Thomas Haas hat seine Teilnahme am Daviscupspiel gegen Kroatien (8. bis 10. Februar) am Freitag per Fax abgesagt. Damit hat sein Streit mit dem Deutschen Tennis Bund (DTB) eine neue Stufe erreicht.
Noch am Montag hatte Haas seinen Willen zum Spiel bekräftigt, den er gegenüber Daviscup-Kapitän Michael Stich schon vor Weihnachten ausgedrückt hatte. „Aber seit dieser Zusage sind so viele Dinge über mich in die Öffentlichkeit getragen worden, die mich in einem Umfeld des DTB belasten. Ich weiß, dass mein Spiel sowohl mental als auch physisch unter dieser Situation leidet, und deshalb sehe ich mich gezwungen, meine Teilnahme gegen Kroatien abzusagen“, teilte Haas die Gründe seines Umdenkens von seinem Wohnort Bradenton/Florida schriftlich mit.
Streit mit von Waldenfels eskaliert
Damit thematisierte er den Streit um die vom Verband verweigerte Honorierung seines privaten Physiotherapeuten Jürgen Dess in Höhe von jährlich 100.000 Euro und ließ den seit Wochen gärenden Streit mit DTB-Präsident Georg von Waldenfels eskalieren.
Von Waldenfels lehnt die geforderte Sonderbehandlung für Haas angesichts der leeren Kassen des Verbandes weiterhin ab. Er nannte Haas Forderung „geradezu abartig. Wenn er spielen will, dann soll er spielen." Es sei ja nicht so, dass Haas beim Daviscup kein Geld verdienen würde, erklärte er gegenüber FAZ.NET: „Als Spitzenspieler könnte er bei einem Daviscup-Triumph 900.000 Euro einnehmen. Das ist doppelt so viel, wie Becker und Stich einst kassierten." Als „völlig indisktutabel" bezeichnete der DTB-Chef zudem die Forderung von Haas, der Tennis Bund solle seinem Vater einen Freiflug zum Daviscupspiel nach Zagreb spendieren.
„Tommy hat sich die Entscheidung schwer gemacht"
Stefan Füg von Haas' Vermarktungs-Agentur IMG nannte die Absage „bedauerlich. Wir haben bis zum letzten Moment versucht, zu schlichten, und hatten zumindest einen Waffenstillstand erreicht", erklärte er im Gespräch mit FAZ.NET: „Tommy hat sich die Entscheidung schwer gemacht, aber letztlich sieht er sich nicht dazu in der Lage, unter den Bedingungen gutes Tennis zu spielen."
Haas Vertrauen zu von Waldenfels hatte während der Australian Open schwer gelitten, da der DTB-Chef persönliche e-mails von Haas an eine Presseagentur weitergeleitet haben soll. „Ich habe wirklich besseres zu tun, als e-mails der Familie Haas zu veröffentlichen", nannte von Waldenfels den Vorwurf absurd.
Alle reden um den runden Tisch herum
Er kündigte ein klärendes Gespräch an, um den Dauerkonflikt mit dem Führungsspieler zu beenden: „Es ist wichtig, dass wir uns schnell an einen Tisch setzen.“ Auch Füg sagte, nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen: „Ich möchte, dass er Daviscup spielt, und versuche eine Einigung herbeizuführen."
Da auch Haas in seinem Fax pathetisch anhebt: „Ich habe immer gerne und mit Stolz für Deutschland gespielt", und für die Zukunft verspricht: „falls ich gefragt werde, wieder am Davis-Cup teilzunehmen, stehe ich dieser Einladung offen gegenüber", sollte ein Rücktritt vom Rücktritt eigentlich möglich sein. Doch der Konflikt bleibt wohl an 100.000 Euro für den Masseur hängen.
Deutschland droht die Abstiegsrunde
Vor dem aktuellen Erstrundenspiel gegen Kroatien steht nun Teamchef Stich, von Haas als „exzellenter Tennisfachmann" gewürdigt, nach dem Verlust seiner Nummer 1 vor einem Scherbenhaufen. „Ich muss die Entscheidung akzeptieren, nur mit dem Respektieren habe ich bei der Begründung so meine Schwierigkeiten“, sagte Stich in München am Rande der Vorstellung des neuen DTB- Nachwuchskonzepts.
Nur Rainer Schüttler, der extrem formschwache Nicolas Kiefer und Doppelspieler David Prinosil stehen im deutschen Aufgebot. Wer neben Schüttler das zweite Einzel in Zagreb spielen soll, ist noch offen. Dagegen stehen für Kroatien unter dem deutschen Ex-Teamchef Niki Pilic Wimbledonsieger Goran Ivanisevic und der 22-Jährige Ivan Ljubicic, bei den Australian Open immerhin Achtelfinalist, erfolgsversprechend am Netz.
Auch wenn von Waldenfels „lieber mit einer Mannschaft, die spielen will“ antritt, und kämpferisch behauptet: „Wir gewinnen - jetzt erst recht", droht Deutschland ganz massiv die Abstiegsrunde. Spätestens da könnte Haas dann wieder sein Herz für Deutschland entdecken.