http://www.faz.net/-gtl-8z61f

Timo Werner beim DFB-Team : Der Stürmer der Zukunft

  • Aktualisiert am

Timo Werner: „Der Confed Cup ist gerade für uns junge Spieler eine Riesen-Erfahrung.“ Bild: EPA

Von Timo Werners Talent wusste man beim DFB schon, als er noch in der Jugend spielte. Außerdem ist er jünger als Stindl, talentierter als Wagner und gilt als Angreifer der Zukunft im Nationalteam.

          Genau so hatte Timo Werner sich das vorgestellt. Noch vor zwei Wochen wurde der junge Fußball-Nationalstürmer beim WM-Qualifikationsspiel gegen San Marino von den eigenen Fans ausgepfiffen. Am Sonntagabend schoss er die deutsche Mannschaft dann beim Confederations Cup ins Halbfinale gegen Mexiko. „Ich freue mich riesig über meine zwei Tore“, sagte der 21-Jährige von RB Leipzig nach dem 3:1 gegen Kamerun. Oder wie er es schon vor einer Woche in einem „Kicker“-Interview formuliert hatte: „Mein Ziel muss sein, dass die deutschen Fans irgendwann froh sind, mich im Nationaltrikot zu sehen. Dass sie sagen: Zum Glück haben wir den Jungen, der das entscheidende Tor beispielsweise im WM-Halbfinale erzielt hat.“

          Noch waren es in Sotschi nur die entscheidenden Tore in einem letzten Confed-Cup-Gruppenspiel. Aber das mit dem WM-Halbfinale kann ja noch kommen. Denn selbst der lauteste Werner-Kritiker, jemand, der ihm seine berühmt-berüchtigte Schwalbe aus dem Dezember 2016 und seine bloße Zugehörigkeit zu RB Leipzig auch bei der Weltmeisterschaft 2030 noch nicht wird verzeihen können, kommt an einer Erkenntnis nicht vorbei: Timo Werner ist der Angreifer der Zukunft im Nationalteam.

          Das 2:0 – Werner köpft ein für Deutschland. Bilderstrecke

          Er ist jünger als Lars Stindl und talentierter als Sandro Wagner, die sich in Joachim Löws Perspektivteam bei diesem Turnier ebenfalls für die Weltmeisterschaft in einem Jahr empfehlen wollen. „Timo hat seine Gefährlichkeit und seinen Torinstinkt bewiesen. Beide Tore macht er sehr schön, sehr überlegt“, lobte der Bundestrainer in Sotschi: „Er hat wahnsinnig viel gearbeitet und sich diese beiden Tore verdient.“

          Zu den Stärken dieses jungen deutschen Teams gehört, dass es jedes Mal ein anderer Spieler ist, der ganz besonders auffällt. Im ersten Spiel war dies Leon Goretzka, im zweiten Lars Stindl und gegen Kamerun jetzt Timo Werner mit seinen ersten Länderspieltoren.

          „Der Confed Cup ist gerade für uns junge Spieler eine Riesen-Erfahrung. Wir lernen hier ein bisschen kennen, wie es bei einem großen Turnier wie einer Weltmeisterschaft läuft“, sagte er danach. „Wir spielen hier gegen Mannschaften von allen Kontinenten und lernen, was gegen sie wichtig ist. Bisher hat sich bei uns noch keiner beschwert, hier sein zu dürfen oder hier sein zu müssen.“

          Von Werners begnadetem Talent, von seiner Schnelligkeit und seiner Robustheit, wusste man beim DFB schon, als er noch in der Jugend des VfB Stuttgart kickte. Was den Verantwortlichen der Nationalmannschaft dazu gefällt, ist seine Fähigkeit, mit schwierigen Situationen umzugehen. Das bewies er schon im Großen, als er in der Saison nach dem Bundesliga-Abstieg mit dem VfB Stuttgart stolze 21 Tore für seinen neuen Verein RB Leipzig schoss. Das zeigte er im Kleinen auch gegen Kamerun, als er zum „Spieler des Spiels“ einer Partie gewählt wurde, die lange Zeit eher unglücklich für ihn verlaufen war.

          Unser Angebot für Erstwähler
          Unser Angebot für Erstwähler

          Lesen Sie 6 Monate die digitalen Ausgaben von F.A.Z. PLUS und F.A.Z. Woche für nur 5 Euro im Monat

          Zum Angebot

          „Ich habe einen kleinen Anlauf gebraucht, bis ich meine Tore gemacht habe“, räumte der 21-Jährige nach seinem erst vierten Länderspiel ein. „Ich habe mich auch ein bisschen geärgert, denn bei den zwei Chancen vorher lief es nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe.“ Für Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff kommt es exakt darauf an: „Für uns ist bei diesem Turnier auch wichtig, zu sehen: Wie verhält sich jemand in schwierigen Situationen? Hält er auch seine Position, wenn es nicht so läuft?“

          Timo Werner hat das getan. Im Umgang mit den Vorbehalten, die viele Fans noch immer gegen ihn haben, wird ihm diese Eigenschaft wohl auch helfen. Das nächste Ziel ist aber erst einmal das Halbfinale gegen Mexiko: „Wir sind nicht hier, um zu sagen: Zweiter, Dritter oder Vierter zu werden, das reicht uns aus“, sagte er. „Wir wollen jetzt das Halbfinale gewinnen und danach nach Möglichkeit auch das Finale.“

          Weitere Themen

          Gegenwind für Lahm

          Nach Löw-Kritik : Gegenwind für Lahm

          Nach seiner Kritik am Führungsstil von Bundestrainer Joachim Löw erntet Philipp Lahm nun selbst welche. Rudi Völler widerspricht, Jürgen Klopp stellt Forderungen und bei der ARD ist man auch nicht zufrieden.

          „Hier ist noch Alles möglich“ von Gianna Molinari Video-Seite öffnen

          1 Buch, 1 Satz : „Hier ist noch Alles möglich“ von Gianna Molinari

          Ein Wolf wurde gesichtet. In einer Fabrik. Eine junge Frau wird als Nachtwächterin eingestellt. - Warum die traurige Geschichte, die mit großem Witz erzählt wird, ein großartiges Psychogramm schafft und der Roman ein erstaunliches Debüt ist, beschreibt Andreas Platthaus.

          Die Frühreifen

          Englands Nationalmannschaft : Die Frühreifen

          Die Investition in die Zukunft zahlt sich jetzt schon aus: England entwickelt eine neue Fußballer-DNA. Am Samstag steht sie gegen Schweden im Halbfinale der Fußball-WM auf der Probe.

          Topmeldungen

          Viele Landesregierungen retten sich mit provisorischen Lösungen, um den Lehrermangel zu bekämpfen.

          Deutsche Bildungsmisere : Totgeschwiegener Lehrermangel

          Die Frage nach qualifizierten Lehrern ist zur Zukunftsfrage der Länder geworden. Doch diese tun zu wenig, um den Nachwuchs für sich zu gewinnen. Ein Kommentar.

          Kommandeur reagiert : EU-Mittelmeermission „Sophia“ gestoppt

          Italien setzt seinen harten Kurs gegen Bootsflüchtlinge fort. Nach der Ankündigung, Schiffen der EU-Mission „Sophia“ die Einfahrt in italienische Häfen zu verbieten, zog der zuständige Admiral jetzt offenbar die Reißleine.

          Gazastreifen : Das Feuer kommt am Nachmittag

          Seit Wochen lassen Palästinenser aus dem Gazastreifen brennende Ballons nach Israel fliegen. Die Bewohner der Kibbuzim müssen sich überwiegend selbst helfen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.