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B-Ball-Diplomatie am Ende : Korb für Rodman

In der Jacke des Kapitalisten: Basketball-Diplomat Dennis Rodman im ABC-Studio Bild: AP/dpa

Der Diktator liebt Dunkings. Fein, dachte sich Dennis Rodman und wollte Kim Jong-un und Obama, den anderen großen Basketballfan unter den Staatschefs, zusammenbringen. Motto: B-Ball statt A-Bomb. Doch das Weiße Haus blockte The Worm.

          Der Sportler als Diplomat im Trainingsanzug. Was dem Kommunisten östlich der Mauer lieb war, kann dem Kapitalisten in New York City heute nur teuer sein. Also machten sich die Chefkomiker des Basketballs, die Harlem Globetrotters, in der vergangenen Woche auf nach Nordkorea. Mission Weltfrieden, B-Ball statt A-Bomb, so schwer kann das nicht sein.

          Schließlich kann die Truppe auf Erfahrung bauen, die Tour durch die Sowjetunion anno 59 soll ausverkauft gewesen sein. Schon der Delegationsleiter war mit Bedacht gewählt: Wer sollte besser Zugang in die östlichste Dependance der Achse des Bösen finden als der Mann, den sie in der NBA „The Worm“ nannten?

          Und tatsächlich, Dennis Rodman berichtete dem Fernsehsender ABC nach der Rückkehr, er habe in Pjöngjang einen Freund fürs Leben gefunden. Bis ins Herz von Diktator Kim Jong-un hat sich Wurm Rodman gebohrt und erfahren, was jeder ahnen musste, der dem jungen Staatschef tief in die dem Schlummer nahen Augen schaute,  als er jüngst wieder eine Vorführung des Chores des nationalen Volksarmee Nordkoreas über sich ergehen lassen musste: Der Diktator liebt Dunkings. „Ich will keinen Krieg, Dennis“, habe Kim Jong-un ihm gesagt, so Rodman auf ABC, und: „Ich liebe Basketball“. Der Chefdiplomat von eigenen Gnaden sah seine Chance gekommen: „Obama liebt Basketball auch. Fangt hier an.“

          Und so verließ Rodman das Land, dessen Führer neben der Vorliebe für Basketball auch Mickey Mouse (Fernsehauftritt im vergangenen Sommer), Süßigkeiten (zwei Kilo für jedes hungernde Kind anlässlich seines Geburtstags im Januar) und Menschenrechtsverletzungen so ziemlich jeder Art ganz gern hat, mit dem Versprechen wiederzukommen.

          In der Jacke des Diplomaten: Rodman, mit angepasstem Kleidungsstil neben Kim Jong-un vergangene Woche in Pjöngjang beim Basketball
          In der Jacke des Diplomaten: Rodman, mit angepasstem Kleidungsstil neben Kim Jong-un vergangene Woche in Pjöngjang beim Basketball : Bild: AP/dpa

          Geblockt vom Präsidentensprecher

          Und guter Hoffnung, dem Frieden eine Chance gegeben zu haben. Bis ihn das Weiße Haus so humorlos blockte, wie Rodman das einst mit den Gegnern in der NBA getan hat. Das Geld, das die nordkoreanische Führung für Rodman und die Globetrotters ausgegeben hat, fehle der eigenen, hungernden Bevölkerung, so Obamas Sprecher Jay Carney. Im Übrigen wisse der amerikanische Präsident, wie Kim Jong-un zu erreichen sei, falls Bedarf besteht.

          Wie heißt so eine Ansage im Basketball? In your face. Oder auf gut deutsch: Wer im Trainingsanzug auf Reisen geht, ist noch lange kein Diplomat, aber manchmal ein Clown.

          Quelle: F.A.Z.

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