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Champions-League-Kommentar Britischer Thronsturz

 ·  Ein Desaster für den englischen Fußball in der Champions League ist nur noch durch eine faustdicke Überraschung zu verhindern. Mit Unterstützung aus dem Orient rütteln nun andere Vereine an der einst fest zementierten Hierarchie.

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© AP/dpa Was soll ich machen? Manchester-Legende Ryan Giggs ist ratlos

Nur wenn es in der kommenden Woche in der Champions League eine ganz dicke Überraschung geben wird, die nah an ein sportliches Wunder heranlappt, ist das Desaster für den englischen Fußball noch zu verhindern. Allein der FC Arsenal hat noch die Chance, sich als Verein aus der Premier League für das Viertelfinale zu qualifizieren. Allerdings müssen die Londoner beim aktuellen deutschen Überfliegerklub Bayern München dazu einen 1:3-Rückstand aufholen, woran nur ganz kühne Optimisten glauben dürften. Zuletzt hat es das in der Saison 1995/96 gegeben, also in jener Zeit, bevor die großen Fernsehverträge die Fußballwelt gehörig veränderten und für eine neue Hierarchie sorgten. Der Titelverteidiger hieß damals Ajax Amsterdam, und er scheiterte erst im Elfmeterschießen des Finales an Juventus Turin.

Blicke nach Osteuropa

Zwar war das Ausscheiden von Manchester United gegen Real Madrid begünstigt durch eine Rote Karte, die selbst die nicht für ihre Objektivität berühmten spanischen Zeitungen zwischen strittig und unberechtigt einordneten, aber die Übermacht der englischen Klubs auf europäischer Ebene scheint etwas zu bröckeln. Sowohl in der Saison 2007/08 als auch ein Jahr darauf schafften es noch jeweils vier Teams ins Viertelfinale und sogar drei ins Halbfinale. Die begehrtesten Spieler der Welt aber sind längst nicht mehr wie früher ausnahmslos in England oder bei den beiden großen spanischen Klubs aktiv - die Unterstützung aus dem Orient hat Paris St.Germain ebenso zu einem Mitbewerber mit großer Finanzkraft gemacht wie die russischen und ukrainischen Klubs, die auf die Unterstützung ihrer Oligarchen bauen können. Der Blick auf die Europa League, in der osteuropäische Klubs eine große Rolle spielen, deutet an, wer in den kommenden Jahren für Aufsehen in der Champions League sorgen könnte.

Einen dauerhaften Trend am aktuellen Scheitern der britischen Klubs erkennen zu wollen, wäre vermessen. Die Macht des Geldes in der Premier League ist immer noch ungebrochen, und die englischen Klubs können jederzeit ihre Lehren ziehen. Fest zementiert aber scheint die aktuelle Hierarchie in Europa nicht mehr zu sein. Selbst ein Überraschungsteam wie Dortmund könnte den großen Coup landen. Wer das für unmöglich hält, sollte sich an das vergangene Jahr erinnern, als der Titelgewinn für Chelsea kaum denkbar schien. Und ganz sicher ist zumindest, dass die Borussia im Fall der Fälle schöneren Fußball spielen würde.

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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