01.03.2009 · Sportlich kann 1899 Hoffenheim nicht an die Erfolge der Bundesliga-Hinrunde anknüpfen. Das liegt nicht nur, aber auch an der Doping-Affäre. So schnell wird keine Ruhe einkehren. Aber warum reagieren DFB und DFL bisher so defensiv?
Von Michael HoreniWenn aus dem Hoffenheimer Weihnachtsmärchen im Mai nur eine Erinnerung aus wundersamen Zeiten übrigbliebe, dann würde die erstaunlichste Aufstiegsgeschichte der Bundesliga im Rückblick auch mit dem hässlichen Wort Doping verbunden sein. Seit vier Spielen sind die Hoffenheimer nun ohne Sieg. Der Wintermeister ist vom Hamburger SV und von der Hertha überholt worden, und der Traum vom Titelgewinn, der in Deutschland Ende des vergangenen Jahres weit über die übliche Fußball-Kundschaft hinaus faszinierte, ruht fürs Erste. Das 0:0 in Dortmund war sehr achtbar (siehe auch: 0:0 in Dortmund: Hoffenheim verpasst die Tabellenspitze), aber es genügte nicht, um an die rauschhaften Auftritte der Hinrunde anzuknüpfen.
Die Diskussionen um Andreas Ibertsberger und Christoph Janker, denen seit knapp zwei Wochen eine lange Sperre droht, weil sie in Mönchengladbach zu spät zur Doping-Probe erschienen, sind sicher nicht der alleinige Grund dafür. Aber die Irritationen stören dennoch die Konzentration und die Selbstgewissheit auf einem Gebiet, das sich den Hoffenheimer Gestaltungsmöglichkeiten entzieht. Dass der Verlust des verletzten Torjägers Ibisevic die Mannschaft von Trainer Ralf Rangnick treffen würde, war zu erwarten gewesen. Darauf jedoch konnte der Klub mit der Verpflichtung von Sanogo noch entsprechend professionell reagieren.
„Ich hoffe, dass das Thema bald erledigt ist“
Am vorletzten Samstag beim 3:3 in Stuttgart fehlte es dem bisher so treffsicheren Elfmeterschützen Salihovic in der Schlussminute an Nervenstärke (siehe auch: 3:3 in Stuttgart: Hoffenheim zurück an der Spitze - und verschenkt Sieg). Zudem richtet sich die Aufmerksamkeit derzeit nicht mehr nur auf das von Rangnick ausgeklügelte Spielsystem, sondern auch auf seine Einlassungen, dass es immer wieder Nachlässigkeiten im Kontrollsystem des deutschen Profifußballs gebe. Es wird ermittelt. Der Wunsch von Ibertsberger („Ich hoffe, dass das Thema bald erledigt ist“) wird sich nicht erfüllen.
Seit nun auch der Generalsekretär der Welt-Anti-Doping-Agentur sich der Sache angenommen hat, dürfte das Thema so schnell nicht mehr aus dem deutschen Fußball verschwinden. David Howman hat das Fehlen der sogenannten Chaperons, die in anderen Sportarten die ausgelosten Athleten zur Doping-Probe begleiten, in der Bundesliga kritisiert. Die unabhängigen Chaperons informieren die Sportler über die abzugebende Probe, begleiten sie bis in den Kontrollraum und sollen garantieren, dass keine Manipulationen vorgenommen werden können (siehe auch: Hoffenheimer Doping-Affäre: DFB gerät ins Wada-Visier).
Der DFB und die DFL sind auch Getriebene
In der Bundesliga übernehmen jedoch die Anti-Doping-Beauftragten der jeweiligen Klubs, meist die Mannschaftsärzte, diese Aufgabe. „Dieses Prozedere ist nicht normal“, sagte Howman. Tatsächlich bestätigen in der Bundesliga einige Verantwortliche, dass die Vorschriften, ganz im Sinne von Rangnicks Äußerungen, mitunter nachlässig gehandhabt wurden – bisher allerdings nur hinter vorgehaltener Hand.
Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball Liga (DFL) müssen sich fragen lassen, weshalb sie in dieser Angelegenheit so defensiv reagieren. Ganz anders als in der Vergangenheit hat sich Präsident Theo Zwanziger dieser Diskussion bisher weitgehend verschlossen. Von der DFL ist man das gewohnt. In den Fällen Ibertsberger und Janker sind aber nicht nur die gestürzten Hoffenheimer Tabellenführer Getriebene. Der DFB und die DFL sind es auch.