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Leon Goretzka im Interview : „Da ist noch Luft nach oben“

Eine runde Sache: Im Ruhrgebiet wächst man mit dem Fußball auf, so auch Leon Goretzka. Bild: dpa

Leon Goretzka über seine Führungsrolle beim FC Schalke 04, seine Zukunft in der Nationalmannschaft, die Wirkung gesunder Ernährung – und über das Leben im Ruhrgebiet und die Faszination von Aschenplätzen.

          Herr Goretzka, Sie haben in dieser Saison den Pfeilwurf-Torjubel erfunden. Wie klappt es inzwischen beim Werfen auf die Dartscheibe in der Schalker Kabine?

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Sehr gut, danke.

          Schon eine 180 geschafft?

          Mittlerweile ja. Hat nur leider keiner gesehen. Deswegen glaubt es mir niemand.

          Auf dem Spielfeld zielen Sie auch immer besser. Acht Tore in dieser Saison.

          Mehr Torgefahr, das hatte ich mir fest vorgenommen. Letzte Saison waren es nur zwei. Dabei war es früher eine Stärke von mir gewesen, auch Torgefahr auszustrahlen als Mittelfeldspieler. Dahin wollte ich zurück, und das ist auch deutlich besser geworden. Auch, weil ich oft eine Position weiter vorn gespielt habe. Aber ich lasse immer noch manche Torchance liegen. Da ist noch Luft nach oben.

          Fehlt manchmal der nötige Egoismus, weil man als Mittelfeldspieler ein sozialer Mensch ist, der andere in Szene setzt?

          Ich bin in mancher Situation noch nicht eigensinnig genug und spiele den Ball dann noch einmal ab. In der Tat macht es mir auch Spaß, andere in Szene zu setzen. Über einen Assist freue ich mich genauso wie über ein Tor. Aber manchmal ist es besser, selbst den Abschluss zu suchen und eigensinniger zu sein.

          Leon Goretzka: „Der Bundestrainer treibt mich an, meine Stärke einzubringen und viele Laufwege in die Tiefe zu machen.“
          Leon Goretzka: „Der Bundestrainer treibt mich an, meine Stärke einzubringen und viele Laufwege in die Tiefe zu machen.“ : Bild: AFP

          Ermutigt der Bundestrainer Sie dazu?

          Dazu nicht speziell. Aber er treibt mich an, meine Stärke einzubringen und viele Laufwege in die Tiefe zu machen.

          Es scheint, als ob Ihnen in dieser Saison bei Schalke und nun vielleicht auch im Nationalteam der große Sprung gelungen wäre.

          Na ja, großer Sprung ... Ich kann mich in allen Bereichen noch verbessern. Die mediale Aufmerksamkeit aufgrund der Torbeteiligungen war aber in diesem Jahr größer, deswegen kommt es in der öffentlichen Wahrnehmung vielleicht so rüber, als sei ich jetzt viel besser als im letzten Jahr gewesen. Aber auch die Vorsaison war sehr gut. Nur habe ich mich da zu einem ungünstigen Zeitpunkt verletzt, und das ist jetzt zum Glück ausgeblieben.

          Sie sind diese Saison nahezu verletzungsfrei geblieben und begründen das auch mit der Umstellung Ihrer Ernährung. Für einen Laien ist das schwer vorstellbar, dass man sich nicht den Muskel zerrt, weil man das Richtige isst.

          Man kann das natürlich nicht auf jeden beziehen, das muss jeder ganz individuell prüfen lassen. Das habe ich getan, auf den Rat unseres Chef-Physiotherapeuten hin, weil er feststellte, dass ich auf kleinere Verletzungen anders reagierte als andere Spieler und nach Spielen länger brauchte, um mich wieder fit zu fühlen. Er empfahl, auf metabolischer Ebene mal zu schauen, was man machen kann.

          Also im Bereich des Stoffwechsels.

          Ja, ich ließ mich bei einem Spezialisten in Darmstadt auf alles prüfen. Ergebnis waren zu hohe Entzündungswerte im Körper. Man sagt ja, der Darm ist das zweite Gehirn, und er hat bei mir aufgrund der Entzündungen nicht mehr richtig regulieren können, welche Stoffe vom Körper aufgenommen werden sollten. So wurden durch diese Entzündungen jegliche Regenerationsprozesse verlängert. Die Umstellung der Ernährung ließ die Entzündungswerte sinken. Seitdem bin ich viel schneller fit nach einem Spiel, vor allem in den englischen Wochen.

          Was heißt das für Ihre Speisekarte?

          Kein Gluten, keine Kuhmilch, kein Schweinefleisch. Und anfänglich auch keine Nüsse.

          Ernährung ist ja ein großes gesellschaftliches Thema geworden, auch im Fußball?

          Absolut. Ist ein echter Hype geworden. Anfangs habe ich es nur gemacht, weil mein Physio mich gedrängt hatte. Aber schon nach zwei, drei Wochen merkte ich den Unterschied. Wenn man so ein Aha-Erlebnis hat, fällt es anschließend viel leichter, auf bestimmte Nahrungsmittel zu verzichten. Ich habe mehr Energie, bin viel seltener tagsüber müde.

          Sie wirken auch im Spiel präsenter.

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