Home
http://www.faz.net/-gtl-75p4s
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Borussia Dortmund Was soll das?

Hinter der Rückkehr Nuri Sahins steckt knallhartes Anspruchsdenken der Dortmunder. Dafür riskiert der BVB auch die Harmonie im Team. Klopp bietet sich nun die Chance, das zentrale Mittelfeld des Meisters aufzumischen.

© dpa Vergrößern Rückkehrer: Ob Sahin (links) die Dortmunder Offensive wieder so kraftvoll antreibt, bleibt abzuwarten

Im Januar ist Borussia Dortmund für Transfers der besonderen Art gut, die einiges aussagen über den sich wandelnden Anspruch des Klubs. Vor einem Jahr kündigte der BVB an, Marco Reus zu verpflichten, den besten Bundesligaspieler der vergangenen Saison, der ein paar Monate später zu Deutschlands „Fußballer des Jahres“ gewählt wurde. Bayern München ging leer aus. Am Wochenende landeten die Borussen, trotz aller Dementis nicht ganz so überraschend, wieder einen Coup - diesmal mit einer Rückholaktion.

Sie haben Nuri Sahin, den herausragenden Spieler ihrer Meistermannschaft von 2011, zurückgelotst ins Ruhrgebiet. Er könne kaum ausdrücken, wie schön es sei, „wieder zu Hause zu sein“, sagt Sahin. Der türkische Nationalspieler hatte bei Real Madrid und beim FC Liverpool versucht, sein Glück zu machen, es aber nicht geschafft. Jetzt ist er wieder da, auf Leihbasis - Real Madrid hält die Transferrechte bis 2017. Nach sportlich weniger erfolgreichen Auslandsaufenthalten bekennt der Hauptdarsteller sich demütig zu dem Verein, bei dem für ihn alles angefangen hat. „Ich habe erkannt, dass ich nur beim BVB als Mensch und als Fußballspieler zu hundert Prozent funktioniere“, sagt Sahin.

Mehr zum Thema

Was voller Herz und Schmerz aufgeführt wurde als Heimkehr des verlorenen Sohnes, ist jedoch mehr als ein Rührstück, wie es die Fans lieben, die ihm Tränen nachgeweint haben und ihn nun mit Tränen der Freude willkommen heißen werden. Hinter der Liebesgeschichte, die Dortmund und Sahin verbinden mag, steckt knallhartes Anspruchsdenken. Natürlich wissen die Borussen, dass sie in dieser Saison eigentlich nicht mehr deutscher Meister werden können, bei zwölf Punkten Rückstand auf die famosen Bayern. Und das sprechen sie auch aus. Aber angreifen wollen sie, sagt Trainer Jürgen Klopp, nicht die Münchener, aber sonst jeden, der sich ihnen in den Weg stellt bei dem Vorhaben, in drei Wettbewerben die bestmögliche Rückrunde zu spielen.

Auch wenn sie, realistisch betrachtet, ihren Titel nicht verteidigen können, wollen sie meisterlich Fußball spielen. In der Bundesliga auf Platz drei geführt, in der Champions League im Achtelfinale gegen Donezk favorisiert und im DFB-Pokal trotz des schweren Auswärtsloses gegen Bayern selbstbewusst - Dortmund hat viel vor. Das Gute, was die Mannschaft geleistet hat, ist den Verantwortlichen nicht gut genug. Sie wollen mehr: Sie wollen zweite Kraft werden und es länger bleiben, als es vorherigen Bayern-Herausforderern wie Hamburg, Bremen, Stuttgart und auch Dortmund gelungen ist.

Keine Rücksicht auf Einzelschicksale

Dabei nehmen die Borussen auf Einzelschicksale keine Rücksicht. Nicht nur die Gegner müssen auf einiges gefasst sein, auch mancher Profi, der seinen Stammplatz zuletzt sicher hatte. Dortmund handelt neuerdings ähnlich wie Bayern München. Es geht nicht mehr bloß darum, vakante Stellen neu zu besetzen, sondern darum, das Personaltableau und eines Tages vielleicht auch das System variabler zu machen als bisher. Neben dem aktuellen 4-2-3-1 gelten andere Grundordnungen als Option, wenn auch vielleicht nicht sofort. Dank Sahin bietet sich Trainer Jürgen Klopp die Chance, das zentrale Mittelfeld aufzumischen, jenen Platz im modernen Fußball, wo die Fäden gezogen werden, ehe der Spielzug weiter vorn zum Abschluss kommt, wenn Stars wie Reus, Götze oder Lewandowski in Aktion treten.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Dortmunder Krise Das Verletzungspech bleibt dem BVB treu

Beim 0:1 in Berlin erkennt BVB-Trainer Klopp bei seiner Elf großartige Probleme. Noch bitterer: Mit Henrich Mchitarjan fällt ein weiterer Leistungsträger wochenlang aus. Beim BVB macht sich Verzweiflung breit. Mehr

14.12.2014, 13:03 Uhr | Sport
Bundesliga Klopp sieht den BVB in der Bringschuld

Die Borussen treffen heute auf den Tabellenzweiten VFL Wolfsburg. Trainer Jürgen Klopp sagte, diese Woche muss ein Geschenk an den Verein sein. Mehr

17.12.2014, 15:16 Uhr | Sport
1:0 für Hertha BSC Kein Ende der Dortmunder Krise

Nach dem 15. Spieltag steckt Dortmund tiefer denn je in der Krise. Der BVB verliert in Berlin 0:1. Das Tor schießt ausgerechnet ein ehemaliger Borusse, der sich in Dortmund einst den Ruf eines Chancen-Tods erwarb. Mehr

13.12.2014, 17:33 Uhr | Sport
Dortmunder Krise Klopp fordert großen Kampf

Borussia Dortmund ist im Abstiegskampf angekommen. Mit Abwarten und Tee trinken ist es nicht getan. Trainer Jürgen Klopp fordert großen Kampf mit einer herausragenden Einstellung. Mehr

04.12.2014, 09:02 Uhr | Sport
Borussia Dortmund Mit Herz und Härte

Dortmund lässt in der Krise den hohen fußballerischen Anspruch fallen und erkämpft einen 1:0-Sieg über Hoffenheim. Dazu trägt auch eine nicht unbedingt jugendfreie Rede vom einstigen Kapitän Kehl bei. Mehr Von Richard Leipold, Dortmund

06.12.2014, 10:50 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 13.01.2013, 15:28 Uhr

Schöne Bescherung durch die Fifa

Von Anno Hecker

Der Bericht des früheren Chefermittlers Michael Garcia wird nun doch veröffentlicht. Das ist ein großer Erfolg. Nun könnte auch das Verhalten Franz Beckenbauers für jedermann offensichtlich werden. Ein Kommentar. Mehr 6 8

Umfrage

Welche Bundesligaklubs schaffen es ins Viertelfinale der Champions League?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.