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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Bielefeld-Glosse Almglühn

 ·  Chance vertan: Beinahe hätte Bielefeld das größte Retro-Experiment der deutschen Fußballgeschichte gewagt. Nun aber geht es wohl ohne Eichberg, Assauer und Matthäus in die ungewisse Zukunft. Oder entscheidet die Mitgliederversammlung noch mal anders?

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Der Mantel der Geschichte ist eine flüchtige Erscheinung - wohl dem, der ihn im entscheidenden Moment zu greifen bekommt. In Bielefeld jedoch werden sie den Nachgeborenen eines Tages erklären müssen, welch historische Chance vertan wurde in dieser Juniwoche 2009. Die großen Reformprojekte des deutschen Fußballs waren gerade abgewrackt, niemand wollte mehr etwas wissen von den Bessermacher-Bayern und schon gar nicht von den Hoffenheimer Himmelsstürmern.

Der Wind wehte aus einer anderen, einer konservativen Richtung - und mit ihm flog der Arminia die Chance auf das faszinierendste Retro-Projekt des Landes zu. Präsident: Günter Eichberg, der einstige Schalker Sonnenkönig und aktuelle Bürgermeister von Bad Bertrich (Landkreis

Cochem-Zell). Sein Berater: „Stumpen-Rudi“ Assauer, der Vier-Minuten-Meister-Manager von 2001, Vorzeigemacho aus der Bierwerbung und, na ja, Frauenheld. Und als Trainer: Lothar Matthäus, der erfolglose Kandidat der längsten Castingshow des deutschen Medien-Boulevards.

Diese Konstellation hätte man schon gerne gesehen an diesem Ort, von dem es ja immer heißt, dass es ihn in Wahrheit gar nicht gebe. Die Bewerbungen lagen quasi auf dem Tisch, nur zupacken hätten sie noch müssen, die zaudernden Arminen. Aber vielleicht lassen sie es sich ja noch einmal durch den Kopf gehen bei der Mitgliederversammlung an diesem Montag. Man stelle sich das vor: So viel alte Schule, dass selbst Jupp Heynckes vor Neid erblassen müsste. Und obendrein so viel Glamour, dass man künftig von den Galaktischen aus Ostwestfalen sprechen dürfte. Die Chance ist ganz real - und jetzt geht sie dahin!

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Jahrgang 1974, Sportredakteur.

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