Ob sie wohl jemals zurückkommen werden? Das wäre natürlich wünschenswert, zumal sich das eigentlich bequem einrichten ließe für John Degenkolb, Marcel Kittel oder Tony Martin. Einfach nur eine Grenze überschreiten, ein kleiner Schritt also nur - und schon hätte die Heimat sie wieder. Was könnte man damit auf die Beine stellen! Mit Degenkolb, mit Kittel, mit Martin und all den anderen talentierten Radprofis, die nun im nahen Ausland ihren Beruf ausüben.
Deutschland wäre dann vermutlich wieder mit einem prächtigen Rennstall im Peloton vertreten; das hätte es doch auch verdient, ganz sicher. Gut, man dürfte nicht gleich wieder einen Sieg bei der Tour de France erwarten, schließlich verfügt die Nation - trotz der vielen Talente - vorläufig über keinen exzellenten Rundfahrer mehr. Aber eine erfolgsträchtige Geschichte könnte trotzdem daraus werden. Immerhin haben Martin und Co. schon eindrucksvoll gezeigt, was in ihnen steckt.
Unter deutscher Flagge lässt sich das momentan leider nicht beweisen. Weil es an einem erstklassigen Team fehlt, an Sponsoren, dazu steckt der Radsport weiterhin in einer Diskussion um seine Glaubwürdigkeit. Auch das erschwert das Vorankommen. In den Benelux-Staaten etwa stellt sich die Lage eindeutig anders dar, dort schlägt der Radsport ein unvermindert hohes Tempo an. Zum Glück für die begabten deutschen Rennfahrer, die in Belgien, den Niederlanden oder in Luxemburg herzlich willkommen sind. Wie der Zeitfahrspezialist Martin, der gerade einen Vertrag beim belgischen Team Quick-Step unterschrieben hat. Martin schwärmt, dass ihm dort erstklassiges Material geboten werde, aber gewiss gibt es obendrein ein üppiges Honorar.
Ein ernst gemeinter Dank
Er wird jedenfalls nicht klagen müssen; auch die jungen Degenkolb oder Kittel, der soeben angeblich wegen Erschöpfung bei der Spanien-Rundfahrt ausstieg, scheinen sich bei der niederländischen Equipe Skil-Shimano gut entwickeln zu können. Somit ist nun ein ernst gemeinter Dank angebracht an die Länder in der näheren Umgebung, die sich sehr fürsorglich um die deutschen Profis kümmern, die in der Heimat derzeit keinen Arbeitsplatz finden würden.
Sollen alle also erst mal in der Fremde lernen, überhaupt nichts dagegen einzuwenden. Aber bitte, liebe Nachbarn in Europa, nicht böse sein, wenn Deutschland eines Tages die große Rückholaktion starten sollte. Das ist keinesfalls auszuschließen. Immerhin ist im Lande eine neue Radsport-Bewegung festzustellen, sogar der Ötztal-Freund Jan Ullrich soll davon erfasst worden sein: Er habe seine Isolation verlassen, heißt es. Unterschätzt das bloß nicht in Benelux!