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Contra: Sascha Goc „Existenzgefährdend“

28.02.2009 ·  Sascha Goc von den Hannover Scorpions hat seine Karriere im Eishockey-Nationalteam beendet. Grund ist das Meldesystem ADAMS.

Von Marc Heinrich
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Es war der letzte Versuch, zu einer Übereinkunft zu kommen. Als beide Seiten alle Argumente zum wiederholten Male ausgetauscht, aber keine Einigkeit erzielt hatten, hofften die Funktionäre des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), sich das Wohlwollen von Sascha Goc vielleicht mit einem Geschenk doch noch sichern zu können.

Das ins Gespräch gebrachte Präsent des Verbandes, ein modernes Laptop, mit dem er immer und überall ins Internet hätte gehen können, sei „eine nette Geste“ gewesen, sagt der Verteidiger der Hannover Scorpions. An seiner Standhaftigkeit änderte sich dadurch trotzdem nichts. „Ein Mann, ein Wort“, für den Neunundzwanzigjährigen ist das „mehr als nur ein Spruch“.

Der Rücktritt - von heute auf morgen

Also blieb es dabei: Er, einer der besten Abwehrmänner der Deutschen Eishockey Liga (DEL), trat im Herbst, obwohl in der Form seines Lebens, von heute auf morgen aus der Nationalmannschaft zurück. Grund: die Meldeauflagen der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada).

Eishockey-Nationalspieler werden bei der Nada im „Nationalen Testpool“ geführt, dadurch unterliegen sie der zweithöchsten Kontrollstufe. Jeder Auswahlspieler ist im Gegensatz zu Vereinskollegen, die nicht im schwarz-rot-goldenen Trikot im Einsatz sind, zu Beginn eines Quartals verpflichtet, am Computer seine Aufenthaltsorte für die kommenden drei Monate mitzuteilen.

Goc kennt den Ärger, der entstehen kann

Mit Hilfe des Onlineprogramms ADAMS müssen danach alle Aktivitäten an Schule, Universität oder Arbeitsplatz, Trainingszeiten im Verein und Wettkampftermine in der Liga oder mit dem DEB-Team ständig auf dem neuesten Stand gehalten werden. So einen „Mist“ wollte Goc nicht länger mitmachen. „Niemand soll mich falsch verstehen“, sagt er, „ich habe absolut nichts gegen Kontrollen, sie können mich jeden Tag überprüfen. Aber wenn wegen eines komplizierten Systems mein Beruf auf dem Spiel steht, ist Schluss mit lustig.“

Er weiß seit Frühjahr 2008, wie schnell sich der Ärger über einem zusammenbrauen kann. Weil ADAMS nicht funktionierte, so seine Schilderung, konnte er seiner Tagebuchpflicht nicht rechtzeitig nachkommen. Goc, der für sich in Anspruch nimmt, „eben kein Internet-Spezi“ zu sein, spricht von „einer technischen Störung“, was ihm der DEB bestätigte.

Die Situation findet Goc ungerecht

Doch die Nada reagierte mit Unverständnis. Sprecherin Ulrike Spitz erklärte: Es klappe bei Hunderten anderen Sportlern doch auch. Der Verband verwarnte Goc daraufhin. Weitere Verfehlungen hätten eine Sperre nach sich gezogen. Das war dem zweifachen Familienvater zu viel. „Ich verdiene mein Geld bei den Scorpions, da kann ich nicht wegen Länderspielen meine Existenz riskieren“, rechtfertigt er seinen Abschied nach 68 internationalen Auftritten.

Wobei er keinen Hehl daraus macht, dass er die Situation ungerecht findet. Bei der Nada hätten sie zu wenig Verständnis vom Rhythmus seiner Sportart: „Ein Leichtathlet hat vier Meetings im Jahr und trainiert sonst an einem Olympiastützpunkt. Wir Eishockeyprofis sind immer unterwegs, da muss ich ständig am Computer sitzen und Änderungen abschicken. Fehler und Versäumnisse sind da fast zwangsläufig.“

„Soll mir keiner sagen, dass das Sinn macht“

An diesem Sonntag endet in der DEL die Vorrunde. Wann und wo er in wenigen Tagen mit den Scorpions in die Play-offs startet, weiß er noch nicht. Acht Mal wurde Goc in der zurückliegenden Saison kontrolliert. Die Ergebnisse waren immer negativ. „Und dann passiert dir ein Patzer mit dem Meldesystem und schon droht eine Sperre. Soll mir keiner sagen, dass das Sinn macht.“

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Jahrgang 1974, Sportredakteur.

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