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Bundesliga-Kommentar : Zum Beispiel Klopp

Schlechtes Vorbild: Jürgen Klopp wird im Januar 2010 vom Vierten Offiziellen auf die Tribüne geschickt Bild: ddp

Der DFB-Schiedsrichterfunktionär Lutz-Michael Fröhlich hat Jürgen Klopp attackiert. Bei genauerer Betrachtung ist der Angriff aber gar nicht so frontal wie vermutet. Der DFB sollte aber mal Trainer mit Schiedsrichtern von der Basis konfrontieren.

          In all der Aufregung und der Empörung um die Aussagen von Lutz Fröhlich, dem Abteilungsleiter Schiedsrichter beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), und von Bundesliga-Schiedsrichter Felix Zwayer über das Verhalten von Jürgen Klopp behielt ausgerechnet der Gescholtene die Ruhe. Es sei zwar schade, dass Fröhlich ihn nicht direkt angesprochen habe, aber er wolle sich nun erst einmal anhören, wer wann was und in welchem Zusammenhang gesagt habe. „Aber schön ist es nicht, wenn dein Name in diesem Zusammenhang fällt“, sagte Klopp.

          Natürlich ist das nicht schön, aber eben auch nicht völlig aus der Luft gegriffen, was auch Klopp niemals bestreitet. Den angeblichen frontalen Angriff von Fröhlich auf den Meistertrainer aus Dortmund hat es so allerdings auch überhaupt nicht gegeben. In der am 18. November im Deutschlandradio ausgestrahlten Featuresendung „Deutschlands Fußballschiedsrichter - die Pfeifen der Nation“ ist vom Verhalten der Trainer wie Klopp die Rede, die den Schiedsrichter oder Vierten Offiziellen dann und wann heftig verbal attackieren.

          Nur weil in der Vereinfachung das Wörtchen „wie“ wegfällt und Klopp zum Einzeltäter mutiert, bekommt die ganze Geschichte ihre Schärfe. Und durch diesen Satz: „Das Verhalten, was da an den Tag gelegt wird zum Teil, hat so ein aggressives Potential, dass daraus gewaltsame Exzesse an der Basis durchaus erwachsen können“, sagt Fröhlich in dieser Sendung.

          Das ist vorsichtig formuliert und trotzdem perfekt geeignet, missverstanden zu werden. Natürlich ist kein Bundesligatrainer, auch Klopp nicht, direkt dafür verantwortlich, was in den Kreisligen passiert - da haben die Probleme der Gesellschaft - Bildungspolitik, Integration, Berufschancen der Jugend, Arbeitslosigkeit, der generelle Umgang miteinander, soziale Kälte - wohl deutlich mehr Aktien im Spiel. Doch dass vieles, was in der Bundesliga gezeigt wird, den Weg auf die Hartplätze der Republik findet, auf denen die Hemmschwelle mitunter deutlich niedriger ist, wird niemand ernsthaft bestreiten wollen.

          Das betrifft nicht nur Ausraster der Trainer, das gilt auch für das Verhalten der Spieler mit Schwalben, Ellbogenchecks oder Rudelbildung inklusive Tätlichkeiten als hässliche Folge des Nachahmens sowie das Trikotausziehen nach einem Torerfolg als lächerlichen Beitrag. Als Beleg, dass es einen Zusammenhang zwischen denen da oben und denen da unten gibt, kommt Gerald Bothe in der Sendung zu Wort - ein Berliner Kreisliga-Schiedsrichter, der k.o. geschlagen worden ist.

          Leidtragende zur Trainertagung

          Auch die Kritik von Zwayer ist nachvollziehbar, sie ist aber nur zufällig an Klopp gerichtet. Hintergrund ist ein Schiedsrichterseminar, bei dem auch Videos über strittige Entscheidungen gezeigt wurden - und eine Sequenz zeigt, wie der Dortmunder Trainer den Vierten Offiziellen anbrüllt. Wenn Zwayer in diesem Zusammenhang sagt, dass man dagegen vorgehen müsse, mag man daraus eine Abneigung oder Voreingenommenheit gegen Klopp konstruieren, wenn man den Kern der Sache ignoriert. Klopp ist klug genug, das nicht zu tun.

          Es gibt keinen Skandal um Fröhlich und Zwayer, keinen um Klopp. Aber es gibt Gesprächsbedarf über das Verhalten aller - und das schließt die Rolle des Vierten Offiziellen unbedingt mit ein. Der DFB wäre dabei gut beraten, die ganze Thematik von ihrer theoretischen Schiene zu holen und zur nächsten Trainertagung Leidtragende wie Bothe einzuladen, die allen Protagonisten mögliche Folgen ihres Handelns glaubhaft aufzeigen können.

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