Der frisch aus der NHL verpflichtete Victor Ignatjevs erntete betretenes Schweigen, als er vor zwei Jahren nach seinem ersten Training bei den Nürnberg Ice Tigers in der maroden Eishalle am Nordostbahnhof höflich fragte, wo man denn die Punktspiele austragen würde. Heute muss die Heimstätte der Ice Tigers niemandem mehr peinlich sein. Die Franken spielen seit Februar in der neuen "Arena Nürnberg" und "haben jetzt die doppelten Einnahmen als früher", berichtet Manager Otto Sykora, "bei vollem Haus ungefähr 180.000 Mark pro Spiel." In einer Sportart, die so kostenintensiv und schwer zu finanzieren ist wie Eishockey, ein mehr als warmer Regen. Landauf, landab werden neue Hallen geplant und inzwischen auch gebaut.
Komfort wichtiger als "Winterfeeling"
Das Motto ist klar: Ohne Komfort keine Chance, neue Zuschauergruppen zu erschließen und VIP's sowie Sponsoren hochwertig zu beherbergen. Das beste Beispiel hierfür sind die Kölner Haie. Vor drei Jahren wurde in die Köln- Arena umgezogen, der Zuschauerschnitt schnellte weit nach oben und pendelte sich auf jetzt 11.000 ein. Zahlreiche neugierige Hallentouristen wurden durch guten Sport und gute Show gehalten. Was auch notwendig ist, "denn erst ab 8000 Zuschauern verdienen wir Geld", sagt Haie- Sprecher Holger Ratke. Grund ist die natürlich enorm hohe Hallenmiete und die Aufteilung der Werbegelder in der Arena.
Einnahmesteigerung durch Catering und Werbung
Gerade was die Einnahmen abseits des Kartenverkaufes betrifft, sehen die Eishockey- Klubs Entwicklungsmöglichkeiten. Selbst in Frankfurt, wo kürzlich der 20. Geburtstag der Eissporthalle am Ratsweg gefeiert wurde, die zu den komfortableren in der DEL zählt, wird geplant. Gerd Schröder, der Alleingesellschafter der Lions, liegt schon lange im Clinch mit der Stadt: "Wir machen die Halle voll, verdienen aber keine müde Mark am Catering." Dazu kassiert die Deustche Städtereklame 50% der Werbeeinnahmen in der Halle. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, plant Immobilienexperte Schröder mit Hochdruck eine neue Halle, mehrere Modelle und Standorte stehen bereits zur Auswahl. Anfang nächsten Jahres soll eine Entscheidung fallen.
Dabei planen die Frankfurter, ebenso wie andere DEL- Standorte mit kleineren Modellen, als der Köln- Arena. So wurden letzte Woche in Krefeld die Pläne für eine zwischen 7700 und 9200 Zuschauern fassende Halle veröffentlicht, die bis 2003 realisiert werden könnte.
Vorbild Preussag Arena
Derzeit gilt die Preussag- Arena, Austragungsort der Finalrunde der Eishockey- WM, als optimaler Veranstaltungsort. 11.000 Menschen passen in die Halle, die die Hannover Scorpions im Schnitt knapp zur Hälfte füllen. Das klingt nach nicht allzuviel, aber der bis zu dieser Saison auf dem flachen Land in der Wedemark beheimatete Klub hat seinen Zuschauerschnitt fast verdreifacht.
Der Umzug aus dem zugigen, dem Profisport unwürdigen "Ice-House" in die Preussag Arena hat den Druck auf die Scorpions aber auch enorm erhöht. Als "die wichtigste Saison unserer Geschichte" hat Besitzer Jochen Haselbacher diese Spielzeit aprostrophiert, denn nur durch Erfolg kann man dauerhaft neue Fans gewinnen. Aber: Den haben die Scorpions derzeit nicht. Die Mannschaft ist Vorletzter in der DEL, weshalb man schon zwei Trainer feuerte.
Eishockey als Auslastungsfaktor
Das Glück der Scorpions ist, dass die Betreibergesellschaft der Preussag Arena langfristig mit Eishockey rechnet. Immerhin handelt es sich um mindestens 30 Heimspiele, sprich: Veranstaltungstermine, mit denen man planen kann. Eishockey als Auslastungsfaktor. So hat der Fortbestand der Kassel Huskies im wesentlichen mit dem Um- bzw. Ausbau der Eissporthalle in eine Multifunktionsarena zu tun. Schließlich gilt es, 365 Tage im Jahr mit Veranstaltungen zu füllen.
Nicht überall wird dem Kufensport diese Priorität eingeräumt. So liegen die Revier- Löwen aus Oberhausen, die 1997 als erste nicht nur in eine neue Halle, sondern auch aus einer anderen Stadt (Ratingen) umzogen, seither mit den Betreibern im Clinch. Mal ist die Arena Oberhausen am Wochenende verfügbar, mal nicht. Oft müssen die Revier- Löwen ihre Heimspiele am unattraktiven Dienstag austragen. "Wenn wir das nicht mit dem neuen Vertrag ändern können und auch finanziell keine besseren Bedingungen bekommen, wird es die Revier- Löwen nächste Saison nicht mehr geben, orakelt Manager Stafan Dittmann."
Hamburg: DEL-Team für Halle gesucht
Da haben es andere Klubs wahrlich leichter. Bei Meister Mannheim wird Hauptgesellschafter Dietmar Hopp demnächst tief in die eigene Tasche greifen, um den Adlern ab 2004 endlich eine würdige Heimspielstätte zu bescheren. Im gleichen Jahr werden auch die Eisbären Berlin aus dem kultigen, aber ungemütlichen "Wellblechpalast" in eine 16.000 Zuschauer fassende, 300 Millionen Mark teure Arena umziehen. Die Firmengruppe des US- Milliardärs Phillip F. Anschütz will dieses Projekt am Ostbahnhof unabhängig von den Plänen des finnischen Unternehmers Harri Harkimo verwirklichen, der in Spandau eine ähnliche Multifunktionshalle bauen will.
Stichwort Harkimo: Der umtriebige Geschäftsmann ist auch Bauherr einer Halle im Hamburger Volkspark, die im September 2002 fertiggestellt werden. Darin sollen auch drei Profiteams ihre Heimspiele austragen. Neben Handball und Basketball, möchte Harkimo auch ein "HSV- Eishockey-Team" installieren. In der DEL wohlgemerkt. Da diese Seiteneinsteiger nicht mehr zuläßt, wird der Finne die Lizenz eines anderen Klubs erwerben müssen. Haupt- Kandidat dafür scheinen die Moskitos Essen zu sein, die wirtschaftlich schwer Schlagseite haben und vor allem eines nicht: Eine Heimspielstätte, in der sich Geld verdienen läßt.