29.11.2009 · Abseits vom Wettskandal hat sich die Bundesliga längst an kleine alltägliche Betrügereien gewöhnt, an Schauspieleinlagen, das Simulieren von Verletzungen und die obligate anschließende Wunderheilung. Erstaunlich, dass solche albernen Aktionen den Laien-Schauspielern danach nicht einmal peinlich sind.
Von Peter PendersWie oft ist dieser Satz so oder so ähnlich wohl schon gefallen? „Wenn man in dieser Situation Elfmeter pfeift, dann gibt es in jedem Spiel sechs Elfmeter.“ Am Samstag hat ihn Ralf Rangnick zum Besten gegeben, erbost über einen Strafstoß, dessen Berechtigung er anzweifelte. Die Gegenfrage sei erlaubt: Und? Was wäre so schlimm daran? Der erste Nebeneffekt wäre, dass viele Tore fielen, der zweite auf Dauer wohl, dass sich Verteidiger geschickter, nebenbei den Regeln entsprechend verhielten und ihren Gegner nicht zu halten oder klammern versuchten.
Weit abseits vom Wettskandal hat sich der Fußball längst an seine kleinen alltäglichen Betrügereien gewöhnt. Dazu zählen Schauspieleinlagen wie die des Dortmunder Torhüters Weidenfeller, der dem dummen Schlag des Hoffenheimers Maicosuel nach dem Ball damit vorsichtshalber eine verstärkende Wirkung gab. Dazu gehört das Simulieren von schweren Verletzungen, die ein Aufstehen absolut unmöglich machen, wie es im selben Spiel der Hoffenheimer Demba Ba praktizierte und damit dem Dortmunder Zidan ein Zaubertor raubte, weil die Partie Sekundenbruchteile vorher unterbrochen worden war. Die Buhmänner am Ende sind immer die Schiedsrichter, wenn sie auf ein solches Schauspiel hereinfallen, für den Spieler bleibt die Geschichte folgenlos. Und er macht es beim nächsten Mal wieder.
Fast jeder Fußballspieler-Darsteller, der sich über den Rasen wälzt, als hätte das letzte Stündlein geschlagen, läuft kurz darauf nach einer Art Wunderheilung wieder und hat nicht einmal den leisesten Selbstzweifel, ob er sich mit solchen Aktionen lächerlich macht. Und häufig wird obendrein das eigentliche Opfer härter bestraft als der Täter, weil es das Regelbuch mit dem Hinweis auf den Tatbestand der Tätlichkeit so will.
Wirklich passiert ist meistens nichts
Die Liste der Spieler, die nach leichten und obendrein zumeist im Affekt begangenen Revanchefouls die Rote Karte sahen, weil der mit Gelb davonkommende Gegenspieler mit einigem Geschick daraus einen schweren Niederschlag wie im Schwergewichtsboxen machte, ist so lang wie die mit Fehlentscheidungen der Schiedsrichter. Und es ist erstaunlich genug, dass solche albernen Aktionen den ertappten Laien-Schauspielern danach nicht einmal peinlich sind. Wirklich passiert ist nämlich meistens nichts – anders als bei manchen üblen Fouls, die nur mit Gelb geahndet werden.
Auch das Festhalten im Strafraum ist so zu einer Situation geworden, die für die Unparteiischen immer schwerer zu durchschauen ist. Zu bereitwillig fallen Stürmer hier und da wie vom Blitz getroffen, wenn sie eine Flanke nicht mehr erreichen können, aber erfreut feststellen, ein leichtes Zupfen am Trikot bemerkt zu haben. Wer darauf als Schiedsrichter einmal hereingefallen ist und an den Pranger gestellt wurde, wird es sich beim nächsten Mal genau überlegen, ob er Elfmeter pfeift. Oder er muss sich zu Recht so sicher sein wie Michael Kempter in Hoffenheim. Mit dem oft gehörten und eingangs erwähnten Satz geht das Spiel dann aber wieder von vorne los.