Der SV Werder Bremen hat sich vorzeitig zum vierten Mal in seiner Vereinsgeschichte die deutsche Meisterschaft gesichert.
Nach einer überragenden Leistung gewann die Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf ausgerechnet beim großen Rivalen Bayern München verdient mit 3:1 (3:0) und ist angesichts von neun Punkten Vorsprung zwei Spieltage vor dem Saisonende nicht mehr von der Tabellenspitze zu verdrängen.
Die Meisterschale wird den Bremern beim Heimspiel am kommenden Samstag gegen Bayer Leverkusen überreicht. Während die Norddeutschen ihren Titelgewinn nach dem Schlußpfiff ausgelassen feierten, herrschte bei den Bayern nach einer enttäuschenden Saison ohne Titel großte Tristesse. Zumindest präsentierten sich die Münchner als fairer Verlierer. Schon in der 68. Minute leuchtete auf der Anzeigentafel des Olympiastadions: „Herzlichen Glückwunsch, SV Werder Bremen“.
„Sensationell, was die Mannschaft geleistet hat“
Trainer Thomas Schaaf sagte nach dem Spiel: „Es ist sensationell, was die Mannschaft in dieser Saison geleistet hat. Es ist auch sensationell, wie sie sich hier in München präsentiert hat. Jetzt geht die Post ab, zunächst hier in München und heute Abend nach der Rückkehr in Bremen.“
„Bremen hat eine exzellente Saison gespielt und den Titel verdient gewonnen“, so Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld nach der Partie. „Sie haben sich nicht verrückt machen lassen und den schönsten Fußball gezeigt. Die Niederlage ist natürlich sehr enttäuschend, ebenso die Tatsache, daß wir keinen Titel geholt haben. Aber das sollte Motivation für die neue Saison sein. Wir werden uns verstärken müssen, um uns im spielerischen Bereich zu verbessern.“
Schnelle Gratulation vom Kanzler
Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder reagierte schnell und gratulierte den Bremern nur kurz nach Abpfiff. Mit dem „überzeugend herausgespielten Sieg über den FC Bayern München hat der SV Werder Bremen wirklich souverän die deutsche Fußball-Meisterschaft gewonnen“, schrieb Schröder in einem Glückwunschtelegramm an den Verein. Das Team habe „mit seiner Spielfreude und seinem technischen wie taktischen Spiel die Fußballfreunde in ganz Deutschland begeistert“.
Vor 65.000 Zuschauern zeigten die Bremer, daß sie in dieser Saison zurecht auf dem ersten Platz stehen. Nach einem katastrophalen Patzer von Nationalkeeper Oliver Kahn gelang Ivan Klasnic bereits in der 19. Minute die Führung für die Bremer. Johan Micoud (26.) und Torjäger Ailton (35.) mit einem Traumtor erhöhten das Ergebnis gegen eine desolate Münchener Elf noch vor der Pause auf 3:0. Für den Brasilianer Ailton war es der 27. Saisontreffer. Die Bayern kamen durch Angreifer Roy Makaay, der zum 23. Mal traf, in der 56. Minute nur noch zum Anschlußtreffer.
Rummenigge: „Schlimmste Enttäuschung“
Zuletzt lagen die Bayern vor knapp 37 Jahren zur Pause 0:3 zurück (9. Dezember 1967 gegen Duisburg). Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sprach deshalb zur Pause von der „schlimmsten Enttäschung“ und von einer „Katastrophe“. Gleichzeitig gratulierte Rummenigge den Bremern bereits nach 45 Minuten zur Meisterschaft. Auch Teamchef Rudi Völler war von der Leistung der Werderaner beeindruckt: „ Das ist schön anzusehen. Die Mannschaft hat unter Beweis gestellt, daß sie zurecht vorne steht.“
In der Tat präsentierte sich Werder meisterlich und zeigte vor allem in der ersten Halbzeit dem Rekordtitelträger klar die Grenzen auf. Die Gäste spielten wie aus einem Guß, wirkten entschlossener und entlarvten die Münchener als Mannschaft ohne Mumm und Herz. In der zweiten Halbzeit begnügten sich die Bremer dann mit dem Notwendigsten, kamen trotz des Gegentreffers von Makaay aber nie ernsthaft in Gefahr. Die Bremer hätten bei Konterchancen durch Ailton das Ergebnis durchaus noch höherschrauben können.
Für Werder Trainer Thomas Schaaf ist es nach dem Pokalsieg 1999 der größte Erfolg seiner jungen Trainerkarriere. Sein Team ist nunmehr seit 23 Spielen in der Bundesliga ungeschlagen und hat sich den Titel somit redlich verdient. Im Pokalfinale am 29. Mai in Berlin gegen den Zweitligisten Alemannia Aachen winkt den Hanseaten sogar das „Double“.