22.07.2009 · Andreas Sidon darf wieder boxen. Nun droht dem Bund Deutscher Berufsboxer (BDB) nach der juristischen Niederlage im Kampf mit dem eigenen Titelträger der K.o.-Schlag.
Von Arne LeyenbergAndreas Sidon will nicht nur boxen. Er muss. Jetzt darf er auch wieder. Dem Bund Deutscher Berufsboxer (BDB) droht dagegen nach der juristischen Niederlage im Kampf mit dem eigenen Titelträger der K.o.-Schlag. Der Verband, der seinem deutschen Meister im Schwergewicht die Lizenz entzogen und den Titel für vakant erklärt hatte, wurde vom Landgericht Hamburg zurückgepfiffen: Der alleinerziehende Vater von drei Kindern darf im fortgeschrittenen Alter von 46 Jahren wieder in den Ring steigen.
Für Sidon bestehe trotz Ablagerung an der Halsschlagader kein erhöhtes Risiko, im Ring ernsthaft verletzt zu werden, stellte der vom Gericht bestellte Gutachter fest. Das heißt aber auch: Boxen ist gefährlich, egal für welches Alter. Dass Sidon mit fast 50 Jahren aus finanziellen Gründen noch immer boxen muss, spricht nicht für ihn.
Sportliche Niederlage absehbar und unvermeidlich
Er hat es nicht geschafft, sich eine Existenz außerhalb des Boxrings aufzubauen. Aber künftig darf er wieder selbst entscheiden, wie er mit seiner Gesundheit umgeht. Denn der Lizenzentzug, hätte er denn vor Gericht Bestand gehabt, wäre einem Berufsverbot gleichgekommen. Wenn er gesund ist, muss er boxen dürfen – und notfalls mit den Konsequenzen leben. Der Athlet steht wieder selbst in der Verantwortung.
Die sportliche Niederlage, die Sidons Sperre vorausging, war ebenso absehbar wie unvermeidlich. Der Olympiasieger Odlanier Solis aus Kuba, der ihn in 47 Sekunden besiegte, boxt in einer anderen Klasse als der Gießener. Ein ungleiches Duell, wie es laufend in deutschen Boxringen stattfindet. Vielleicht sollte man ein solches Mismatch in Zukunft schon vor dem ersten Gong verhindern – und nicht erst im Anschluss eine Sperre aussprechen.
Der BDB will in Revision gehen
Der Hamburger Internist Bodo Eckmann, Präsident des BDB, stellt angesichts des Gerichtsurteils die Sinnfrage. Wenn man einen Boxer, für den aufgrund der Tests des Verbandsarztes ein erhebliches gesundheitliches Risiko bestehe, nicht zu seinem eigenen Schutz sperren könne, müsse man sich fragen, warum es einen Boxverband dann überhaupt noch gebe. Und es droht noch mehr Ungemach: Sidon fordert im nächsten Schritt Schadensersatz für entgangene Kampfbörsen.
Ein deutscher Meistertitel lässt sich schließlich im Ring versilbern – zumindest im Ausland. Hierzulande zählt im inflationären Geschäft mit den Buchstabentiteln nur noch der Weltmeistergürtel. Der BDB will in Revision gehen. Denn sollte Sidon ein weiteres Mal vor Gericht einen Treffer landen, droht dem Verband sogar der finanzielle Kollaps.