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Bestechungsskandal "Die Geschichte hat mit dem Verein nichts zu tun"

09.03.2004 ·  Wildmoser senior ist der allmächtig wirkende Präsident der "Löwen" und Wildmoser junior der Geschäftsführer der ausgegliederten Profiabteilung. Insofern ist auch der Verein stark betroffen.

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"Überrascht", aber handlungsfähig hat sich der TSV München 1860 nach der vorläufigen Festnahme von Karl-Heinz Wildmoser und dessen Sohn Karl-Heinz reagiert. "Diese ganze Geschichte hat mit dem Verein nichts zu tun. Das ist ein Verfahren gegen eine Person, nicht gegen den Verein", sagte Dirk Dufner, der Sportdirektor des Fußball-Bundesligaklubs am Dienstag. Tatsächlich aber ist Wildmoser senior der allmächtig wirkende Präsident der "Löwen" und Wildmoser junior als Geschäftsführer der in eine Kapitalgesellschaft auf Aktien (GmbH&Co.KGaA) umgewandelten Profiabteilung des Klubs.

Tatsächlich dürfte die Verhaftung der beiden wichtigsten Männer des Vereins wegen des Verdachts der Untreue, der Bestechlichkeit und der Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit dem Bau der neuen Allianz Arena am Nordrand der Stadt auf das Innenleben der "Sechziger" wie ein Schock gewirkt habe. Dufner aber erklärte Stunden nach der spektakulären Durchsuchung der Geschäftsräume bei 1860 und dem sofort von jedem Vorwurf freigesprochenen großen Stadtrivalen FC Bayern: "Die Geschäftsführung läuft ohne Unterbrechung, von beiden Vizepräsidenten geleitet." Nach einer Pressemitteilung des Vereins führen für den Augenblick die Vizepräsidenten Paul Wonhas und Kurt Sieber den Klub; für die KGaA ist der zweite Geschäftsführer, Detlef Romeiko, sowie Walter Leidecker, der Leiter Finanz- und Rechnungswesen zeichnungsberechtigt. Im Moment, hob Dufner hervor, gelte die Unschuldsvermutung. Wildmoser sei weiterhin Präsident. "So lange er nicht verurteilt ist, bleibt das auch so."

Steuerfahndung gab den Tip

Die Verhaftung der beiden Wildmosers hatte das Bayerische Landeskriminalamt (LKA) am Dienstagmorgen mitgeteilt, nachdem die Räumlichkeiten der Münchner Bundesligaklubs - die der Bayern lediglich zur "Auffindung von Beweismaterial", wie es hieß - und von rund dreißig anderen Objekten in Deutschland, Österreich und der Schweiz durchsucht worden waren. Nach Informationen des Bayerischen Rundfunks (BR) soll Wildmoser aus den Ausschreibungen Details an die Baufirma, die den Zuschlag für das neue Großstadion bekam, weitergegeben und dafür 2,8 Millionen Euro erhalten haben. Wie Christian Schmidt-Sommerfeld, der Chef der Staatsanwaltschaft München I am Dienstag sagte, sei diese Summe an die Wildmosers geflossen; im Gegenzug hätten die beiden die Unternehmensgruppe Alpine beim Bauauftrag für die neue Arena bevorzugt. Das Geld sei über einen Strohmann an die Wildmosers gefzahlt worden. Der Deal sei durch einen Tip der Steuerfahndung aufgeflogen.

"Erschüttert" zeigte sich der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude über den Skandal rund um den Bau der im kommenden Jahr eröffneten Arena, in der 2006 das Eröffnungsspiel zur Fußball-Weltmeisterschaft ausgetragen wird. Ude, der von den Ermittlungen gegen die Wildmosers und andere seit rund drei Monaten wußte, sagte gegenüber dem BR, er sei "entsetzt", daß der Präsident eines Fußballvereins das Ansehen des Fußballs, des Stadionprojekts und der Stadt München derart beschädige. "Das alles ist nur sehr schwer zu verkraften." Die Korruptionsabteilung bei der Staatsanwaltschaft München I habe sehr sorgfältig recherchiert. Der festgestellte Geldfluß sei nicht anders erklärbar, als daß bei der Ausschreibung Informationen an eine Baufirma über Konkurrenzangebote weitergegeben wurden.

WM-Organisationskomitee gelassen

Das neue Fußballstadion wird im Norden der Stadt errichtet und ist mit Kosten von 280 Millionen Euro veranschlagt. In ihm werden zukünftig die beiden Münchner Bundesliga-Vereine spielen, die das Olympiastadion für eine nicht mehr zeitgemäße Fußball-Arena gehalten hatten. Der Bau der Arena im Stadtteil Fröttmaning wurde per Bürgerentscheid im Oktober 2001 beschlossen.

Wolfgang Niersbach, Vizepräsident des Weltmeisterschafts-Organisationskomitees, reagierte auf die Festnahme der Wildmosers mit dem Blick auf das WM-Projekt München gelassen: "Wir wußten davon nichts. Aus unserer Sicht ist das Bauvorhaben in keinster Weise gefährdet."

Fritz Scherer, Vizepräsident des FC Bayern München, der bis zur vergangenen Woche neben Wildmoser junior Geschäftsführer der gemeinsamen Betreibergesellschaft Allianz Arena München Stadion GmbH war, sagte, daß sein Rücktritt mit den staatsanwaltlichen Ermittlungen "überhaupt nichts zu tun" gehabt habe und allein auf "persönliche und gesundheitliche Gründe" zurückzuführen sei. Der FC Bayern stehe mit möglichen Straftaten in keinerlei Verbindung: "Wir sind alle rein."

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