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DFB-Elf siegt bei Confed Cup : Ein unverhofftes deutsches Sommermärchen

Eine goldene Generation: Die deutsche Elf holt auch den Confed Cup. Bild: Reuters

Die Stars wurden in diesem Sommer vom Bundestrainer geschont, die Nachrücker übertreffen alle Erwartungen: Das Tor von Stindl reicht im Finale gegen Chile zum Gewinn des Confed Cups.

          Den einzigen Titel, den die deutsche Fußball-Nationalmannschaft noch nie gewonnen hatte, hat sich das in den vergangenen zwei Wochen schon so erfrischend aufspielende Team von Bundestrainer Joachim Löw in Sankt Petersburg nicht mehr nehmen lassen. Die junge Top-Kopie des Weltmeisters gewann das Endspiel um den Confederations Cup gegen Chile 1:0. Den entscheidenden Treffer gegen den Südamerikameister, der die älteste und erfahrenste Mannschaft bei dem WM-Vorbereitungsturnier stellte, erzielte Lars Stindl in der 20. Minute nach Vorarbeit von Timo Werner. Damit hat die Nationalelf, die viele vor dem Turnier für eine Verlegenheitsauswahl hielten, ihr letztes Meisterstück hingelegt.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Wer aus dieser Mannschaft, die einen leidenschaftlichen Auftritt voller Siegeswillen hinlegte, im kommenden Sommer bei der WM in Russland dabei sein wird, ist nun die nächste Herausforderung, in die sich jeder einzelne Spieler in den kommenden zwölf Monaten stürzen dürfte. „Jeder, der mit war, hat jetzt natürlich eine bessere Position als vorher. Alle haben ganz wichtige Erfahrungen gesammelt. Davon werden wir im nächsten Jahr profitieren“, sagte Löw und fügte grinsend hinzu: „Zuhause haben wir ja auch noch ein paar talentierte Spieler.“

          Spielplan der Fußball-WM 2018 in Russland

          Seine junge Mannschaft hatte sich nie einschüchtern lassen und sich nach Kräften gewehrt gegen die Chilenen, die bis zum letzten Moment den Ausgleich erzwingen wollten. Aber auch die fünfminütige Nachspielzeit brachte das Überraschungsteam schließlich mit einer herausragenden Mannschaftsleistung erfolgreich hinter sich. Den Sieg gegen Chile und beim Confederations Cup wollten sie nicht mehr hergeben – und verdienten ihn sich auf eindrucksvolle Weise. Der Bundestrainer hatte für den letzten packenden Akt eine Aufstellung parat gehabt, die nach dem Turnierverlauf nicht überraschte. Die Formation vom Halbfinale blieb bis auf eine Position identisch – für Benjamin Henrichs, den jüngsten und unerfahrensten Spieler des Teams, kehrte Weltmeister Shkodran Mustafi in das Team zurück, auf die zentrale Position in der Dreierkette.

          Deutscher Fingerzeig: Lars Stindl traf gegen Chile zum 1:0. Bilderstrecke

          Es war ein Finale mit Auswärtsspiel-Atmosphäre. Zehntausende chilenische Fans unterstützen ihr Team. Der Fanklub Nationalmannschaft dagegen: Fehlanzeige, wie auch bei allen anderen deutschen Partien zuvor. Und auch das Spiel entwickelte sich ganz ähnlich. Chile dominierte von Beginn an. Die Deutschen hatten in den ersten zwanzig Minuten keine Kontrolle über das Spiel, ihnen gelang kaum ein geordneter Aufbau. „Am Anfang waren wir sichtlich nervös. aber so ein Finale hat ja auch etwas Magisches“, sagte Löw.

          Vidal (4.) und Vargas (13.) kamen zu ersten, wenn auch nicht allzu zwingenden Gelegenheiten. In der 20. Minute konnte das DFB-Team dann allerdings von Glück sprechen, als ter Stegen erst einen harten Schuss von Vidal nach vorne abprallen ließ, aber Sanchez den Ball im zweiten Versuch nicht richtig traf. Im Gegenzug zeigten die Deutschen, wie man aus wenig ganz viel macht. Der frühere HSV-Profi Diaz leistete sich bedrängt an der Strafraumgrenze eine Unachtsamkeit, Werner schnappte entschlossen zu, als der Ball frei lag, drang in den Strafraum ein und spielte Stindl an, der mit dem Ball ins leere Tor laufen konnte.

          Die frühe und glückliche Führung änderte an den Kräfteverhältnissen erst einmal wenig. Den Deutschen gelang es zunächst nur, die Chilenen öfter und etwas weiter von der Gefahrenzone fernzuhalten, vollständig gelang aber auch das trotz aller Widerstandskraft nicht. Dafür waren die Südamerikaner, angeführt vom starken Vidal, zu kämpferisch, zu einsatz- und spielfreudig. Sie kamen in der ersten Halbzeit auf 63 Prozent Ballbesitz.

          In den letzten zehn Minuten vor der Halbzeit zeigten die leidenschaftlich verteidigenden Deutschen dann aber auch, was sie in der Offensive können: auf ihre Konterchancen lauern. Erst war es Goretzka, dessen Schuss knapp am hinteren Pfosten vorbeistrich (36.), dann sprang Werner der Ball nach einem starken Konter über Goretzka etwas zu weit vom Fuß (38.), danach verzog Draxler knapp (40.) und Goretzka scheiterte nach einem weiteren Überfallangriff aus spitzen Winkel (45.). Die Deutschen hätten zur Pause plötzlich sogar höher führen können, wenn sie ihre Chancen entschlossener genutzt hätten. Chile kam bei den deutschen Angriffen kaum mehr hinterher.

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          In der zweiten Halbzeit schwand die chilenische Dominanz zunächst. Das deutsche Team hielt mit viel Laufbereitschaft dagegen. Und nach 56 Minuten bewies Draxler seine Klasse und seine Schnelligkeit, als er zu einem mitreißenden Solo ansetzt, aber sein Schuss zum Eckball abgeblockt wurde. In der 65. Minute hätte sich Chile nicht beschweren können, wenn der Schiedsrichter nach Einsatz des Videoassistenten einen Ellbogenschlag von Jara gegen Werner nicht mit der Gelben, sondern richtigerweise mit der Roten Karte bestraft hätte. Das Spiel wurde härter, aber auch zerfahrener. Ein giftiger Kampf um jeden Ball, um jeden kleinen Vorteil. Um die Defensive in der Schlussphase zu stärken, brachte Löw Mittelfeldspieler Emre Can für Stürmer Werner (78.).

          Den Druck der Chilenen minderte dieser Wechsel nicht, aber frische Kräfte benötigten die Deutschen in ihrem leidenschaftlichen Kampf. In der 84. Minute war der Südamerikameister dem Ausgleich ganz nahe, aber nach einer spektakulären Vorarbeit jagte Sagal den Ball aus wenigen Metern über die Latte. Und nach 95 Minuten, nachdem ter Stegen auch noch einen letzten gefährlichen Freistoß pariert hatte, fielen die Deutschen dann voller Freude als Sieger des Confed Cup übereinander her – fast so, als hätten sie die WM gewonnen. Danach durfte weiter gejubelt werden: Timo Werner bekam den „Goldenen Ball“ als bester Offensivspieler des Turniers, Julian Draxler wurde als bester Spieler ausgezeichnet. Das Schlusswort hatte Löw: „Die Jungs haben das klasse gemacht, ich bin superstolz auf sie.“

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