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Bundesliga-Kommentar An der Grenze zur Wilderei

 ·  Der VfL Wolfsburg ist in der glücklichen Lage, sich jederzeit eine neue Zukunft kaufen zu können. Neu ist allerdings, in welchem Ausmaß diese Potenz auf dem Markt ausgespielt wird.

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© AFP Vergrößern Kurzfristiger Wechsel in der Winterpause: Dieter Hecking coacht künftig den VfL Wolfsburg

Man kann dem VfL Wolfsburg nur gratulieren. Das Personalpaket, das sich der Bundesligaklub gewissermaßen selbst unter den Baum gelegt hat, gehört zum Besten, was der deutsche Fußball zu bieten hat. Dass nach Klaus Allofs als Manager nun auch Dieter Hecking als Trainer dem Ruf der Niedersachsen gefolgt ist, macht aus einem sportlich bis an die Grenze der Lächerlichkeit abgewirtschafteten Verein im Handumdrehen wieder ein vorzeigbares Mitglied der Beletage.

Hecking hat sich an allen seinen bisherigen Arbeitsstätten einen exzellenten Ruf erworben: als geradliniger, seriöser, unaufgeregter Mann, der sich zuallererst über das Kerngeschäft und nicht über mediale Sekundärtugenden definiert. Und der obendrein genügend Standfestigkeit besitzt, um sich von den saisonalen Stürmen, die das Geschäft begleiten, nicht ins Wanken bringen zu lassen.

Die bodenständige Variante

Das hat dem notorisch nervösen „Club“ gutgetan, und es sollte auch dem unter Felix Magath taumelnden VfL zu einer neuen Verankerung in der Realität helfen. Im Gegensatz zu Bernd Schuster, der Glamour-Lösung mit großem Unsicherheitsfaktor, ist Hecking die bodenständige Variante - die dennoch den größeren Charme besitzt.

Allofs und Hecking, das ist ein vielversprechender Neuanfang an einem Standort, an dem seit der Meisterschaft 2009 so viel falsch gemacht worden war wie an kaum einem anderen. Man könnte es auch so sehen: Die meisten Konkurrenten würden längst, hätten sie sich ähnlich viele Fehleinschätzungen und Fehlinvestitionen geleistet wie die Wolfsburger, Bundesligafußball nur noch aus dem Fernsehen kennen. Und so wird wieder einmal deutlich, welche Sonderstellung das Geld des VW-Konzerns, dessen hundertprozentige Tochter der VfL ist, dem Klub verschafft - im Guten wie im Schlechten. Weil es lange Zeit ohne Sinn und Verstand verprasst werden konnte, leistete es dem Niedergang Vorschub. Weil es aber ungeachtet dessen immer noch reichlich fließt, ist der VfL in der glücklichen Lage, sich jederzeit eine neue Zukunft kaufen zu können.

Neu ist allerdings, in welchem Ausmaß diese Potenz auf dem Markt ausgespielt wird. Den Spitzenkräften Allofs und Hecking wird man kaum verübeln können, dass sie den Wolfsburger Verlockungen erliegen - zumal im Rahmen der Wechsel bei laufendem Betrieb keine Vereinbarungen gebrochen wurden. Bei den verlassenen Vereinen jedoch - und nicht nur dort - darf man sich schon fragen, ob ein solch aggressives Verhalten noch den Regeln des guten Geschmacks entspricht. Oder ob man es schon Wilderei nennen muss.

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24.12.2012, 11:50 Uhr

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Von Anno Hecker

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