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Der Bundesliga-Kommentar Noch ein Verlust: Bayerns Moral

30.04.2007 ·  Auf einen, der am Boden liegt, tritt man nicht noch drauf. Doch in diesem Fall ist es anders: Die Bayern haben nicht nur den Schaden, sondern auch jeden Spott verdient. Ein Kommentar von Peter Penders.

Von Peter Penders
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Davon, sagte früher so mancher Spieler nach diesem seltenen und deshalb so großen Ereignis in seiner Karriere, davon werde er seinen Enkeln noch erzählen. Beim Blättern in den Fotoalben mit dem stolzen Hinweis, das da sei der Opa und es sei das Jahr gewesen, als sie Bayern München geschlagen hätten. Diesmal ist alles anders, und wie könnte der frustrierte Fußballprofi eine verkorkste Saison besser zusammenfassen als mit der niederschmetternden Erkenntnis: Wir haben nicht einmal gegen Bayern München gewonnen!

Jede Menge Häme prasselt momentan von allen Seiten auf den deutschen Rekordmeister nieder. Im Grunde ist das natürlich niederträchtig, denn auf einen, der am Boden liegt, tritt man nicht noch drauf. In diesem Fall aber sieht die Geschichte vielleicht etwas anders aus. Denn die Bayern haben nicht nur den Schaden, sie haben auch jeden Spott verdient. Kein anderer Verein hat die nationale Konkurrenz so oft wissen lassen, dass er sich für das Maß aller Dinge hält und sich die anderen gefälligst unterzuordnen hätten.

Für wen sollte sich Werder interessieren?

Welche Intensität wohl die Röte im Gesicht von Uli Hoeneß besessen hätte, wenn die Vertreter von Werder Bremen zwei Tage vor einem Halbfinalspiel der Münchner in der Champions League gegen den FC Barcelona ein „Informationsgespräch“ mit einem noch bis 2008 bei den Bayern unter Vertrag stehenden Spieler geführt hätte?

Eine hübsche Vorstellung, die momentan in der Umsetzung aber schon daran scheitern würde, dass es keinen Bayern-Spieler gibt, für den sich Bremen interessieren müsste. Wahlweise kann man sich aber auch daran erinnern, wie groß das Theater vor einem Jahr war, als Jürgen Klinsmann seine Torwartentscheidung kurz vor dem Ligaspiel gegen Bremen bekanntgab.

Bayern auf Platz elf der Rückrundentabelle

Wie ernst wollen die Bayern in Zukunft noch genommen werden? Noch im Herbst des vergangenen Jahres haben sie den Kollegen von Manchester United mit einer Beschwerde beim Internationalen Fußball-Verband gedroht, weil die Engländer in ihrem Werben um Owen Hargreaves einfach keine Ruhe geben wollten. Das dürfe ein Klub aber nur dann, wenn der andere Verein damit einverstanden sei, hatten die beleidigten Münchner in Person ihres Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge den Konkurrenten von der Insel schnell eine Belehrung in Sachen Transferregeln zukommen lassen.

Und überhaupt war es den Bayern vor allem ums Prinzip gegangen, denn Hoeneß betonte damals mehrfach, dass man Hargreaves auch für 50 Millionen nicht ziehen lasse. Schließlich müsse man zeigen, dass man sich nicht auseinanderkaufen lasse.

Im Fall Schlaudraff die Muskeln gezeigt

So geht es schließlich nicht, und weil sich ein paar Wochen lang die nationale Konkurrenz für Neu-Nationalspieler Jan Schlaudraff interessierte, schnappten die Bayern schnell zu, und Hoeneß ließ sich den Stolz anmerken, dass man Muskeln gezeigt habe: „Es war unser kleiner Ehrgeiz zu zeigen, dass der FC Bayern immer noch alle Trümpfe in der Hand hat, wenn er einen Spieler wirklich will.“

Muss man Mitleid mit den Bayern haben, jetzt, da sie auf Platz elf der Rückrundentabelle stehen - hinter Mainz? Wohl kaum, so viel Verlogenheit brauchen die Münchner nicht. Denn warum sie anders als etwa Barcelona keine Spieler des Zwangsabsteigers Juventus Turin verpflichtet hätten, konnte Hoeneß im vergangenen Jahr sofort beantworten. Weil für ihn auch im Fußball im Zweifelsfall die Moral über dem Erfolg stehe. Natürlich - und die Erde ist eine Scheibe.

Quelle: F.A.Z., 30.04.2007, Nr. 100 / Seite 27
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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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