Elf Punkte sind eine Menge Holz. So viel Holz, dass sich der Dortmunder Trainer Jürgen Klopp auf dem Holzweg wähnt, wenn er Gespräche auf das Thema Titelverteidigung lenken würde. Er tut so, als würde ihn die Meisterschaft gar nicht mehr interessieren. Dabei sind elf Punkte genau der Abstand, den die Borussen in der vergangenen Saison in der Rückrunde zwischen sich und die Bayern legten.
Und jetzt hat der BVB sogar noch zwei Spieltage mehr Zeit, um diesen Rückstand aufzuholen. Aber ein Blick auf die Statistik zeigt, dass Klopp gut beraten ist, das Titelthema ruhenzulassen. Denn Wunder sind selten, die Wiederholung von Wundern ist noch viel seltener. Die Serie von 15 Siegen und zwei Unentschieden, die den Dortmundern damals gelang, gab es noch nie. Und die Voraussetzungen für eine perfekte Dortmunder Rückrunde sind nicht gegeben. Allein der Aufenthalt in der Champions League wird Energie und Konzentration kosten.
Champions League als Klotz am Bein
Vor einem Jahr schied der BVB als Gruppenletzter im Dezember aus der Champions League aus und konnte sich ganz auf den Ligabetrieb ausrichten. Außerdem hat sich das Spiel der Borussen leicht verändert - in eine Richtung, die das Siegen erschwert und die Wahrscheinlichkeit auf Unentschieden erhöht. Im Vergleich zur Vorsaison fällt Klopps Spielern der Umschaltprozess schwerer. Die Meister des Pressings und der Balleroberung haben laut Statistik nur elf Torschüsse nach Kontern aufzuweisen, das ist der schlechteste Wert der Liga.
Nach zwei Jahren haben die Gegner offenbar das Rezept gefunden, den Dortmundern den schnellen Weg zum Tor zu verbauen. Wie im vergangenen Jahr die Bayern müssen die Borussen versuchen, nach langen Ballbesitzzeiten zu Chancen zu kommen - und daran scheitern sie manchmal.
Angleichung der Spielsysteme
Im Gegenzug haben die Bayern Erkenntnisse aus dem Borussen-Siegeszug übernommen. 33 Torschüsse nach Tempogegenstößen und zehn Kontertore bedeuten Ligabestwert. Fundament für die Tabellenführung der Bayern ist die Abwehr - nur sechs Gegentore nach 15 Spieltagen drücken die hohe Verteidigungskunst aus. Ein weiteres Plus ist die große Disziplin im defensiven Mittelfeld: Die Bayern mussten bislang in dieser Spielzeit noch kein Gegentor nach einem Konter hinnehmen. Die Borussen dagegen fünf. Auffallend auch die Dortmunder Abwehrschwäche in der zweiten Halbzeit. Elf der sechzehn Gegentore fielen nach der Pause.
Es ist also an der Zeit, alte Urteile und Bewertungen über den Haufen zu werfen. Von wegen die frischen und frechen Dortmunder, von wegen die saturierten Münchner. Die Bayern sind den Borussen ähnlicher geworden, als es sich die meisten jemals hätten vorstellen können. Selbst wenn der BVB in der Rückrunde zu alter Stärke zurückfinden sollte, müssten die neuen Münchner nur einen Punkt mehr holen als die alten im Vorjahr, um an der Spitze zu bleiben. Und das ist ihnen in jedem Fall zuzutrauen.
Stimmte die Nationalelf in "sommermärchenhaften"...
Thomas Kobler (ThomasKobler)
- 04.12.2012, 10:06 Uhr