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Australian Open Willkommen beim „Happy Slam“

 ·  Die Australian Open haben sich vom Stiefkind zum modernsten Event des Grand Slam gemausert. In ganz Melbourne kann man Tennis spüren.

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© dpa Vergrößern Eine gute Zeit: Einst scheuten die großen Stars den weiten Weg zu den Australian Open, mittlerweile kommen sie alle zum fröhlichsten aller Grand-Slam-Turniere.

Happy Slam“, das klingt so hübsch, dass sich die Australier diesen Spitznamen für ihre Australian Open gerne gefallen lassen. Roger Federer hat den Begriff vor ein paar Jahren geprägt, der seitdem zum Synonym für das erste der vier Grand-Slam-Turniere geworden ist. Die French Open sind für viele Spieler sicher die geheimnisvollste Veranstaltung, weil englisch dort nur geduldet und alles ein wenig anders ist; Wimbledon steht unverrückbar für Tradition, Etikette und eine überaus vornehme Sprache; die US Open für Lärm und Hektik, auch wenn Manhattan mit seinen Hochhäusern von Queens aus nur als Silhouette am Horizont erkennbar ist.

Aber diese Australian Open, die sind das Turnier der guten Laune, der Fans in manchmal bunten, manchmal seltsamen Gewändern. „Man freut sich auf das Wiedersehen nach der Pause, man freut sich, dass es wieder losgeht“, sagt Federer, aber vielleicht freuen sich viele der Zuschauer auch einfach nur, weil Sommer ist. Die Australier sowieso und die Europäer noch viel mehr - daheim ist es kalt und schneit es vielleicht, und wer diesen irrwitzig langen Flug von 22 bis 26 Stunden irgendwie überstanden hat, freut sich vielleicht noch ein bisschen mehr. Doch als Erklärung, warum „Happy Slam“ und Melbourne als Begriff zusammengehören, würde das noch nicht ausreichen, auch die „gute Zeit“, die einem der freundliche Grenzbeamte bei der Einreise gewünscht hatte, ehe er auch noch mit einem „thanks, mate“ den Reisepass zurückgab, wäre allenfalls ein Anfang. Allerdings ein sehr netter.

Tennis ist in der ganzen Stadt spürbar

Als „Happy Slam“ sind diese Australian Open ja nicht immer durchgegangen, sogar ganz im Gegenteil. Die Bedeutung des Turniers hatte lange darunter gelitten, dass viele der früheren Stars die beschwerliche Anreise scheuten. Dass zwischen 1977 und 1986 zudem auch noch in der Vorweihnachtszeit gespielt wurde, machte die Sache damals nicht einfacher. Ganz sicher hätte Melbourne seinen Grand-Slam-Status sogar längst verloren, wäre es 1988 nicht zu einer wegweisenden Änderung gekommen. Statt auf Rasen, der zu dieser Jahreszeit in Australien in der Regel ohnehin auch ohne Hitzewelle über eine eher bescheidene Qualität verfügt, wird seitdem auf Hartplätzen gespielt, und vom Stadtteil Kooyong ging es auf die neu erbaute Anlage im Flinders Park (mittlerweile Melbourne Park).

Mit wie viel Weitsicht dieser Umzug vorbereitet wurde, zeigt ein Detail: Der Centre Court, im Jahr 2000 zu Ehren des berühmtesten australischen Tennisspielers in Rod Laver Arena umbenannt, wurde sogleich mit einem Schiebedach versehen. In Wimbledon, wo es bekanntermaßen deutlich häufiger regnet als im sommerlichen Australien, kann der Centre Court erst seit 2009 in eine Halle verwandelt werden. In Paris und, noch dazu im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, in New York, fehlt diese Art der Planungssicherheit weiterhin.

Der Umzug vor 25 Jahren führte zur großen Veränderung in der Wahrnehmung der Australian Open - von einer reinen Sportveranstaltung ist das Tennisturnier seitdem zu einem Sportevent gewachsen. Musik hat schon immer dazu gehört, und als es in unmittelbarer Nähe der Plätze zu ausgelassen und vor allem zu laut zugegangen war, wurde das Gelände 1996 erweitert. Gefeiert wird nun im Garden Square, wo an jedem Tag Bands auftreten, und wer will, kann auf den riesigen Leinwänden auch Tennis schauen. Das aber geht nicht nur im Melbourne Park - denn anders als in Paris, London oder New York ist es in ganz Melbourne spürbar, wenn die Tennisspieler gerade in der Stadt sind. Auch am Federation Square, dem Treffpunkt der Melbourner mitten in der City, kann man auf dem großen Platz Tennis live sehen, noch dazu in unmittelbarer Nähe des Geschehens: Nur eine gute Viertelstunde Fußweg entfernt von der Innenstadt liegt der Melbourne Park - auch die kurzen Wege unterscheiden Melbourne von den anderen Grand-Slam-Metropolen.

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