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Nationalteam beim Confed Cup : Den Weltmeistern Dampf machen

Ruhe, Gelassenheit und Konzentration: Joachim Löw verschafft sich in Sotschi einen Überblick über den Reichtum an Talenten. Bild: GES/Markus Gilliar

Um 17 Uhr beginnt für die deutsche Nationalelf der Confed Cup mit dem Spiel gegen Australien. Joachim Löws Mannschaft ist besser, als viele denken.

          Joachim Löw lehnt im schwarzen T-Shirt an einer gelb gestrichenen Metallfigur, die von seinen Nationalspielern im Doppelpass umspielt wird. Östlich des Rasenplatzes von bester, englischer Qualität erheben sich die Berge des Kaukasus mit ihren letzten Schneeresten auf den Gipfeln, auf der westlichen Seite das Olympiastadion von Sotschi.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Bei der für 15 Minuten für die Medien geöffneten deutschen Trainingseinheit vor dem Auftaktspiel an diesem Montag gegen Australien herrscht große Ruhe, Gelassenheit und Konzentration. Obwohl der Weltmeister nur mit einer sogenannten B-Elf beim Confederations Cup antreten wird, ist diesmal alles anders – und vieles besser als bei den beiden anderen dieser Turniere, bei denen der Deutsche Fußball-Bund (DFB) bisher dabei war.

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          Tatsächlich steht der Konföderationen-Pokal, wie der in Deutschland ebenso ungeliebte wie sperrig klingende Wettbewerb offiziell heißt, wie kein anderes Turnier für die enorme Entwicklung, die der deutsche Fußball in den vergangenen knapp zwanzig Jahren genommen hat. Und diese recht junge, ebenso talentierte wie motivierte Mannschaft, die der Bundestrainer in Russland um sich versammelt hat, ist dafür der beste und vielversprechendste Beleg.

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          Es wäre, auch wenn diese Nationalelf so bisher kaum zusammengespielt hat, alles andere als eine Sensation, wenn die Deutschen dieses Turnier mit dem miserablen Image zum ersten Mal gewinnen würden. Allerdings schätzen nach einer jüngsten Umfrage nur 13 Prozent der deutschen Fans die Chancen von Löws Team als sehr gut ein, den Titel zu holen. Rund die Hälfte der Anhänger (48 Prozent) sehen dagegen nur geringe oder sehr geringe Chancen auf den Turniersieg.

          Der Confederations Cup hat in Wahrheit aber das Zeug, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht, zu einer Talent-, aber auch einer Leistungsschau des deutschen Fußballs zu werden. Doch erst einmal zurück in die Gruseljahre der Nationalelf, zurück zu Erich Ribbeck ins Jahr 1999 – dann sieht man klarer. So schlecht, wie der Kader aus jener Zeit im Nachhinein gemacht wurde, war er nämlich gar nicht. Aber allein acht Spieler wurden oder waren in jenem Turnier schon dreißig Jahre alt. Und die drei jüngsten Feldspieler (Ballack, Ricken, Dogan) waren auch schon 23 – so alt wie der aktuelle Kapitän Julian Draxler, der aber schon dreißig Länderspiele hinter sich hat.

          Aber entscheidender ist etwas anderes: Das Team und der Trainer kamen sich beim Turnier in Mexiko, das den Ruf des Confed Cup in Deutschland ruinierte, vor wie auf einer Strafexpedition. Und so traten sie auch auf – und schieden nach einem 0:4 gegen Brasilien und einem 0:2 gegen die Vereinigten Staaten in der Vorrunde aus. Das war ein Tiefpunkt im deutschen Fußball nach großen Jahren – aber als Warnsignal verstand ihn in Fußball-Deutschland damals kaum jemand. In Russland aber blicken die Spieler, allesamt entschlossen und engagiert, ganz anders auf das Turnier: der Confed Cup als Chance.

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          So kommt es, dass für die deutschen Profis das Schmuddelkind unter den großen Turnieren eine „ganz große Sache ist“, wie Lars Stindl am Samstag in Sotschi sagte. Der 28 Jahre alte Mönchengladbacher (2 Länderspiele) gehört zu den Ältesten im Team und will nun seine erste und gleichzeitig wohl letzte Gelegenheit nutzen, sich für eine WM zu empfehlen. Und Antonio Rüdiger fügte auf der Pressekonferenz hinzu, was bisher alle Spieler so oder ganz ähnlich geäußert haben: „Ich freue mich riesig auf das Turnier.“

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