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Bundesliga-Kommentar Chefdesigner in der Defensive

 ·  Bleibt Klaus Allofs bei Werder, oder wechselt er zum VfL Wolfsburg? Es wäre ein Seitenwechsel, kein Farbenwechsel. Allofs bliebe ein „Grüner“. Aber was wird aus Thomas Schaaf?

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© dpa Vergrößern Alte Weggefährten, bald Gegner? Thomas Schaaf und Klaus Allofs (r.)

Für Klaus Allofs war es eines der schwersten Auswärtsspiele, seit er Manager und Geschäftsführer bei Werder Bremen ist. So charmant und politisch korrekt wie unter den vertrackten Umständen möglich, versuchte er vor und nach Werders 1:2 bei Schalke 04 auf Zeit zu spielen, ehe er sich bekennen muss. Die Frage, die Allofs nicht eindeutig beantworten wollte, lautet: Bleibt er nach dreizehn Jahren als leitender Angestellter des grün-weißen Fußballfamilienunternehmens bei Werder, an das er vertraglich bis 2015 gebunden ist, oder wechselt er schon diese Woche zum Volkswagen-Konzernklub VfL Wolfsburg? Es wäre ein Seitenwechsel, aber kein Farbenwechsel. Allofs bliebe ein „Grüner“, dem eine reizvolle Titanenaufgabe bevorstünde: aus dem Meister von 2009 eine Mannschaft zu machen, die verlässlich um die besten Plätze in der Bundesliga und Europa mitspielt.

An dieser Mission ist der frühere Wolfsburger Meistermacher Felix Magath in seiner Doppelfunktion als Trainer und Geschäftsführer zuletzt krachend gescheitert. Seitdem sucht VW nach einem Fachmann, der den Kurswechsel aus den Niederungen der Tabelle zurück in die Spitzengruppe einleitet. Er soll danach einen erstklassigen Trainer finden, der mit ihm ein zeitgemäßes, synchronisiertes Fußball-Modell beim VfL entwickelt. Vermutungen, dass es sich dabei um Thomas Schaaf handeln könnte, der Werder gemeinsam mit Allofs von 1999 bis 2010 zu neuem Glanz mit einer Meisterschaft (2004) und zwei Pokalsiegen (2004, 2009) verhalf, sind spekulativ. Sie basieren darauf, dass die beiden jahrelang wie Fußball-Zwillinge wirkten, als sie in der Ära nach dem Trainerzampano Otto Rehhagel neue Wunder an der Weser herbeizauberten.

Allofs und Schaaf suchen seit 2010 nach Wegen, die herausführen aus dem Bremer Mittelmaß ohne Europapokal-Bonus und spüren seit längerem, dass es Werder sportlich wie finanziell immer schwerer fällt, mit den Besten Schritt zu halten. Wenn Allofs der Verlockung Wolfsburg nachgäbe, dann auch deshalb, weil er dort als phantasievoller Teamdesigner mit viel Geld wieder an einem Fußball-Gesamtkunstwerk bauen könnte. In Bremen dagegen hat er sich zwischen Sparzwang und Risikobereitschaft erschöpft. In dieser Woche erst musste er ein Jahresminus von 14 Millionen Euro verkünden.

Jetzt zu gehen wäre für Allofs eine professionelle Entscheidung, die er nach einer summa summarum goldenen Ära ohne Sentimentalität treffen möchte. Scheidungen kommen in den besten Familien vor, zumal in der Welt des Profifußballs. Die gegen Zahlung einer Ablösesumme von angeblich 2,5 Millionen Euro bevorstehende Liaison zwischen Wolfsburg und Allofs hätte was, und auch bei Werder könnten sie mal wieder Neues mit einem neuen Manager wagen. Das kann schiefgehen wie in den ersten Trainerjahren nach Rehhagel unter Aad de Mos, Hans-Jürgen Dörner und Wolfgang Sidka, kann aber auch gut enden, zumal wenn Schaaf bliebe. Dann käme es vielleicht schon in knapp vierzehn Tagen beim Spiel des SV Werder in Wolfsburg zum Duell unter Freunden: Allofs kontra Schaaf - eine Konstellation, die vor kurzem fast unvorstellbar erschien.

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (1)

11.11.2012, 17:30 Uhr

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