http://www.faz.net/-gtl-8z3dx

3:1 gegen Kamerun : Deutschland souverän ins Halbfinale

Torschützen unter sich: Timo Werner (links) und Kerem Demirbay. Bild: AFP

Nach einer schwachen ersten Halbzeit steigert sich das umgestellte deutsche Team und besiegt Kamerun. Ein DFB-Spieler trifft doppelt. Für die größte Aufregung sorgen die Schiedsrichter mit einer Roten Karte.

          Die Schlussphase hatte es noch einmal in sich: Kamerun war in Unterzahl durch Aboubakar (78. Minute) auf 1:2 heran gekommen, der Gruppensieg der deutschen Mannschaft geriet noch einmal in Gefahr. Aber auch im dritten Vorrundenspiel des Confed Cups ließ sich die junge und wieder stark veränderte Nationalelf nicht mehr von ihrem erfolgreichen Weg abbringen. Der eingewechselte und mit 19 Jahre jüngste deutsche Spieler, Benjamin Henrichs leistete die clevere Vorarbeit zum 3:1 und damit zum zweiten Treffer von Timo Werner (66. und 85.).

          Spielplan der Fußball-WM 2018 in Russland

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Der 3:1-Sieg der Deutschen – den Führungstreffer hatte Karem Demirbay (48.) erzielt – war am Ende hochverdient und hätte nach einem umstrittenen Platzverweis gegen Kamerun nach gut einer Stunde leicht höher ausfallen können. Aber auch so reichte es für den Weltmeister zum souveränen Gruppensieg. Die Deutschen treffen nun am Donnerstag im Halbfinale wiederum in Sotschi auf Mexiko. Damit haben das Team und ihr Trainer beim Confed Cup schon jetzt mehr erreicht, als die meisten Fans des Weltmeisters vor diesem ungeliebten Turnier erwartet hatten.

          Es schien schon vor dem Anpfiff klar, dass es eigentlich keine große Sache werden sollte, das Halbfinale zu erreichen. Selbst eine knappe Niederlage hätte den Deutschen gereicht. Der Bundestrainer hatte angesichts der guten Ausgangsposition, und in Erwartung der kommenden Belastungen mit dem Halbfinale und dem abschließenden Plazierungsspiel, seine Testphase mit Blick auf die WM 2018 auch gegen Kamerun unbeirrt fortgesetzt. Mit Mustafi, Hector, Goretzka und Stindl saßen gleich vier der bis dahin festen Größen des Teams auf der Bank, dafür durften unter anderem Plattenhardt und Demirbay ihr Debüt im Confed Cup geben. Die Dreierkette bestand nun aus Ginter, Rüdiger und zentral mit Süle. Das hätte man sich vor ein paar Wochen kaum vorstellen können – und dass nun tatsächlich ein B-Elf am Start war, sah man dann mitunter auch.

          Zu Beginn schien es, als hätte sich am Badeort Sotschi bei knapp 25 Grad und strahlendem Sonnenschein auch auf dem Platz so etwas wie eine passiv-lässige Urlaubsatmosphäre bei den Deutschen breit gemacht. Tatsächlich hatten fehlende Präzision beim Passspiel, ein Mittelfeld ohne Spielkontrolle und zu große Abstände zwischen den Mannschaftsteilen andere Gründe: Das neue und nochmals veränderte Team musste sich noch finden. Und so war Kamerun anfänglich das stärkere, aktivere und gefährlichere, aber keineswegs ein herausragendes Team.

          Wenn die Sonne untergeht, muss das Flutlicht angehen beim Fußball. Bilderstrecke
          Wenn die Sonne untergeht, muss das Flutlicht angehen beim Fußball. :

          Löw verfolgte in der Coaching Zone das zunächst unkontrollierte Treiben mit in den Hüften gestemmten Armen, dirigierte dann immer wieder gestenreich und sichtlich unzufrieden. Allein: es half nicht viel. Den ersten Torschuss brachten die Deutschen nach 21. Minuten zustande, aber Demirbay verfehlte knapp das Ziel. Nur zwei Minuten später kam nach einer schönen Flanke von Plattenhardt der Leipziger Werner aus wenigen Metern an den Ball, aber auch sein Flugkopfball landete neben dem Tor. Das war, weil Kamerun wenig Durchschlagskraft zu bieten hatte und meist ungestüm anrannte, die bis dahin beste Chance des Spiels.

