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David Coulthard „Jetzt verstehe ich Michael“

14.10.2006 ·  In den späten neunziger Jahren kommt es zum Kampf der Systeme: McLarens Teamchef Ron Dennis reibt sich an Ferrari. Mittendrin: Schumacher und David Coulthard.

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In den späten neunziger Jahren kommt es zum Kampf der Systeme: McLarens Teamchef Ron Dennis reibt sich am Ein-Mann-Team Ferrari. Denn bei der Scuderia dreht sich alles um den Fahrer Schumacher. Im Unternehmen des Briten aber sollen die Piloten nur einen Platz ausfüllen, das Cockpit. Den Rest erledigt das Team, also der Chef.

Tatsächlich hat es Mika Häkkinen nicht leicht, aus seiner Stellung gegenüber dem langsameren David Coulthard Schützenhilfe zu fordern. Aber dann, im Spätsommer 1998, kracht es in Spa-Francorchamps. Kurz nach dem Start kommt es zur Massenkarambolage. Beim zweiten Versuch schiebt sich Schumacher an Häkkinen vorbei und saust durch das naßkalte Ardennenwetter an die Spitze. Er ist so schnell, daß ihm der Sieg auf dem Weg zum greifbaren Titel sicher zu sein scheint. Doch er muß noch Coulthard überrunden.

Aus dem Ferrari wird ein Dreirad

Schumacher ahnt nichts, als vor ihm in der Gischt auf der Ideallinie plötzlich das Heck des McLaren auftaucht. Schon fliegen die Fetzen. Aus dem Ferrari wird ein Dreirad. Schumacher rumpelt zur Box zurück, springt aus dem demolierten Renner und läuft in die Box von McLaren. „Wolltest du mich umbringen?“ brüllt er Coulthard entgegen. Ferrari-Mechaniker zerren Schumacher aus der Gefechtszone. Hinterher entbrennt eine heftige Diskussion: War es Absicht, eine Teamorder gar? Coulthard weist jeden Vorwurf zurück. Übrig bleibt die Erkenntnis, daß der Schotte wie ein Amateur reagierte. Auf den Hinweis des Chefstrategen, Schumacher komme, ging er vom Gas, ohne die Linie freizugeben.

Der Deutsche hatte keine Chance. Fünf Jahre und einige Fehden dauert es, bis Coulthard Schumacher folgen kann. Auf dem Nürburgring setzt Fernando Alonso vor der Schikane einen sogenannten Bremstest an. Coulthard kommt bei Tempo 320 mit Mühe und Not an dem Renault vorbei, landet aber im Kiesbett: „Jetzt“, sagte Coulthard hinterher, „verstehe ich Michael.“ Das Verhältnis ist inzwischen gut. Beide haben als Direktoren der Fahrervereinigung in den vergangenen Jahren einiges bewegt. Coulthard genießt unter den Kollegen großes Ansehen.

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