28.11.2009 · Der Kaiser ist nicht mehr Präsident, aber auch als Ehrenpräsident wird er der Souverän von München bleiben. Franz Beckenbauer wird sich auch in neuer Rolle ex cathedra zum Fußball und vor allem seinen Bayern zu Wort melden.
Von Roland ZornDer Souverän ist gegangen, aber er bleibt seinem Verein und dem deutschen Fußballvolk erhalten. „Kaiser“ ist man auf Lebenszeit und Ehrenpräsident des FC Bayern München noch dazu. Franz Beckenbauer, der am Freitagabend bei der Mitgliederversammlung seinen Thron als Präsident des deutschen Rekordmeisters geräumt hat, wird weiter mit heiter-eleganter Rhetorik, durchsetzt mit gelegentlichen Zornesworten, von sich reden machen. Einer wie er braucht längst kein Amt mehr, um gefragt zu sein. Deshalb ist ihm der Abschied von seiner letzten institutionellen Aufgabe bei den Bayern leichtgefallen. Gern hat er Uli Hoeneß, zuvor seit 1979 Manager des Klubs, seinen Job, zu dem auch der Aufsichtsratsvorsitz in der Bayern-AG gehörte, überlassen. „Das ist gut so für den FC Bayern“, hat Beckenbauer altersmilde und realitätsbewusst gesagt, „der Uli wird nicht mehr ganz so aktiv sein wie bisher, aber er wird weitaus aktiver sein, als ich es war.“
Und doch: Wenn Beckenbauer über seine Bayern, die Bundesliga, die Nationalmannschaft, den Fußball an sich und überhaupt über Gott und die Welt redet, dann ex cathedra, aber auch voller Selbstironie. Dass einer wie er so beliebt und verehrt zugleich war und ist, hat viel mit persönlicher Bescheidenheit, einer im verbissenen Fußballgeschäft nie kleinlichen Haltung und der Toleranz den eigenen und anderer Menschen Schwächen gegenüber zu tun. Beckenbauer wollte als Präsident der Bayern wie in allen anderen Ämtern, die er annahm, weil man sie ihm antrug, kein Besserwisser sein, er war halt die letzte Instanz.
Als ihn der versammelte Münchner Vorstand zu Beginn dieser Saison wegen einer flapsigen Bemerkung über den Bayern-Star Ribéry heftig kritisierte, hat Beckenbauer den Herren Rummenigge, Hoeneß und Hopfner freundlich-entschieden geantwortet: „Ihr wisst schon, wer der Chef ist?“ Was ein Ehrenpräsident tut, weiß Beckenbauer noch nicht. „Er wird eingeladen“, lautet seine erste Vermutung. Herzlich gerne sogar, denn die Worte des „Kaisers“ bleiben begehrt – mögen sie auch heute so und morgen schon ganz anders gewählt sein.