25.03.2006 · Bremen hat seine Schwächephase überwunden. Nach drei Bundesliga-Spielen ohne Sieg kehrte die Mannschaft auf Champions-League-Kurs zurück.
„Wir führten 2:0 und wußten nicht warum“ - präziser als Werder Bremens Trainer Thomas Schaaf konnte man eine der schlechtesten Halbzeit der Hanseaten unter seiner Regie nicht charakterisieren. Daß eine katastrophale Dreiviertelstunde am Ende in einen 5:0-Kantersieg gegen Hannover 96 mündete, hätte sich beim Seitenwechsel niemand der 41.646 Zuschauer auch nur im Entferntesten vorstellen können.
Erst pfui, dann hui - unter diesem Motto meldeten sich die Bremer im Kampf um einen Platz in der Champions League zurück. Daß die Konkurrenz aus Hamburg und Gelsenkirchen mit Punktverlusten dabei mithalf, war für Werder-Sportdirektor Klaus Allofs alles andere als eine Überraschung: „Auch bei den anderen Mannschaften zeigt sich das Problem der fehlenden Kontinuität.“ Da freute man sich an der Weser, daß die eigene negative Beständigkeit mit drei Pflichtspielniederlagen hintereinander im Nordderby ein spektakuläres Ende fand. Die kontroversen Diskussionen um Nelson Valdez fanden ihr Ende dagegen noch nicht einmal durch seinen ersten Bundesliga-Dreierpack mit Toren in der 43., 52. und 82. Minute.
Valdez mault weiter
Der Nationalspieler aus Paraguay ist nach wie vor mit seiner Situation als Stürmer Nummer drei an der Weser unzufrieden. In seiner aktuellen Verfassung allerdings werden ihn die Norddeutschen kaum vorzeitig zum interessierten Ligarivalen Borussia Dortmund ziehen lassen. „Ich habe die Schnauze voll von meiner Rolle als Joker“, maulte der Südamerikaner, eine Klassifizierung, die Allofs ungerührt konterte: „Nelson ist für mich auf einer Linie mit Miroslav Klose und Ivan Klasnic, aber eine Stammplatzgarantie kann es nicht geben.“ Und auch Schaaf kann und will sich einen vorzeitigen Transfer von Valdez nicht vorstellen, „denn er hat diesmal bewiesen, daß er auch effektiv spielen kann, vom Einsatz her bietet er ohnehin nie Anlaß zur Kritik.“
Keinen Anlaß zur Kritik hatte auch über 40 Minuten lang 96-Coach Peter Neururer. Daß er weiterhin auf seinen ersten Sieg als Trainer im Weserstadion warten muß, lag an der Abschlußschwäche der Niedersachsen und am diesmal nahezu fehlerfreien Bremer Keeper Tim Wiese. „Ein mehr als verrücktes Spiel“, bilanzierte der Fußball-Lehrer, der nach zwei Doppelschlägen vor und nach der Pause - in der 54. erzielte Klose sein 19. Saisontor - die Partie verloren gab: „Ein 0:4 kann man bei Werder Bremen nicht aufholen.“
Klose, zusammen mit Wiese, Valdez und Johan Micoud, der in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit traf, bester Bremer Akteur, wehrte sich nicht gegen die Einschätzung, die Grün-Weißen seien an diesem Nachmittag wahre Glücksritter gewesen. „Wir haben insgesamt viel Glück gehabt. Die Verunsicherung war am Anfang deutlich zu spüren. Erst mit den Toren kam die Sicherheit“, räumte der Torjäger ein.