke trifft. „Jetzt ist alles möglich“, verkündete auch Verbandspräsident Oscar Harrison.
„Das wird ein ganz schweres Spiel“, mahnte Paraguay italienischer Trainer Cesare Maldini vor dem ersten Aufeinandertreffen mit dem dreimaligen Weltmeister. „Es wird schwer“, sagte Chilavert, „aber auch wir haben unsere Qualitäten.“ Später wurde er dann etwas konkreter: „Jetzt gehen wir durch bis ins Finale.“
Völler: „Tolle Moral“
Völler zeigte sich schon mal sehr beeindruckt vom Auftritt des nächsten Gegners. „Sie haben eine tolle Moral bewiesen, dass sie das Spiel mit zehn Mann noch umgebogen haben. Sie haben vor allem sehr starke Stürmer“, sagte der Teamchef.
Im Pay-TV Sender Premiere meinte Bernd Schuster: „Paraguay ist eine ganz unangenehme Mannschaft. Sehr robust, sehr hart. Mit Roque Santa Cruz haben sie nur eine Spitze vorn. Die werden die Räume sehr eng machen. Das wird ein Geduldsspiel für die deutsche Mannschaft“.
„Manchmal muss man leiden“
Gegen Slowenien, das bereits vor der Partie ausgeschieden war, bewiesen die Südamerikaner zunächst Nehmerqualitäten. In Anwesenheit von Völler, DFB-Trainer Michael Skibbe und DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder flog Carlos Paredes früh vom Feld (22.), in der 45. Minute gingen die biederen Slowenen, durch Milenko Acimovic auch noch in Führung.
Paraguay aber musste unbedingt gewinnen und zudem auf einen Sieg von Spanien gegen Südafrika hoffen. „Manchmal muss man im Fußball leiden, und wir haben heute viel gelitten“, sagte der 70 Jahre alte Trainer Maldini, der nach dem Schlusspfiff wie ein Jungspund über den Rasen hüpfte.
Neben den Nehmerqualitäten zeigte Paraguay Herz, Mut und Charakter. Vor allem nach der Halbzeit. Zehn Mann stürmten - und Chilavert machte munter mit. Auch Maldini bewies eine glückliche Hand. Erst wechselte er Jorge Campos ein (54.), dann Cuevas (61.). Cuevos erzielte prompt den Ausgleich, Campos legte in der 74. Minute mit dem 2:1 nach.
Und als in der 81. Minute auch noch der Slowene Nastja Ceh (81./Rot) wegen groben Foulspiels vom Platz geflogen war, kippte die Partie endgültig.