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Darts-Kommentar Londons Oktoberfest

Im Überschwang seines Finalerfolgs sieht „The Power“ Taylor die Zeit gekommen, Darts möge in den olympischen Pantheon aufsteigen. Doch bis die Pfeile auch bei Olympia fliegen, muss vor allem eines passieren: Raus aus den Kneipen.

© AFP Vergrößern „The Power“: Phil Taylor bleibt der König der Pfeilewerfer

Die Sportart Darts verfügt zwar über einen Protagonisten namens Phil Taylor, der dank seiner Vita - vom Hilfsarbeiter zum Multimillionär - angeblich über etwas verfügt, was Marketing-Fachleute „Cross-over Appeal“ nennen, also die Fähigkeit unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen. „The Power“ ist durch die geschickte Arbeit seines Managers vor allem in seiner Heimat Großbritannien zu einem Phänomen aufgestiegen, dessen Dominanz häufig mit den Leistungen etablierten Athleten wie Roger Federer oder Tiger Woods in ihren besten Tagen verglichen wird. Tennisprofi Federer gewann olympisches Gold, Woods hat erklärt, 2016 in Rio de Janeiro auf jeden Fall bei der Rückkehr des Golfs mitzuspielen.

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Im Überschwang seines Finalerfolgs gegen den Niederländer Michael van Gerwen sah nun auch „The Power“ Taylor die Zeit gekommen. Darts möge schnellsten in den olympischen Pantheon aufsteigen. Keine Frage, olympische Weihen wären für die professionellen Pfeilewerfer das probate Mittel ihren Sport vom Ruch des Kneipensports zu befreien. Die Veranstaltung im Londoner Alexandra Palace beherrschte mangels Konkurrenz vor allem in Großbritannien die Schlagzeilen, selbst in Deutschland gab es auf Sport 1 stundenlange Fernseh-Übertragungen. Aber reicht das aus, um olympische Ansprüche zu stellen? Mag ja sein, dass auf der Insel mehr als eine Millionen Menschen, meist in Pub-Mannschaften mit reichlich Bierkonsum, gegeneinander antreten.

Es fehlt an einem Weltverband

Von einer weltweiten Verbreitung kann aber keine Rede sein, auch wenn Darts zunehmend Anstrengungen unternimmt, das Spiel vor allem nach Asien zu exportieren, zumal es dort dank der elektronischen Variante E-Darts schon ein aufnahmefähiges Publikum gibt. Es fehlt noch an einem Weltverband, zwei fühlen sich berufen, den Sport zu vertreten. Aber sind wir mal ehrlich: Wirkte das Spektakel im Norden von London wie eine Sportveranstaltung: johlende Fans, leicht bekleidete Damen als Staffage für meist ältere, füllige und tätowierte Herren, dazu ein Wettanbieter als Hauptsponsor?

Bild Taylor 1 © dapd Vergrößern Viel Präzision und ein ruhiges Händchen: der Brite beherrscht das Darts wie kein Zweiter

Die englische Tageszeitung „The Telegraph“ schrieb, dass es der Professional Darts Corporation, dem dominierenden der zweit Profiverbände, gelungen sei, das Spektakel zu einer grässlichen oder gespenstischen Variante eines Nordlondoner Oktoberfests zu gestalten, bei dem bierselige Fans an langen Tischen jeden zielsicheren Wurf mit „Oi, Oi, Oi“-Gesängen feiern. Darts hat die Sauregurkenzeit zwischen den Jahren trefflich genutzt, aber bis die Pfeile auch bei Olympia fliegen, muss noch viel passieren, vor allem eines: raus aus den Kneipen, rein in Sporthallen. Und dann bleibt eine Frage: Verliert damit Darts nicht seinen Reiz?

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 03.01.2013, 17:35 Uhr

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Von Christoph Becker

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