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Veröffentlicht: 17.12.2012, 21:21 Uhr

Bundesinnenminister Friedrich „Sportlicher Erfolg ist nicht nur eine Frage des Geldes“

Bundesinnenminister Friedrich möchte nicht mehr Geld für Spitzensportler ausgeben. Im F.A.Z.-Interview erklärt er, dass neben staatlicher Förderung andere Wege denkbar seien - zum Beispiel eine privatisierte Nachwuchsförderung.

© dpa Zwei, die gefordert sind: Bundesinnenminister Friedrich (links) und DOSB-Präsident Bach

Der Deutsche Olympische Sportbund fordert in Person seines Präsidenten Thomas Bach bis zu den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro 25 Millionen Euro mehr Sportförderung; das sind nur gut sechs Millionen pro Jahr auf die 130 Millionen drauf, die der Bund gibt. Ist das bescheiden genug, um es zu erfüllen.

Bescheidenheit ist immer eine Zier . . . aber Spaß beiseite: Wir müssen realistisch sein. Im Haushalt ist eine Schuldenbremse vereinbart, und in fast allen Politikbereichen gibt es Forderungen nach mehr Geld. Wie dort müssen wir uns auch im Sport nach der Decke strecken, die uns zur Verfügung steht. Es kann jetzt nicht in erster Linie um mehr Geld gehen, sondern wir müssen Wege finden, die Effizienz zu steigern. Das sehen übrigens meine Kolleginnen und Kollegen in den Bundesländern genauso.


Weiter kommt man ohne ihr, heißt es weiter: ohne die Bescheidenheit. Wenn die Olympiamannschaft in Rio dasselbe Ziel haben soll wie in London, nämlich in der Breite aller Sportarten dafür zu sorgen, dass sie im Medaillenspiegel zu den top fünf gehört - in London war sie Nummer sechs -, hätte Thomas Bach gut und gern das Zehnfache oder gar das Hundertfache fordern können . . .

Sportlicher Erfolg ist doch nicht nur eine Frage des Geldes. Sonst würden ja die reichsten Länder immer die meisten Medaillen gewinnen. Aber so ist es ja nicht. Wir haben dreimal so viele Kaderathleten wie Großbritannien, bei Olympia hat das Königreich aber 29 und wir elf Goldmedaillen errungen. Das ist nicht allein mit dem Heimvorteil zu erklären.

Spielen Sie darauf an, sich auf die Sportarten zu konzentrieren, die den größten Erfolg versprechen?

Wir waren immer stolz darauf, dass wir die olympischen Sportarten in großer Breite fördern. Rein emotional würde ich gerne daran festhalten. Aber notwendige strukturelle Überlegungen kann ich nicht ausschließen. Wir sollten uns auch über andere Wege der Spitzensportförderung Gedanken machen. Zum Beispiel muss man stärker als bisher im Vorfeld von internationalen Spitzenleistungen ansetzen. Wir sind dabei, Unternehmen für die Förderung von jungen Leuten zu gewinnen, die erst noch in den Spitzensport hineinwachsen.

Bild Hans-Peter Friedrich © dpa Vergrößern Sporthilfe - erwarten die Athleten vom Politiker Friedrich

Sie wollen die Nachwuchsförderung privatisieren?

Nicht alles im Sport ist öffentliche Aufgabe, wir haben in Deutschland keinen Staatssport. Der Bund trägt einen großen Teil zur Finanzierung des Spitzensports bei, weil er ein wichtiges Aushängeschild fürs Land ist. Der Blick auf unsere Spitzenstellung im Juniorensport zeigt, dass wir die Verzahnung mit dem Vorfeld des olympischen Leistungssports verbessern müssen.

Wie sieht das konkret aus?

Wenn beispielsweise eine Region sich gern im Handball engagieren möchte, könnte man ihr dabei helfen, ein Unternehmen zu finden, das vielleicht einen Trainer finanziert. So könnte man auch den Übergang vom Breitensport, für den die Länder zuständig sind, zum Spitzensport, für den der Bund verantwortlich ist, verbessern. In London haben mir Kollegen erzählt, dass in Ländern mit Staatsbetrieben schon mal zweistellige Millionenbeträge in Sportverbände gegeben werden. Da ist es doch nicht abwegig, auch bei uns die Wirtschaft stärker ins Boot zu holen.

Wie groß ist der sportliche Ehrgeiz des Staates?

Mit den Ergebnissen von London können wir durchaus zufrieden sein: 44 Medaillen, davon elf goldene, bei den Olympischen Spielen und 66 Medaillen und 18 Siege bei den Paralympics. Das ist bei dem immer höheren Leistungsniveau auf internationaler Ebene ein tolles Ergebnis.

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