16.02.2012 · Alba Berlin läuft weiter den Erwartungen hinterher. Im Pokal ereilte den Klub nun das vorzeitige Aus. Nun dient der Vorzeigeklub nur noch als Motivation für die Gegner.
Von Michael ReinschAls es in die Verlängerung ging, hatte Alba Berlin nichts mehr zuzusetzen. Acht Mal war der Klub deutscher Basketball-Meister. Am Mittwochabend scheiterte er in der Qualifikation für das Pokal-Endturnier am Tabellenachten Braunschweig. Vor fast genau einem Jahr, als die Berliner mitten in der Saison ihren Trainer sowie beide Aufbauspieler auswechselten, haben sie die Reserven angegriffen, die ihnen nun fehlen. Selbst nach dem Ausscheiden aus dem Europapokal beharrte Alba-Manager Marco Baldi darauf, dass er die siebte Ausländerstelle nicht besetzen werde.
So opferte sich, als beide Center verletzt fehlten, Flügelspieler Derrick Allen heldenhaft für die harte Arbeit unter dem Korb auf. Bei der Pokalniederlage nun vertraute Trainer Gordon Herbert lediglich acht seiner Profis; einer war Yassin Idbihi im ersten Spiel nach wochenlanger Pause. Herberts andere Spieler durften nur für Sekunden oder gar nicht aufs Feld. Bei Braunschweig rotierten zehn. Doch statt über die offensichtliche Erschöpfung diskutieren die Berliner über egoistische Spielweise und strukturelle Mängel. Beides soll wohl durch die Verpflichtung eines starken Spielers korrigiert werden.
Die Meisterschaft, in jedem Jahr das Ziel der Berliner, seit 2008 aber nicht mehr erreicht, ist mit der Pokalpleite nicht verspielt. Nach dem Tief vor einem Jahr brachte der nur für das Saisonfinale verpflichtete Trainer Muli Katzurin die Mannschaft ins fünfte Finalspiel um den Titel - neunzig Sekunden vor Schluss führte sie sogar noch. Der Sturz des Favoriten am Mittwoch zeigt aber, dass der Klub aus der Hauptstadt seinen Standortvorteil mit größerer Aufmerksamkeit und viel mehr Zuschauern, als sie alle anderen haben, nicht in eine dauerhafte Überlegenheit ummünzen kann.
Nicht einmal der Umstand, dass es in Berlin mehr Basketball-Nachwuchs gibt als irgendwo sonst in Deutschland, ist der Mannschaft anzusehen. Vom „fear factor“, den Trainer Herbert seiner Mannschaft mitgeben wollte, ganz zu schweigen. Stattdessen macht sich Alba auf andere Weise um die Motivation der Konkurrenz verdient: Jede Mannschaft bekommt das Gefühl, dass sie eine reelle Chance hat, das Team aus der Hauptstadt zu besiegen. Damit dürfte immerhin die Motivation in der Liga stimmen.