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Benjamin Henrichs im Gespräch : „Und jetzt sitze ich hier bei Joachim Löw“

Chance genutzt: Für Benjamin Henrichs, 20 Jahre alt, hat sich eine Idee von Roger Schmidt als Karrieremotor erwiesen. Bild: WITTERS

Der Jüngste der Jungen im deutschen Team spricht über das Erlebnis Confed Cup, einen Positionswechsel wider Willen – und seinen Aufstieg vom Jugend- zum Nationalspieler in nur einem Jahr.

          Können Sie sich an den letzten Confed Cup erinnern, bei dem Deutschland mitgespielt hat?

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          War das nicht der Confed Cup 2005 in Deutschland, bei dem „Schweini“ und „Poldi“ so rausgeragt haben? So war das doch, oder?

          Ja, so war das.

          Ha! Ein bisschen kann ich mich doch daran erinnern.

          Wie alt waren Sie denn da, sechs oder sieben?

          Acht. Mit sieben bin ich zu Bayer Leverkusen, da habe ich auch so langsam angefangen, mir ein paar Spiele anzugucken. Aber eine ganz konkrete Erinnerung habe ich nicht mehr an den Confed Cup. Das war echt vor meiner Zeit. Die WM 2010 habe ich dann richtig intensiv verfolgt, von 2006 habe ich aber alles komplett mitgekriegt.

          Spielplan der Fußball-WM 2018 in Russland

          Schweinsteiger und Podolski, die damals Teenager waren, haben jenen Confed Cup für sich genutzt – und sind groß rausgekommen. Haben diese Erfahrungen für Sie noch Bedeutung?

          Ja, klar. Ich bin jetzt zum ersten Mal länger mit der Nationalmannschaft unterwegs, man repräsentiert sein Land und versucht sein Bestes zu geben. Bei den beiden hat es damals super funktioniert, die sind toll eingeschlagen. Ich hoffe auf einen ähnlich erfolgreichen Weg.

          Jetzt wurden Sie gegen Kamerun im entscheidenden Vorrundenspiel eingewechselt – und bereiteten gleich das 3:1 vor. Wie haben Sie Ihr Debüt empfunden, waren Sie nervös?

          Bis dahin hatte ich ja noch nicht auf dem Platz gestanden, weder gegen Dänemark oder San Marino noch hier in Russland. Mit der ersten Ballberührung hat sich meine Nervosität gelegt. Und ab da war’s ein normales Spiel. Der Bundestrainer hatte mir gesagt, dass ich gut trainiert habe. Deshalb war auch diese Leistung möglich. Ich bin zufrieden mit mir, weil ich in der Phase, als ich nicht eingesetzt wurde, nicht an mir gezweifelt und wirklich konsequent weitergearbeitet habe.

          Was kann man jetzt vor dem Halbfinale gegen Mexiko noch vom Team und von Ihnen erwarten?

          Man hat jetzt gesehen, was wir können. Nach einer nicht so guten ersten Halbzeit haben wir gegen Kamerun nach dem Wechsel wieder einen draufgesetzt – und gezeigt, wie viel Qualität in unserer Mannschaft steckt. Es wird schwer, uns zu schlagen.

          Sie sind zwar mit 20 Jahren der jüngste Spieler im Kader, gehörten aber gar nicht zu den sechs Neulingen, die der Bundestrainer für den Confed Cup und die beiden Länderspiele zuvor nominiert hatte.

          Stimmt. Ich war schon beim Hinspiel in San Marino dabei. Das war ein tolles Erlebnis für mich – und jetzt bin ich hier der jüngste Spieler. Ich bin einfach sehr froh über jede Minute, die ich kriege.

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          Sie sind ja erst sehr spät von Ihrem früheren Klubtrainer Roger Schmidt zu einem Außenverteidiger gemacht worden, vorher spielten Sie im Mittelfeld. Ist Außenverteidiger jetzt die Rolle, die Sie auch künftig ausfüllen wollen?

          Roger Schmidt hat da wirklich etwas Hervorragendes mit mir gemacht.

          Sie wären selbst nicht auf diese Idee gekommen?

          Auf keinen Fall! Ich würde mich ja eher auf der Sechser-Position sehen. In der U19 war ich ja noch in der ganz offensiven Rolle, Links- oder Rechtsaußen. Da hätte ich mich auch nicht mehr gesehen, aber als Außenverteidiger überhaupt nicht. Aber dann hat mich Roger Schmidt dort links und rechts getestet – und jetzt hat mich dieser Positionswechsel bis in die Nationalmannschaft gebracht. Ehrlich gesagt hatte ich, als ich dort erstmals im Training eingesetzt wurde, zu meinen Freunden gesagt: Es läuft zwar ganz gut, aber eigentlich will ich das gar nicht. Ich habe mich sogar ein bisschen geärgert, weil es im Training so gut geklappt hat. Aber ich wollte ja eigentlich ein bisschen weiter vorne spielen.

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