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Champions League Nur die Schreihälse stören das keltische Idyll

21.11.2006 ·  Schottisch-englischer Gipfel in der Champions League: Celtic empfängt Manchester United. Die Schar der Schreihälse, die Celtic auszusondern versucht, ist das einzige Problem, das dem Klub derzeit geblieben ist.

Von Christian Eichler
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Im Januar tauchte ein Video auf, in dem mehrere Männer einen separatistischen irischen Song singen. Dazwischen ertönen Rufe wie „IRA“ und „Sinn Fein“. Zwei der Männer, John Hartson und Stephen Pearson, stellten sich als Fußballprofis von Celtic Glasgow heraus, das eine große Anhängerschaft bei katholischen Iren hat. Das grobkörnige Filmchen erwies sich zwar als schwaches Beweisstück, der Skandal verlief im Sande.

Doch das Problem der feindseligen, politisch radikalen Gesänge und Sprechchöre extremer Celtic-Fans blieb dem Klub erhalten. An diesem Dienstag will die Europäische Fußball-Union (Uefa) genau hinhören, was die Zuschauer im Topspiel der Champions League gegen Manchester United (20.45 Uhr im FAZ.NET-Liveticker) so von sich geben. Die Uefa hat sich nicht nur dem Kampf gegen Rassismus verschrieben, sondern neuerdings auch „extremistische ideologische Propaganda“ als unerwünschte Begleiterscheinung in ihre Fahndung aufgenommen.

Trainer Strachan sitzt fest im Sattel

Die Schar der Schreihälse, die Celtic mit Hilfe von Polizei und Ordnern auszusondern versucht, ist das einzige Problem, das dem Klub derzeit geblieben ist. Bei der Jahresversammlung im Oktober kam der Vorsitzende Brian Quinn zu dem Schluß, Celtic habe es „noch nie so gut gehabt“. Auch die Anteilseigner zeigten sich so zufrieden, wie es sich jeder Klub und jedes Unternehmen nur wünschen kann. Das einzige, was zu meckern war, betraf ein Leck im Dach der Nordtribüne und die Unleserlichkeit einiger Spielernamen auf der Anzeigetafel.

Sonst herrscht nur keltisches Idyll bei Celtic. Die Schulden wurden um über zehn Millionen Pfund mehr als halbiert. Trainer Gordon Strachan, der als Nachfolger des beliebten Martin O'Neill in der vergangenen Saison noch kritisiert wurde, als er in der Qualifikation zur Champions League an Artmedia Bratislava scheiterte, sitzt längst fest im Sattel. Er kommt mit seinem Team nach elf Siegen nacheinander auf 15 Punkte Vorsprung in der schottischen Premier League.

Typische Heimstärke

Auch die Konkurrenz gibt sich alle Mühe, Celtic bei Laune zu halten. Beim ewigen Rivalen Glasgow Rangers ist der neue Trainer Paul Le Guen, einst Meistermacher von Olympique Lyon, schon als „Paul Le Gone“ verschrien, denn immer mehr Fans fordern seine Ablösung. Und bei den Hearts of Midlothian, die letzte Saison dank der Gaben des litauischen Multimillionärs Viktor Romanow lange mit Celtic mithielten, haben die zaristischen Allüren des Besitzers längst alle entnervt, inklusive der Mannschaft, die Romanow komplett zu verkaufen drohte, wenn sie das nächste Match nicht gewönnen. Sie haben seitdem achtmal nicht gewonnen, die Spieler blieben natürlich trotzdem. Nur Kapitän Steven Pressley landete auf der Bank, und Trainer Valdas Ivanauskas mußte zurück nach Litauen.

Alles spielt für Celtic. Selbst in der Champions League. Zwar gab man beim 2:3 in Manchester und beim 0:3 bei Benfica Lissabon weitere Beispiele der chronischen schottischen Angst vor Europareisen. Doch dank der ebenso typischen Heimstärke gegen Benfica (3:0) und Kopenhagen (1:0) winkt das Entrée in jene Beletage, auf der man endlich vom Rest Europas ernstgenommen würde: die K.-o.-Runde der Champions League. Es wäre eine Premiere. Sowenig wie Schottlands Nationalteam je eine WM- oder EM-Vorrunde überstand, so wenig hat Schottlands stärkstes Klubteam das je in der Champions League geschafft.

„Das wäre großartig für den schottischen Fußball“

Manchester kann sich nach dem 0:1 in Kopenhagen keinen weiteren Ausrutscher leisten. So verspricht das Duell der beiden ersten britischen Teams, die den Europapokal der Landesmeister gewannen (Celtic 1967, United 1968), einen schottisch-englischen Gipfel voller Leidenschaft - nicht zuletzt weil es auch das Duell zweier schottischer Trainer ist, die sich in persönlicher Animosität verbunden sind. Strachan, der unter Alex Ferguson in Aberdeen und Manchester spielte, ließ in seiner Autobiographie kein gutes Haar an Fergusons Führungsstil.

Dieser wiederum schrieb, man könne Strachan „nicht trauen“. Allerdings hat sich Sir Alex nun bemüht, etwas Sympathie in seiner Heimatstadt zu gewinnen. Er äußerte den Wunsch, Celtic möge hinter United als Gruppenzweiter weiterkommen: „Das wäre großartig für den schottischen Fußball.“ Und der ist ohnehin im Aufwind. Der 1:0-Erfolg des Nationalteams über Frankreich wurde im Oktober als „Wiederauferstehung“ gefeiert. In der Elf stand zwar nur ein Celtic-Spieler. Aber der schoß das Siegtor: Verteidiger Gary Caldwell.

Quelle: F.A.Z., 21.11.2006, Nr. 271 / Seite 39
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