Raúl González Blanco wird der Bundesliga fehlen. Allein sein klangvoller Name hat die höchste deutsche Fußballklasse in den vergangenen beiden Jahren bereichert. Mit dem spanischen Idol lässt sich sehr gut werben, wenn es um die Auslandsvermarktung der Liga geht, denn Raúl ist überall in der Fußballwelt ein Begriff. Er war eines der prägenden Gesichter von Real Madrid, wurde dort Serienmeister, Weltpokal- und Champions-League-Sieger.
Als der „Galaktische“ im Sommer 2010 auf Schalke eintraf, glaubten viele, das gehe nicht gut. Aber Raúl kam nicht nur deshalb nach Gelsenkirchen, um weiter ordentlich zu kassieren, sondern weil er dem Fußball auch noch etwas zu geben hatte: seine Leidenschaft für das Spiel. Die allein hatte nicht mehr ausgereicht, um bei Real eine führende Figur zu bleiben, für Schalke jedoch wurde der immer noch bestens motivierte Stürmer zu einem Gewinn. Seine Ballfertigkeit, sein Geschick, seine Inspiration brachten ein bisschen Madrid nach Gelsenkirchen, seine Tore sicherten Schalke den Platz im internationalen Geschäft.
27 Treffer in 63 Ligaspielen sind eine gute Ausbeute, aber der spielerische Glanz, den Raúl verbreitete, war fast noch wichtiger. Seine Eleganz am Ball, in Verbindung mit seinem bescheidenen und freundlichen Auftreten neben dem Platz, machten ihn zum Publikumsliebling.
Dennoch ist es richtig, dass sich nach zwei Jahren, die beiden Seiten genutzt haben, die Wege von Raúl und Schalke wieder trennen. Denn so viel ist der Spanier nun doch nicht wert, was er den Bundesligaklub gekostet hätte, um die Angebote aus dem Mittleren Osten zu kontern. Wenn vier Millionen Euro als Jahresgage für einen 35 Jahre alten Fußballprofi nicht genügen, dann ist es Zeit, ihm Lebewohl zu sagen.
Ein Mann für besondere Momente
Denn so erfolgreich Raúl insgesamt auch noch spielte: In den Spitzenbegegnungen mit Dortmund und Bayern München merkte man ihm schon an, dass er nicht mehr ganz so agil ist wie auf dem Zenit seines Könnens. Raúl ist immer noch der Mann für die besonderen Momente, wie er erst vor knapp zwei Wochen mit seinem zauberhaften Tor gegen Hannover 96 bewies, als er Torwart Zieler mit einer eleganten Täuschung umdribbelte. Aber er ist nicht mehr der Stürmer, der seinem Verein auf höchstem Niveau das Weiterkommen sichert.
Der richtige Zeitpunkt, um aufzuhören
Raúl darf man durchaus zutrauen, dass er zu einem ähnlichen Schluss gekommen ist und deshalb seine Zukunft außerhalb Europas in einer Liga sucht, „die nicht ganz so stark ist“. Schon sein Abschied von Real vor zwei Jahren, obwohl ihm Trainer Mourinho damals anbot zu bleiben, zeugt von der Gabe realistischer Selbsteinschätzung. Viele Sportler finden nicht den richtigen Zeitpunkt aufzuhören, Raúl ist es schon zweimal gelungen. Lieber gehen, wenn es alle bedauern, als darauf zu warten, bis alle fragen, warum er denn so lange geblieben ist. Und die neun Millionen Euro im Jahr, die ihm ein Verein aus Qatar geboten haben soll, sind auch kein schlechtes Trostpflaster für seine Entscheidung, vom großen Fußball Abschied zu nehmen.
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Thomas Kobler (ThomasKobler)
- 20.04.2012, 15:29 Uhr