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Box-Kommentar Freiheitskämpfer im Boxring

12.08.2009 ·  Felix Sturm will sich von seinem Boxpromoter Klaus-Peter Kohl trennen. Auf dem Weg in die Selbständigkeit folgt er den Klitschkos. Sind die Profi-Boxer undankbar oder nur gerissen?

Von Arne Leyenberg
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Das Prinzip des Gebens und Nehmens bestimmt nicht nur das Geschehen im Boxring – sondern auch das außerhalb. Berufsboxer streichen teilweise beträchtliche Kampfbörsen ein – und geben davon fast die Hälfte gleich wieder ab. Promoter, Manager und Trainer verlangen ihre branchenüblichen Prozentsätze. Promoter und Manager, der eigentlich die Interessen des Boxers vertreten soll, sind oftmals ein und dieselbe Person. Solche Gesetzmäßigkeiten gibt es nur im Berufsboxen.

Felix Sturm lehnt sich jetzt dagegen auf. Er hat den Ruf der Freiheit vernommen und macht sich selbständig. Zum 16. November läuft sein Vertrag mit der Hamburger Universum Box-Promotion aus – er hat gekündigt. Bevor er noch einmal für Promoter Klaus-Peter Kohl in den Ring steige, höre er lieber auf zu boxen, ließ der Weltmeister aus Leverkusen verlauten.

Undankbar oder gerissen?

Das sind harte Worte nach einer langen Jahre erfolgreichen Liaison. Kohl nahm den Sohn bosnischer Einwanderer unter Vertrag, als der noch Adnan Catic hieß. Als Felix Sturm machte er ihn zum Weltmeister und Millionär, baute ihn zum Vorzeigeboxer des ZDF auf, zur Nummer eins in seinem Stall. Jetzt, da Sturm auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft im Ring angekommen zu sein scheint, verlässt er Kohl, der noch dazu gerade um einen neuen Fernsehvertrag bangt.

Undankbar, könnte man meinen. Gerissen, trifft es wohl besser. Denn wozu braucht Sturm noch einen Promoter? Er hat sich einen Namen erkämpft, den er jetzt versilbern kann. Er wird immer Menschen im Hintergrund brauchen, die an ihm mitverdienen. Aber zu seinen Konditionen. „In diesem Metier kannst du alles sein – nur kein Boxer“, hat mal ein Funktionär des Bundes Deutscher Berufsboxer gesagt. Fortan kämpft Sturm gegen dieses Vorurteil an.

Die Klitschkos waren die Ersten

Die Klitschkos waren die Ersten, die ihre Geschicke in die eigene Hand nahmen. Wladimir und Witali Klitschko verließen vor Jahren das Universum von Kohl. Es war der richtige Schritt zur richtigen Zeit. Sie vermarkten sich selbst und sind ihr eigener Promoter. Mit RTL haben sie einen Fernsehpartner im Rücken, die internationalen TV-Rechte verkaufen sie auf eigene Rechnung. Da rollt der Rubel. Dafür stritten sie sich mit Kohl, der sie nach den Olympischen Spielen 1996 unter Vertrag genommen hatte, sogar vor Gericht. Sturm will dem Vorbild der Freiheitskämpfer aus der Ukraine folgen.

Kohl promotet nicht nur Kämpfer – er ist auch einer. Deshalb wird er den Schlag von Sturm nicht einfach einstecken. Er pocht auf Einhaltung des Vertrags, schließlich hat er eine einseitige Option auf Verlängerung um drei Jahre. Das sei sittenwidrig, sagt ein Anwalt Sturms. Der vertritt übrigens auch die Klitschkos. Sturms Schritt in die Freiheit ist wohlvorbereitet.

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