          Das Engagement der Deutschen stimmte, aber an einer verlässlichen Abstimmung fehlte es trotzdem immer wieder. Aus 60 Prozent Ballbesitz in der ersten Halbzeit entstanden so nie eine spielerische Dominanz und kaum Torgefahr. In der 45. Minute war dann die deutsche Defensive zum ersten Mal richtig durcheinander geraten. Torwart ter Stegen jedoch, auf den sich der Bundestrainer als Nummer eins für den Rest des Turniers festgelegt hat, lenkte den gefühlvollen Heber von Zambo mit einer Hand über die Latte. Im Fernduell um den Gruppensieg machte es aber auch Chile nicht besser als die Weltmeister-Vertreter, im Gegenteil. Zur Pause lag der Südamerikameister 0:1 zurück – und die Deutschen standen plötzlich, auch wenn es gar nicht danach aussah, auf Platz eins.

          Nach dem Wechsel machten die Deutschen dann gleich vieles viel besser. Und gingen ganz schnell in Führung – mit einem herrlichen Treffer Demirbays. Der Hoffenheimer war nach einem Doppelpass mit Draxler vom deutschen Kapitän wunderbar mit der Hacke freigespielt worden. Demirbay schoß den Ball aus 18 Metern unter die Latte. Das Tor gab dem Team sichtbar Auftrieb. Kimmich scheiterte im Nachschuss nach einer schönen Kombination am prächtig reagierenden Torwart (54.), dann verfehlte Ginter mit einem Kopfball das Tor (56.). Aber so schnell, wie Stabilität und Selbstbewusstsein gekommen waren, verschwanden sie auch wieder. Nach einer Stunde machte Kamerun dem deutschen wieder viel Mühe, aber beim Abschluss fehlte den Afrikanern weiter die Konsequenz.

          Für die größte Aufregung sorgten dann die Schiedsrichter, als nach einem gelbwürdigen Foul von Mabouka an Can die Video-Schiedsrichter vor dem Fernseher eingriffen. Schiedsrichter Roldan hatte zunächst den falschen Spieler verwarnt (Siani) – und bestrafte dann zur allgemeinen Verblüffung Mabouka mit der Roten Karte (65.). Eine zu harte Entscheidung. Selbst Löw spendete Trost. Nur zwei Minuten später nutze das DFB-Team die Überzahl eiskalt und auf sehenswerte Weise. Eine weite Flanke von Kimmich köpfte Werner im Flug zum 2:0 ins Tor. Ein schwacher Trost aber blieb Kamerun noch an diesem Abend: EinKopfballtor von Aboubakar (79.) – bevor Werner mit seinem zweiten Treffer umgehend den Abstand wieder herstellte – und damit den verdienten Gruppensieg vor Chile, das 1:1 spielte. gleichzeitig perfekt machte.

          Quelle: FAZ.NET

          Weitere Themen

          Trump bangt um seine Steuerreform Video-Seite öffnen

          Mehrheitsfindung : Trump bangt um seine Steuerreform

          Trump steht unter Druck. Der amerikanische Präsident möchte seine Steuerreform möglichst bald beschlossen haben. Denn durch die Niederlage in Alabama verändern sich die Verhältnisse im Senat 2018 ein Stück zu seinen Ungunsten.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Antisemitismus in Europa : Trump ist nicht schuld am Hass auf die Juden

          Die antijüdischen Vorfälle in Berlin und anderen europäischen Städten haben nichts mit Donald Trumps Entscheidung zu tun, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen. Die wirklichen Ursachen für den europäischen Antisemitismus liegen viel tiefer. Ein Gastbeitrag.

          Staats-Doping in Russland : Die Lunte im Fußball brennt

          Was bedeutet das russische Staats-Doping für die Fußball-WM? Der Fußball-Weltverband schweigt beharrlich. Nun aber könnte ein brisanter Datensatz das Bollwerk der Fifa sprengen.

          Europas Finanzzentrum : Wie Londons Banken den Schmalspur-Brexit planen

          Die Manager in Europas größtem Finanzzentrum fürchten zwar den EU-Austritt Großbritanniens, doch die Folgen für die Banken in London bleiben vorerst überschaubar. Fällt der „Brexodus“ gar gänzlich aus?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.