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BVB-Niederlage in Tottenham : Schuld ist nicht nur der Schiedsrichter

  • -Aktualisiert am

Lag mit seinen Pfiffen nicht immer richtig: Schiedsrichter Gianluca Rocchi Bild: RAIN/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Zwei Fehlentscheidungen zu Ungunsten der Dortmunder, kein Videobeweis in der Champions League. Der Ärger über die BVB-Niederlage fokussiert sich. Doch die Schiri-Schelte greift zu kurz.

          Vielleicht hatte der Frust über die Niederlage Ömer Toprak in seinem Urteilsvermögen ein wenig beeinträchtigt. Der Innenverteidiger von Borussia Dortmund machte es sich jedenfalls recht einfach, als er kurz nach dem Schlusspfiff gebeten wurde, das 1:3 gegen Tottenham Hotspur zu erklären. „Leider haben extreme Fehlentscheidungen des Schiedsrichters das Spiel beeinflusst“, sagte Toprak.

          Tatsächlich hatte Gianluca Rocchi es in zwei entscheidenden Szenen nicht gut gemeint mit den Dortmundern. Wenige Minuten vor dem entscheidenden dritten Gegentreffer von Harry Kane (60.) ließ der Unparteiische ein regulär erzieltes Tor von Pierre-Emerick Aubameyang, das den Ausgleich bedeutet hätte, nicht gelten, weil er den Gabuner im Abseits wähnte. Zudem übersah der Italiener, dass Kane auf dem Weg zum zweiten Tor für die Spurs seinen Widersacher Nuri Sahin mit einem Foul abgeschüttelt hatte. Auch Michael Zorc äußerte sich verärgert. „Der Schiedsrichter hatte leider nicht das Niveau dieser Spielpaarung“, sagte der Sportdirektor des BVB.

          Aber die Auftaktniederlage in der Champions League hauptsächlich am Schiedsrichter festzumachen oder zu beklagen, dass in diesem Wettbewerb kein Videobeweis herangezogen wird, würde zu kurz greifen. Zum einen profitierten auch die Dortmunder von einer Fehlentscheidung, weil Jeremy Toljan bei Andrej Jarmonlenkos Ausgleichstreffer (11. Minute) im Abseits gestanden hatte. Zum anderen zeigte der BVB in der Defensive Mängel, mit denen nach den ersten drei Bundesligaspielen niemand gerechnet hatte.

          Sein Tor hätte zählen müssen: Pierre-Emerick Aubameyang stand nicht im Abseits
          Sein Tor hätte zählen müssen: Pierre-Emerick Aubameyang stand nicht im Abseits : Bild: RAIN/EPA-EFE/REX/Shutterstock

          In der heimischen Liga als einziges Team noch ohne Gegentor, wirkte Dortmund auf der großen Bühne des Wembley-Stadions in der Abwehr anfällig und unkonzentriert. Diesen Teil der Wahrheit muss Toprak ausgeblendet haben, als er behauptete, die Londoner hätten nach der ersten Hälfte „selber nicht gewusst, wie sie 2:1 in Führung gegangen sind“. In Wirklichkeit lagen die Gründe dafür auf der Hand: Der Dortmunder Spielaufbau war oft von Ballverlusten gekennzeichnet; dem Abwehrverhalten, besonders in den Zweikämpfen, mangelte es an Konsequenz und Härte. Und bei eigenem Ballbesitz zeigte sich die Abteilung Attacke unproduktiv. In einigen Situationen sei seine Mannschaft „zu lieb gewesen“, sagte BVB-Trainer Peter Bosz.

          Den Dortmundern gelang es nicht, die guten Eindrücke aus der Bundesliga zu bestätigen. Eine taktisch variable Mannschaft wie Tottenham in Schach zu halten ist offenkundig schwieriger und erfordert mehr Aufwand, als die eigenen Sicherheitsinteressen gegen Wolfsburg, Berlin oder Freiburg durchzusetzen. Das Scheitern in London mag auch, aber gewiss nicht nur darauf zurückzuführen sein, dass drei Defensivspieler erstmals der Dortmunder Startelf angehörten: die Verteidiger Toprak und Toljan sowie Mittelfeldspieler Dahoud. Diesmal offenbarten auch arrivierte Abwehrkräfte wie Sokratis und Piszczek ungewohnte Schwächen, und Torhüter Roman Bürki machte bei den ersten beiden Gegentoren von Son (4.) und Kane (15.) keine gute Figur.

          Sein Tor war eigentlich nicht regulär: Harry Kane jubelt trotzdem
          Sein Tor war eigentlich nicht regulär: Harry Kane jubelt trotzdem : Bild: Reuters

          Insofern wirkte Toprak nicht sonderlich überzeugend, als er behauptete, Dortmund habe „das Spiel in der ersten Halbzeit komplett unter Kontrolle gehabt“. An manchen Tagen kann es schon zum Verhängnis werden, zwei, drei Mal „nicht gut organisiert zu sein“, wie Trainer Bosz einräumte. Die Borussen werden zulegen müssen, wenn sie sich in der wohl schwersten Gruppe des Wettbewerbs durchsetzen wollen. Manager Zorc erläuterte noch in Wembley, wie das gelingen könnte. „Die Champions League ist eigentlich einfach“, sagte er. „Du musst deine Heimspiele gewinnen, dann hast du eine gute Chance weiterzukommen.“ Am 26. September spielt Real Madrid in Dortmund.

          BVB in Champions League : „Wir waren die bessere Mannschaft“

          Quelle: FAZ.NET

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