Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge gab sich nach der Niederlage gegen Mailand im Gespräch bescheiden, verteidigte aber auch altes Anspruchsdenken: „Ich stehe auch noch dazu, dass wir individuell den besten Kader aller Zeiten haben. Einige Spieler schöpfen jedoch ihre Möglichkeiten nicht aus.“
Wie beurteilen Sie die Chancen von Bayern München nach der 1:2-Pleite gegen Mailand, die Zwischenrunde der Champions League doch noch zu erreichen?
Rummenigge: Das war das Ergebnis, das wir genau nicht brauchen konnten. Wir haben fünf Punkte Rückstand auf La Coruna und noch zwei schwere Auswärtsspiele. Da sieht es realistisch schlecht aus. Uns hilft nur noch ein Wunder, um das Unmögliche noch möglich zu machen. Der dritte Platz ist nun das Mindestziel, um den Uefa-Cup zu erreichen.
Worin sehen Sie die Gründe für die erneute Niederlage?
Das hat schon gegen La Coruna angefangen. Da haben wir zu locker gespielt. Seit dieser Niederlage sind einige Spieler nachdenklich geworden. Das hat im negativen Sinn große Spuren hinterlassen.
Was werfen Sie der Mannschaft gegen Mailand konkret vor?
Unter dem Strich war es gar nicht so schlecht. Aber es fehlen die letzten Prozentpunkte. Beide Tore waren vermeidbar. Es fällt auf, dass wir viele Gegentore durch fehlende Konzentration bekommen. Wir spielen zu nachlässig.
Was würde Sie bei einem vorzeitigen Aus mehr schmerzen: der Imageverlust oder die fehlenden Millionen-Einnahmen?
Es wiegt beides schwer. Aber das Sportliche ärgert mich mehr, nachdem wir vier Jahre positiv für Furore gesorgt haben.
Wie hoch wäre der finanzielle Verlust? Es ist von 30 Millionen Euro Mindereinnahmen die Rede.
Rein budgetmäßig haben wir keinen Verlust. Wir kalkulieren konservativ und planen immer nur mit der ersten Gruppenphase. Deshalb fehlt wirtschaftlich kein Betrag, aber das Weiterkommen würde einen Profit bringen.
Sie hatten vor der Saison vom besten Bayern-Kader aller Zeiten gesprochen...
Ich stehe auch noch dazu, dass wir individuell den besten Kader aller Zeiten haben. Einige Spieler schöpfen jedoch ihre Möglichkeiten nicht aus.
Wird es bei einem Vorrunden-Aus personelle Konsequenzen geben?
Man muss abwarten. Aber bei einem Ausscheiden muss man sich fragen, ob der 24-Mann-Kader nicht zu groß ist. Wir werden intern Gespräche führen, ob wir in der Winterpause wegen der geringeren Belastung in der Champions League nicht ein oder zwei Spieler abgeben.
Was muss sich kurzfristig ändern?
Vor zwei Wochen hatten wir eine heile Welt, jetzt haben wir bei Bayern eine unruhige Welt. Wir müssen hart arbeiten und die Dinge mit Vollgas angehen. Damit müssen wir am Samstag anfangen und gegen Bochum die Tabellenführung verteidigen. Das ist ein Muss. Wir stehen mit dem Rücken zur Wand. Es kann nur noch besser werden.