Eigentlich ist es ganz einfach: Wenn sich alle verstehen und der sportliche Erfolg das Gemeinschaftswerk krönt, sind die Vielharmoniker des Fußballs unzertrennlich. So zu bestaunen beim Bundesliga-Primus, wo Woche für Woche zigtausende Dortmunder Borussen fest und treu zusammenhalten. Das schwarz-gelbe Bild der Einheit spiegelt derzeit eine perfekte Ensembleleistung, nach der sie sich an anderen großen Bundesliga-Standorten sehnen.
Etwa beim Nachbarn Schalke 04, wo die Magath-Dämmerung eingesetzt hat, oder beim Hamburger SV, wo Trainer Veh seinen Abschied zum Saisonende mit der populären Losung „Ich kann so nicht arbeiten“ bekanntgegeben hat. Auch beim FC Bayern München, angeführt von Alpha-Persönlichkeiten, ist das gewohnte Ausrufezeichen „Mia san mia“ im Augenblick der Frage gewichen „Wer sind wir eigentlich?“ Trainer van Gaal hat seinen Zauber wie Magath, der andere Zampano, verloren, darf aber, wie Veh und der Kollege im Revier, noch ein bisschen bleiben. Ob das gut geht? Die Größen dieser drei Spitzenklubs müssen unterdessen nach Männern suchen, die diesen Klubs alten Glanz zurückzugeben versprechen.
Abgrenzung und der Mut zur unbequemen Meinung sind gefragt
In der Liga geht‘s rund wie lange nicht, auch weil überall Mitspracherechte proklamiert werden. Das Modell sportlicher Alleinherrscher à la Magath und van Gaal scheint angesichts massiven Widerspruchs ausgedient zu haben. Beim Blick auf die Spitzen der Vereine weiß der Betrachter aber gelegentlich kaum noch – siehe HSV –, wer nun Vorstand, wer Aufsichtsrat ist, wer das Fegefeuer der Eitelkeiten schadlos oder schwer beschädigt übersteht. An der Basis wiederum, wo der Fußball zuhause ist, begehren Fangruppierungen mehr Mitsprache. Fußball ist für alle da, also will und soll auch Vox populi erhört werden. In Hamburg und „auf“ Schalke haben Fanvertreter schon Sitz und Stimme im Aufsichtsrat.
Wer in dieser Gemengelage, in der viele mitreden und entscheiden wollen, das letzte Wort hat, ist oft kaum noch auszumachen. Abgrenzung und der Mut zur unbequemen Meinung sind gefragt in einer Zeit, da zu viele Gremien auf zu wenig Entscheidungsfreude deuten. Wie in der Politik spielt das Klienteldenken, zum Beispiel bei der strategisch eingeleiteten Nichtverlängerung des Vertrages mit dem HSV-Vorstandschef Hoffmann, inzwischen eine zu große Rolle.
In Dortmund ist das anders. Da kooperieren und harmonieren beim börsennotierten BVB Geschäftsführung, Verein, Räte und sportliche Leitung beneidenswert gut. So wie in den kleineren Fußballfamilienbetrieben etwa in Mainz oder Freiburg. Hier werden dank überzeugender Führungspersönlichkeiten Beispiele auch für die Konkurrenz gesetzt. Fußball lebt vom Teamgeist und der Solidarität – auf dem Platz, auf den Rängen und in den Gremien. Eigentlich ist es ganz einfach.
Kurzsichtig
Dr. Johannes Müller-Wachtendonk (perello)
- 10.03.2011, 17:26 Uhr
Nun ja, es gibt aber auch den Spruch, daß viele Köche den Brei verderben
Rolf-Dirk Maehler (RDMAEHLER1)
- 10.03.2011, 19:00 Uhr