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Biathlon-Kommentar Neuer Riese

Nove Mesto, das ist eine Erfolgsgeschichte im Zeitraffer, und sie ist exemplarisch dafür, wie schnell die Entwicklung im Biathlon fortschreitet. Das trifft genauso auf den Sport selbst zu.

© REUTERS Vergrößern Der Biathlon-Zirkus zieht weiter - in immer neue Orte auf der Landkarte

Alle haben doch den großen Kater befürchtet nach diesem Rausch vor einem Jahr in Ruhpolding - eine Biathlon-Weltmeisterschaft der Superlative, 218.000 Zuschauer, tolle Stimmung, logistisch und organisatorisch perfekt. Der Höhepunkt schlechthin. Der arme Nachfolger konnte einem doch nur leid tun. Und wer war schon Nove Mesto? Die Antwort kennt man inzwischen. Ein schlafender Riese, der nur geweckt werden musste. Ein neuer Biathlon-Gigant auf der Landkarte, den man durchaus in einem Atemzug mit den großen Schauplätzen nennen kann. Selbst die Delegationen aus Oberhof und Ruhpolding waren beeindruckt. Nicht nur vom supermodernen Stadion und der hervorragenden Infrastruktur.

Der neue Zuschauer-Krösus

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Nove Mesto ist auch ein neuer Zuschauer-Krösus. 191.500 Fans an acht Wettkampftagen, das ist nicht weit weg vom Ruhpolding-Rekord; dazu eine Begeisterung wie im Fußballstadion, perfekte Organisation, reibungslose Logistik, freundliche Helfer, und selbst das mitunter tückische mährische Wetter zeigte sich von seiner freundlichen Seite. Da ist die Bronzemedaille der tschechischen Mixed-Staffel als sportlicher Lohn zu wenig. Wie groß das Interesse in der Tschechischen Republik ist, zeigt die Tatsache, dass die Biathlon-Live-Übertragung das Eishockey-Spiel gegen Schweden in der Quote glatt geschlagen hat. Da wächst etwas heran.

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Nove Mesto, das ist eine Erfolgsgeschichte im Zeitraffer, und sie ist exemplarisch dafür, wie schnell die Entwicklung im Biathlon fortschreitet. Der internationale Standard wird immer höher, es geht immer professioneller zu, der Wettstreit wird immer schärfer. Und das gilt nicht für die achtzehn, neunzehn Veranstalter, die sich um die neun Weltcups pro Saison bewerben. Das trifft genauso auf den Sport selbst zu. Sich neue Märkte in Übersee zu erschließen, daran ist die Internationale Biathlon-Union bislang gescheitert, aber in Europa ist der Boom ungebrochen. Neue Länder wie jetzt Tschechien drängen in den Fokus, überall wird viel Geld investiert, alle trainieren mittlerweile unter professionellen Bedingungen, gravierende Materialvorteile wie früher hat keiner mehr.

Es ist eng geworden im Biathlon-Zirkus, besonders bei den Männern. Und das bekommen auch die einst so erfolgsverwöhnten Deutschen zu spüren. Übrigens nicht erst seit dieser WM. Die Männer sind schon 2010 bei Olympia leer ausgegangen, vor einem Jahr in Ruhpolding reichte es auch nur zu einmal Bronze. Und bei den Frauen hat das Ausnahmetalent Magdalena Neuner zwei Jahre lang das Gesamtbild geschönt. Trotzdem muss einem nicht bange sein um die Skijäger aus deutschen Landen. Sie haben noch immer das Zeug zu Erfolgen, sofern alles passt, aber Medaillen sind keine Selbstverständlichkeit mehr. Ein bisschen mehr Bescheidenheit kann nicht schaden.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 18.02.2013, 10:18 Uhr

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Von Anno Hecker

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