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Bundesliga in der Sportschau „ARD wird deutlich weniger zahlen als Sat.1“

17.06.2003 ·  Die Rückkehr der Bundesliga in die Sportschau ist beschlossene Sache, zumindest bei den ARD-Intendanten. Der öffentlich-rechtliche Sender und Rechteinhaber Infront haben offenbar einen Kompromiß erzielt.

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Die ARD-Sportschau steht unmittelbar vor einem Bundesliga-Comeback. „Der Rechte-Inhaber Infront hat der ARD ein Angebot unterbreitet, daß gute Voraussetzungen für einen Abschluß bietet“, erklärte ARD-Chef Jobst Plog am Dienstag nach einer Intendantentagung in Frankfurt/Main. „Klar ist, daß die ARD deutlich weniger für die Bundesliga-Rechte zahlen wird als Sat.1.“ Die Sportschau soll von 18.10 bis 19.45 Uhr laufen.

Damit stieg die ARD offiziell in den TV-Poker um die Übertragungsrechte an der Fußball-Bundesliga ein. Einzelheiten soll eine Verhandlungskommission möglichst schnell klären. „Die Botschaft für alle Bundesliga-Fans nach dem de-facto-Rückzug von Sat.1 lautet: Die Bundesliga wird nicht im Pay-TV verschwinden, sondern mit großer Sicherheit im frei empfangbaren Fernsehen bleiben“, fügte Plog hinzu. Sollte die ARD die Bundesligarechte erwerben, wäre sie grundsätzlich bereit, andere Fußballrechte abzugeben.

Vier-Jahres-Vertrag gefordert

Elf Jahre „ran“ bei Sat.1 sind damit ebenso Geschichte wie der vorherige „Anpfiff“ bei RTL. Zwölf Jahre nachdem die ARD letztmals Berichte von der Bundesliga in der Sportschau zeigen durfte, wird beim TV-Klassiker am ersten August-Wochenende wieder samstags der Ball rollen. Im Gespräch sind 60 bis 65 Millionen Euro jährlich. Vier Jahre lang bis 2007. Der Privatsender Sat.1 hatte in der vergangen Saison 80 Millionen Euro überwiesen. Plog hält die Sportschau trotzdem für refinanzierbar. Im Gegensatz zu früher werde es in der neuen Sportschau auch Werbung geben.

Offen ist noch, ob das ZDF die Sonntagsspiele übertragen wird. Sollte die ARD tatsächlich den Zuschlag erhalten, würde sie sogar einen Teil ihrer eigenen TV-Rechte am Fußball abtreten. „Welche Rechte dies sein werden, werden Gespräche ergeben“, meinte Plog. Anzunehmen ist aber, daß ARD und ZDF im Gegenzug DFB-Pokalspiele an RTL weiterreichen. RTL soll dafür 17 Millionen Euro geboten haben.

Drei Streitpunkte

Die ProSiebenSat.1-Media AG hatte zuletzt vor ihren Aktionären einen Verlust von 50 Millionen Euro in der abgelaufenen Saison aus dem Bundesliga-Geschäft bekanntgegeben. Nachdem sich der Privatsender zudem die Übertragungsrechte für die Champions League gesichert hat, war die ARD letzter ensthafter Interessent. Die ARD stellte daher sowohl Infront von Günter Netzer als auch der Deutschen Fußball Liga (DFL) harte Bedingungen. Neben der Forderung nach einem Vier-Jahres-Vertrag, der eine Verlängerung des inklusive Option bis 2006 laufenden Vertrags zwischen Infront und DFL vorausgehen müßte, gibt es drei weitere Knackpunkte.

Weil die ARD aus politischen Gründen unbedingt mit dem ZDF zusammenarbeiten will, sollen erstens zwei Partien am Sonntagnachmittag angepfiffen und anschließend in der Sportreportage des „Zweiten“ übertragen werden. Auf Grund des Widerstands des DFB wäre das ZDF wohl auch bereit, den Anstoß auf 16.30 Uhr statt auf 15.30 Uhr zu terminieren. Da das ZDF aber erhebliche Finanzierungsprobleme haben, müßte bei einem Bundesliga-Engagement möglicherweise der Sport-Etat umgeschichtet werden. Dann würden aber so genannte Randsportarten noch weniger berücksichtigt werden. Das DSF, das sich ebenfalls für den Sonntag interessiert hatte, wäre bei einem ZDF-Einstieg aus dem Spiel.

Premiere soll auf Zusammenfassung verzichten

Zweitens soll der Abo-Sender Premiere auf seine samstägliche Zusammenfassung ab 17.30 Uhr verzichten. Und drittens will die ARD künftig während der Begegnungen Schiedsrichter und Spieler mit Richt-Mikrophonen belauschen - was den Argwohn der Vereine wecken dürfte. Freitagsspiele wie sie Karl-Heinz Rummenigge ins Gespräch hatte, sind derzeit kein Thema.

Hinzu kommt, daß selbst bei einem Betrag von 65 Millionen Euro Zwischenhändler Infront immer noch 35 Millionen Euro zur Deckung der jährlichen Zahlungen an die Liga in Höhe von 290 Millionen Euro fehlen. Es wäre also wenig verwunderlich, wenn Infront seinerseits bei der DFL einen Preisnachlaß fordern würde - und die Vereine schließlich doch noch mit weniger Geld auskommen müßten. Ansonsten, so droht die Agentur, könne der gesamte Vertrag hinfällig werden.

Teurer Einstieg

Die öffentlich-rechtlichen Anstalten haben dagegen in erster Linie das Problem, den teuren Bundesliga-Einstieg angesichts einer geforderten Gebührenerhöhung zu rechtfertigen. „Das ist für uns eine Jahrhundert-Chance“, sagte ein euphorisierter ARD-Boß nach der Sitzung.

Angst haben ARD und ZDF, die den skeptischen NRW-Ministerpräsidenten Peer Steinbrück noch einmal von Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement bearbeiten lassen wollen, vor allem vor einer Kampagne des Verbandes Privater Rundfunk und Telekommunikation (VPRT). Die mächtige Lobby-Vereinigung, in der die kommerziellen TV- und Radio-Anbieter zusammengeschlossen sind, hat angeblich schon eine großangelegte Plakataktion gegen eine Gebührenerhöhung für Bundesliga-Millionäre in der Planung.

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