Der 20. Spieltag der Fußball-Bundesliga steht ganz im Zeichen eines Spiels: Bayern München gegen Bayer Leverkusen - oder wie es Reiner Calmund ausdrückt: „Schaum-vorm-Mund gegen Selbstbewusstsein“.
Während der deutsche Rekordmeister am Sonntag (17.30 Uhr) im Schlagerspiel um seine fast schon allerletzte Chance auf den vierten Titel in Folge spielt, will Leverkusen endlich sein Bayern-Trauma ablegen und mit einem Sieg im Olympiastadion sein vorläufiges Meisterstück ablegen.
Image des ewigen Zweiten korrigieren
Zumindest verbal demonstriert der Tabellenführer bei acht Punkten Vorsprung auf die Bayern schon einmal die nötige Titelreife. „Diesmal haben wir auf jeden Fall nicht die Hosen voll“, verkündete Trainer Klaus Toppmöller und fügte an: Man wolle dem „Lehrmeister“ zeigen, „was wir können“ und das Image des ewigen Zweiten korrigieren.
Auch Bayer-Manager Calmund interessiert die Negativserie von zuletzt sieben Pleiten in Folge in München - der letzte dortige Erfolg der Werkself datiert vom 21. Oktober 1989 (1:0) - offenbar nicht. „Wir gehen nicht als Tagträumer in dieses Spiel, aber die Pampers-Windeln werden diesmal ganz sicher zu Hause lassen“, betonte Calmund, schränkte gleichzeitig aber auch ein: „Bei dem beliebten Spiel, jetzt auf die Bayern draufzuhauen, weil sie nur Fünfter sind, mache ich nicht mit.“
Respekt vor Bayern
Zumal seine Spieler dem angeschlagenen Weltpokalsieger durchaus Respekt entgegen bringen. Allen voran der künftige Münchner Michael Ballack: „Da haben wir sowieso nie was erreicht. Mit diesen drei Punkten rechnen wir nicht.“ Auch Jens Nowotny warnt: „Die Bayern darf man niemals abschreiben. Die waren in dieser Saison schon mal fünf Punkte hinten dran und plötzlich waren sie mit drei Punkten vorne.“
Immerhin konnten die Münchner am Mittwoch im DFB-Pokal beim 5:3-Sieg (wenn auch nur im Elfmeterschießen) in Kaiserslautern einen ersten Schritt aus ihrer Krise machen. Der nächste in der Bayern-Woche der Wahrheit soll nun am Sonntag folgen, wie Vizepräsident Karl-Heinz Rummenigge eindringlich fordert: „Unsere Spieler müssen zeigen, dass sie den Willen und Charakter haben, um nochmals in den Kampf um die Meisterschaft einzugreifen.“
Hitzfeld: "Ernst der Lage erkannt"
Auch der zuletzt arg kritisierte Kapitän Stefan Effenberg nimmt seine Kollegen in die Pflicht: „Wir müssen die momentan kleine Chance auf den Titel nutzen und eine größere daraus machen.“ Allerdings baut „Effe“ schon einmal vor: „Wir werden bis zum Ende zusammenhalten. Uns wird nichts auseinander bringen können.“
Ohnehin ist Ottmar Hitzfeld nach sieben Bundesligaspielen ohne Sieg von einer Trotzreaktion seiner Stars überzeugt. „Es entspricht nicht der Mentalität des FC Bayern, dass man aufgibt. Die Mannschaft hat den Ernst der Lage erkannt“, betonte der Bayern-Trainer am Freitag und stichelte gleich einmal Richtung Bayer. „Wir sind der Angstgegner von Leverkusen. Leverkusen ist noch lange nicht Meister. Die waren auch unter Christoph Daum auf einem guten Weg und haben dann in Unterhaching versagt.“
Bayern mit Personalsorgen
Sollte es trotzdem nichts mit einem Sieg werden? Hitzfeld: „Damit befasse ich mich nicht.“ Schon eher mit seiner angespannten Personalsituation. So muss der Erfolgscoach auf die verletzten Bixente Lizarazu, Hasan Salihamidzic, Alexander Zickler, Pablo Thiam und Niko Kovac sowie den gesperrten Michael Tarnat verzichten.
Wenigstens scheint Willy Sagnol rechtzeitig fit zu werden. Bei Bayer fehlen der gesperrte Yildiray Bastürk und der angeschlagene Abwehrspieler Lucio, mit dessen Rückkehr Toppmöller eigentlich gerechnet hatte.
Gladbach unter Erfolgsdruck
Nutznießer des Schlagers Bayern gegen Bayer könnte schon am Samstag Borussia Dortmund sein. Mit einem Sieg beim VfL Wolfsburg würde die beste Auswärtsmannschaft der Liga auf jeden Fall schon einmal bis Sonntag die Tabellenführung übernehmen.
Der 1. FC Kaiserslautern will unterdessen mit einem Erfolg beim 1. FC Köln, der unter Interimscoach Christoph John seinen Aufschwung fortsetzen will, seine Titelambitionen unterstreichen.
Unter Erfolgsdruck steht Borussia Mönchengladbach bei Schalke 04. Seit nun mehr neun Spielen in Folge ist der reihnische Traditionsclub ohne Sieg und liegt nur drei Punkte von einem Abstiegsplatz entfernt auf Platz 14. Dagegen können die glänzend in die Rückrunde gestarteten Schalker wieder auf Emile Mpenza zurückgreifen, der zusammen mit Ebbe sand die Doppelspitze bilden wird.
Ganz im Zeichen des Abstiegskampfes stehen indes die Spiele zwischen Hansa Rostock und dem FC St. Pauli (Sonntag/17.30 Uhr) sowie am Samstag zwischen dem 1. FC Nürnberg und Energie Cottbus.