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Cristiano Ronaldo Spielball der Finanzjongleure

06.07.2009 ·  Madrid ist in Hysterie: Rund 80.000 Menschen strömten ins Santiago Bernabéu, um den neuen Real-Star im Stadion zu begrüßen. Der 94-Millionen-Transfer soll ein gutes Geschäft werden.

Von Ulrich Friese und Michael Psotta
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An Selbstbewusstsein mangelt es Cristiano Ronaldo nicht, wenn es um Auftritte auf dem grünen Rasen oder um seine Eigenvermarktung geht: „Große Fußballer kosten viel Geld“, sagt der 24 Jahre alte Portugiese, „und wer sie haben will, muss halt tief dafür in die Tasche greifen.“

Unterhändler von Real Madrid und Manchester United verhandelten in den vergangenen Monaten mit Hochdruck, um die Konditionen des bislang teuersten Spielertransfers in der europäischen Fußball-Geschichte festzuzurren. Mit Ronaldos erstem Auftritt im Stadion Bernabéu am Montag, den 80.000 Anhänger von Real bejubelten, ist sein Umzug von England nach Spanien endlich perfekt.

Runderneuerung bei Real Madrid

Danach muss Manchester United seinen hoffnungsvollsten Ballkünstler, der vor sechs Jahren von Vereinstrainer Alex Ferguson zum Schnäppchenpreis von 12,2 Millionen Euro verpflichtet wurde, gegen eine Ablöse von 94 Millionen Euro ziehen lassen. Darüber hinaus sind Ronaldo, der auf der Blumeninsel Madeira in ärmlichen Verhältnissen groß wurde, ein jährliches Grundgehalt von 13 Millionen Euro sowie Werbeeinnahmen von 10 Millionen Euro pro Jahr sicher.

Ronaldo ist der teuerste, aber nicht der einzige Einkauf von schwindelerregender Dimension. Für die Runderneuerung der Mannschaft auf höchstem Niveau hat Real Madrid bisher 220 Millionen Euro ausgeben, unter anderem auch für den Brasilianer Kaká und den Franzosen Karim Benzema. Aus dem Umfeld des Vereins verlautet, dass weitere 80 Millionen Euro fließen sollen: Ganz oben auf der Wunschliste steht dabei Franck Ribéry vom FC Bayern München.

Ob das neue Starensemble sportlichen Erfolg haben wird, wird sich zeigen. Einen besonderen Erfolg hat Real Madrid bereits verbucht: Trotz der herausragenden vergangenen Saison mit dem Champions-League-Titel, dem nationalen Pokalsieg und der spanischen Meisterschaft mit großem Vorsprung vor Real spricht derzeit kaum noch jemand vom Erzrivalen FC Barcelona.

Schulden in dreistelliger Millionenhöhe

Vielmehr fragt sich alle Welt, ob und wie der Madrider Klub die Einkäufe von Ronaldo & Co. finanzieren kann. Und da spricht in der Tat vieles dafür, dass sich Real Madrid durchaus seriös verhält. Immerhin handelt es sich um den umsatzstärksten Fußballverein der Welt, der anders als etwa die deutsche Konkurrenz seine Fernsehauftritte selbst vermarktet, der viel Geld über Merchandising etwa in Asien einnimmt. Hier sieht der Klub mit Hilfe der neuen Stars noch hohes Potential. So soll der Umsatz, der 2008 rund 365 Millionen Euro betrug, bis 2013 auf 500 Millionen Euro erhöht werden.

Die Person hinter dem neuen Aufschwung ist der seit kurzem amtierende Präsident Florentino Pérez, der den Baukonzern ACS zum nationalen Marktführer aufgebaut hat. Außer an ACS ist er auch an den Versorgern Iberdrola und Unión Fenosa nennenswert beteiligt, so dass er zu den reichsten Spaniern gehört. Allerdings griff er für die Spielerverpflichtungen nicht in die eigenen Kassen, sondern schloss Kreditverträge mit mehreren spanischen Banken, darunter bemerkenswerterweise auch mit der Sparkasse La Caixa aus Barcelona, die jetzt einigen Ärger mit den Fans des FC Barcelona hat. Bei Real Madrid hatten sich schon vor acht Jahren durch teure Spielereinkäufe Schulden in dreistelliger Millionenhöhe aufgetürmt. Die aber war der Verein auf einen Schlag los, als die Stadt das Trainingsgelände im Norden Madrids für 500 Millionen Euro erwarb.

Reserven sind vorhanden

Die finanzielle Lage von Manchester United ist ungleich prekärer. Seit der mehrmalige Fußballmeister Englands vor vier Jahren vom amerikanischen Milliardär Malcolm Glazer für 1,5 Milliarden Dollar gekauft und auf Pump finanziert wurde, steht er mit rund 700 Millionen Euro bei diversen Banken in der Kreide. Im Gegensatz zu Real verfügt „ManU“, dessen Stadion „Old Trafford“ längst verpfändet ist, über keinerlei Vereinsvermögen.

Reserven sind in Madrid üppig vorhanden. So könnte der Verein das Stadion Santiago Bernabéu mit seinem wertvollen Gelände verkaufen und am Stadtrand eine neue Arena errichten. Darüber hinaus gibt es noch ein mehrere Hektar großes Grundstück im Norden der Stadt, das sich versilbern ließe. Experten schätzen den Marktwert des Klubs auf 1,8 Milliarden Euro - bei geschätzten Schulden von nur 200 Millionen Euro. Nach seinem spektakulären Abgang in Manchester muss sich Ronaldo keine Sorgen mehr machen, dass ihm sein Arbeitgeber das Gehalt schuldig bleibt.

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