12.07.2004 · Nach Ottmar Hitzfeld hat auch Otto Rehhagel dem Deutschen Fußball-Bund einen Korb gegeben und auf das Amt des Bundestrainers verzichtet. Der DFB gibt sich gelassen. Kommt jetzt Matthäus? Oder doch Hitzfeld?
Die Trainerfindungskommission (TFK) des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wird nach der Absage von Otto Rehhagel vorerst keine Verhandlungen mit möglichen Kandidaten für den Posten des Bundestrainers aufnehmen. Darauf haben sich am Sonntag die vier Mitglieder Franz Beckenbauer, Gerhard Mayer-Vorfelder, Werner Hackmann und Horst R. Schmidt in einer Telefonkonferenz geeinigt. Erst bei einem in den kommenden Tagen geplanten Gedankenaustausch will sich die TFK auf einen neuen Kandidaten festlegen.
Daß Otto Rehhagel als Bundestrainer nicht zur Verfügung steht, teilte er dem DFB-Vizepräsidenten Franz Beckenbauer am Samstag nachmittag in einem Telefongespräch mit. Er habe in Griechenland in drei Jahren etwas aufgebaut, erklärte Rehhagel, und wolle seinen Vertrag dort erfüllen.
Die DFB-Funktionäre kommen bei der Suche nach dem Bundestrainer damit immer mehr in Bedrängnis. In ersten Kommentaren zeigen sich die Verbandsmänner allerdings gelassen: "Schade, aber keine Panik, wir haben die Lage im Griff", sagte zum Beispiel Ligachef Hackmann, der neben Beckenbauer sowie Mayer-Vorfelder und Generalsekretär Schmidt die Auswahl der Trainerkandidaten übernommen hat, der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Alte Weggefährten des Fußballehrers aus Bremer Zeiten - wie Franz Böhmert - zeigten sich enttäuscht. "Für mich ist das überraschend und sehr, sehr schade", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende von Meister Werder. "Ich hatte gehofft, daß Otto den Job übernimmt. Wir alle in Bremen hätten uns darüber gefreut, jetzt sind wir ein bißchen bedrückt."
Der Generalsekretär des griechischen Fußball-Verbandes (EPO), Jannis Oikonomidis, hatte in einem Interview mit der Athener Tageszeitung „Espresso“ schon seine Zuversicht ausgedrückt, daß Rehhagel in Griechenland bleiben werde. „Ich habe am Freitag mit Herrn Rehhagel ein Telefongespräch geführt. Er hat klargestellt, er werde Griechenland definitiv nicht verlassen. Das sei kein Thema. Er hat dies sogar ausdrücklich betont. Er hat versichert, daß er unsere Nationalmannschaft nicht im Stich läßt“, sagte Oikonomidis der Zeitung zufolge.
Zwei positive Gespräche Anfang Juli
Oikonomidis berichtete, der 65 Jahre alte Rehhagel habe ihm bereits zuvor schon zweimal in persönlichen Gesprächen am 4. und 6. Juli versichert, daß er trotz des Werbens des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) um seine Person nicht daran denke, sein Engagement bei den Hellenen vorzeitig zu beenden. Oikonomidis hatte für den griechischen Verband im Sommer 2001 sowie bei der Verlängerung im November 2003 die Vertragsverhandlungen mit Rehhagels Anwalt Dr. Robert Wieschemann aus Kaiserslautern geführt.
Mit Rehhagels Absage werden verärgerte Stimmen beim griechischen Verband wohl verstimmen. Nach einem Bericht des staatlichen griechischen Fernsehens (NET) wollte der EPO Rehhagel demnächst ultimativ auffordern, seine Pläne offen zu legen. Verärgerte Mitarbeiter des EPO-Vorstandes erklärten, der Trainer sei mit dem Hinauszögern seiner Entscheidung und dem Anheizen der Gerüchteküche auf dem besten Wege, zu zerstören, was er in drei Jahren aufgebaut habe: „Er hat einen Vertrag. Wenn er ihn brechen will, dann soll er es sagen.“
Hinfällig auch angebliche Überlegungen, wonach den DFB eine Verpflichtung Rehhagels bis zur WM 2006 im eigenen Land insgesamt sechs Millionen Euro kosten würde. Nach einem Bericht der Bild-Zeitung sollte Rehhagel pro Jahr 2,5 Millionen Euro Gehalt bekommen. Damit wäre er der bestbezahlte Bundestrainer in der DFB-Geschichte gewesen. Im Falle einer Verpflichtung hätte der DFB zudem noch eine Millionen Euro Ablöse an den griechischen Verband überweisen müssen, bei dem der gebürtige Essener noch bis 2006 unter Vertrag steht.
Matthäus wirbt in eigener Sache
Die vierköpfige Trainerfindungskommission des DFB muß jetzt wieder von vorne anfangen. Nun dürften Kandidaten wie Lothar Matthäus oder der Niederländer Guus Hiddink wieder ins Gespräch kommen. Oder etwa doch Hitzfeld? "Wir versuchen alles, um Herrn Hitzfeld noch einmal umzustimmen", sagte Heinrich Schmidhuber, der Präsident des größten DFB-Landesverbandes aus Bayern. Man könne dem ehemaligen Münchner Trainer eine Auszeit von drei bis vier Monaten einräumen: "Vielleicht hat er dann seinen Akku wieder voll aufgeladen und fühlt sich stark genug, das Amt des Bundestrainers auszuüben." Bis dahin müsse eben eine Übergangslösung auf der deutschen Bank Platz nehmen.
Der ungarische Nationaltrainer Matthäus, der immer wieder deutlich seine Bereitschaft einer Zusammenarbeit mit dem DFB signalisiert hatte, macht derweil weiter Werbung in eigener Sache: "Daß junge Trainer genauso Erfolg haben können, hat man an den Champions-League-Finalisten dieser Saison gesehen. Da stand nicht Arsene Wenger, sondern der 35 Jahre alte Monaco-Trainer Didier Deschamps dem 41 Jahre alten Porto-Coach Jose Mourinho gegenüber."
Der DFB braucht schnellstens einen Durchbruch bei der Trainersuche.