11.04.2009 · Bayern-Trainer Klinsmann kann die Münchner Profis nicht zu konstant guten Leistungen bewegen. Opfert Manager Hoeneß nun für die diesjährige deutsche Meisterschaft seine frisch gewonnene Philosophie?
Von Peter HeßKlinsmann muss bleiben. Wenn der FC Bayern wirklich unter die besten vier europäischen Klubmannschaften kommen möchte, hat er nur zwei Möglichkeiten. Entweder ein Wirtschaftsmodell, das dem FC Chelsea und Manchester United Hunderte von Millionen Euro Schulden bescherte, oder einen Trainer, der aus Teams, die sich seriös finanzieren lassen, den Extrakick herausholt.
Vor diese Alternative gestellt, entschied sich Bayern-Manager Hoeneß bei der Wahl von Hitzfelds Nachfolger im vergangenen Frühjahr für Klinsmann, den Trainer mit dem ganzheitlichen Ansatz, jeden Spieler jeden Tag mit höchstem Engagement und Aufwand etwas besser zu machen. Die zweite Möglichkeit wäre gewesen: wie im Jahr zuvor das Festgeldkonto zu plündern und zig Millionen Euro für Spieler vom Schlage eines Ribéry oder Toni zu verpflichten.
Unterschiedliche Vorstellungen vom Berufsleben
So sympathisch der von Hoeneß gewählte Ansatz für all diejenigen sein mag, die im Fußball ein Konzept und dessen akribische Umsetzung zu schätzen wissen - im Moment scheint er bei den Bayern gescheitert zu sein. Klinsmann, der die deutsche Nationalelf vor und während der WM 2006 völlig im Griff hatte und in der Endphase seines Wirkens Höchstleistungen aus ihr herauskitzelte, kann seine Münchner Profis nicht zu konstant guten Leistungen bewegen.
Zuletzt ließen sie sich sogar von ihren Gegnern vorführen. Klinsmann dringt nicht durch mit seinen Appellen an Eigenverantwortung, professionelle Einstellung und Willensstärke. Die Eskapaden eines Ribéry, die Nachtaktivitäten eines Toni, das gesamte Verhalten eines Podolski, der übermäßige Stolz eines Lucio oder Demichelis zeugen davon, wie weit viele Profis davon entfernt sind, ihre Vorstellungen vom Berufsleben denen Klinsmanns zu unterwerfen.
Opfert Hoeneß seine frisch gewonnene Philosophie?
Der Jungtrainer hat längst nicht alles richtig gemacht. Vor allem wird er sich fragen müssen, ob er nicht seine Art, den Spielern zu begegnen, den veränderten Gegebenheiten anpassen muss. Täglich im Verein höchste Intensität zu erfahren, ist für verwöhnte Profis nervender als in einem begrenzten Zeitraum mit dem Nationalteam. Andererseits braucht Klinsmann für seinen Weg die unbedingte Rückendeckung des Vereins. Die bekam er immer nur halb, die Spieler konnten sich bei Hoeneß oder Rummenigge ausweinen.
Stars wie Ribéry, die bei einem Halbzeitstand von 0:4 in Barcelona nichts Besseres zu tun haben, als ihr Trikot mit ihrem Lieblingsgegenspieler zu tauschen, erwecken nicht den Eindruck, sich für ihren Klub übermäßig zu engagieren. Die ohnehin brisante Lage ist durch die letzten beiden Niederlagen eskaliert, sogar das Minimalziel Champions-League-Qualifikation gefährdet.
Opfert Hoeneß für die diesjährige deutsche Meisterschaft seine frisch gewonnene Philosophie? Ja, er wird sich dazu gezwungen fühlen, falls Klinsmann auch gegen die Eintracht nicht gewinnt. Erfolg geht über Hirngespinste. Nicht einmal bei einem guten Saisonende scheint es sicher, dass der Schwabe sein zweites Vertragsjahr antreten darf. Es wäre schade, trotz der Fehler, die Klinsmann beging. Die Podolskis dieser Fußballwelt könnten sich bestätigt fühlen.