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Bundesliga-Kommentar Antastbare Bayern

Nach der langen Erfolgsserie besteht bei Bayern München Nachholbedarf im Umgang mit Rückschlägen. Nun kommt im Klub nun in die Phase der Persönlichkeitsprüfungen. Matthias Sammer ist gefragt.

© dpa Vergrößern Zeit für Persönlichkeitsentwickler: Matthias Sammer muss seinen Spielern den Umgang mit Rückschlägen lehren

Es war die schwächste Saisonleistung der Unantastbaren. Gemeint ist nicht der Verlust von zwei Punkten beim 1:1 in Nürnberg. Sondern der Verlust der Contenance danach. „Nürnberg kann nicht anders als so, besonders in einem Derby“, schimpfte Bastian Schweinsteiger. „Wir haben auch Fouls gemacht, sie haben aber oft auf den Körper gezielt.“

Christian Eichler Folgen:  

Man kann dem Spielmacher mildernde Umstände einräumen. Gebhart schlug ihm mit dem Ellbogen ins Gesicht. Doch darf ein Team wie der FC Bayern nach einer Partie, in der es in der gesamten zweiten Halbzeit keine zwingende Torchance erspielte, nicht mal in Überzahl, den Fehler beim Gegner suchen?

Lehrgeld statt Rückzahlung

Auch Manuel Neuer bot einen schwachen Abgang. Im Nationalteam hatte auch seine Fahrigkeit das 4:4-Debakel gegen Schweden ermöglicht. Und im Klubteam waren für den Höhenflug dieser Saison bisher keine Großtaten Neuers nötig. Erst in Nürnberg hätten die Bayern ihren Torwart erstmals als Joker für einen Sieg benötigt, so wie am selben Spieltag der Vorsaison, als Neuer den 2:1-Sieg in Augsburg mit einer späten Glanzparade rettete. Präsident Uli Hoeneß sagte damals über den 25-Millionen-Einkauf, er habe „die erste Million zurückgezahlt“.

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In Nürnberg hat Neuer nur Lehrgeld gezahlt. Die Kurve von Feulners Weitschuss schätzte er völlig falsch ein. Nach dem Spiel brachte ihn das Wort „Fehler“ in der Frage eines TV-Reporters so sehr auf die Palme, dass er zeterte, man wolle ihn „wohl verarschen“. Es zeigte eine selektive Wahrnehmung, die man seit dem verbissenen Leugnen eigener Fehlerhaftigkeit in der Torwartgeneration Kahn/Lehmann überwunden glaubte.

Munich's goalkeeper Manuel Neuer lies on the ground after FC Nuremberg scored during their German Bundesliga first division soccer match in Nuremberg

Jupp Heynckes handelte das mit dem Hinweis ab, jeder Ball, den ein Neuer durchlasse, sei „unhaltbar“. Die altersmilde Ironie des Trainers konnte nicht kaschieren, dass beim Team Nachholbedarf im Umgang mit Rückschlägen besteht. Man kommt aus der Übung, wenn man so viel gewinnt.

Phase der Persönlichkeitsprüfungen

Viel Arbeit für Matthias Sammer, den Sportvorstand, der Neuer und Schweinsteiger als Anführer ausersehen hat. In Sammers Modell gibt es für das Funktionieren einer Mannschaft drei Komponenten: Athletik, Technik/Taktik, Persönlichkeit. Ihre bisherigen Saisonsiege haben die Bayern, auf Basis der ersten, vor allem mit der zweiten erzielt.

Nun erst kommt die dritte ins Spiel, die Phase der Persönlichkeitsprüfungen, in denen das Spielerische allein nicht mehr reicht. In dieser Hinsicht verlangen Derbys und Duelle mit Abstiegskandidaten dasselbe wie europäische K.-o.-Spiele oder große Finals.

Dünnhäutigkeit nach erstem Remis

Nach 15 Siegen in 17 Partien und zwei Niederlagen (gegen Borissow und Leverkusen), die man als Ausrutscher abhaken konnte, ließ das erste Saison-Remis eine Dünnhäutigkeit erkennen wie seit dem „Finale dahoam“ nicht mehr. Im Mai scheiterten die Bayern daran, dass sie anders als das alte Schlachtross Drogba nicht über die nervliche Stärke verfügten, im hitzigsten Duell eiskalt zu bleiben.

Erst ein halbes Jahr später sind sie nun einer halbwegs vergleichbaren Prüfung in Frusttoleranz unterzogen worden. Das Resultat: Gelassenheit geht anders. Wie sähe das erst ohne acht Punkte Vorsprung aus? Der faktische Abstand der Bayern zur Konkurrenz ist sogar gewachsen. Der gefühlte ist geschrumpft. Der Trip in den Abstiegskampf hat sie zu Antastbaren gemacht.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 18.11.2012, 19:49 Uhr

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