26.01.2012 · Maria Scharapowa und Victoria Asarenka setzen sich bei den Australian Open im Halbfinale durch. Von 9.30 Uhr an wird es ein Endspiel um Platz eins der Weltrangliste und ein Finale als Schreikampf.
Von Peter Penders, MelbourneDas Grollen kam von links hinten, wurde lauter und lauter - und dann donnerte die Kunstflugstaffel der Royal Australian Air Force über die Rod-Laver-Arena hinweg, flog eine Kurve, wählte eine andere Formation und schoss abermals hoch über das riesige Tennisstadion Richtung Innenstadt. Aber ein paar Sekunden später waren die sechs Flugzeuge schon wieder in Sicht- und vor allem Hörweite. Australien feierte am Donnerstag den „Australia day“, und in Melbourne gehört die Kunstflugstaffel zur Mittagszeit ebenso dazu wie das Feuerwerk am Abend.
Man muss solche Flieger-Einlagen nicht mögen, aber zumindest waren sie eine gute Einstimmung auf das, was danach kommen sollte und vor allem auf das, was nun am Samstag im Finale der Damen (9.30 Uhr / live in Eurosport) zu hören sein wird. Dort treffen nämlich die Russin Maria Scharapowa nach ihrem 6:2- 3:6- und 6:4-Sieg über die Tschechin Petra Kvitova und die Weißrussin Viktoria Azarenka, die sich gegen Kim Clijsters 6:4, 1:6 und 6:3 durchsetzte, in einem in mehrfacher Hinsicht interessanten Duell aufeinander. Wer dieses Endspiel gewinnt, wird von kommendem Montag an auf Platz eins der Weltrangliste geführt, und nebenbei dürfte auch die Frage geklärt werden, welche von beiden Spielerinnen während der Ballwechsel lauter stöhnt und schreit.
Die sechs Flugzeuge der Royal Air Force hätten in diesem Wettbewerb keine Chance - ihr Grollen kam ja stets nur langsam näher, und dann war es nach ein paar Sekunden schon vorbei. Im Damen-Finale aber sind die Fernsehzuschauer dank des Lautstärkereglers eindeutig im Vorteil gegenüber dem Besucher in der Rod-Laver-Arena. Für den gibt es richtig was auf die Ohren, denn Maria Scharapowas langgezogener Quiek-Ton wird übergehen in den mitunter in noch höherer Tonlage dargebotenen Stöhner von Viktoria Azarenka und umgekehrt - und so wird das Ganze auch in einen Schrei-Wettbewerb ausarten.
Dass Gegnerinnen darüber lästern und sich mancher Zuschauer beschwert, ist beinahe schon Tradition bei den großen Tennisturnieren, seit einst Monica Seles in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts diese Tonart einführte. Der geniale Peter Ustinov fasste das auch leicht ins Schlüpfrige abgleitende Thema damals in einem Bonmot gekonnt zusammen: „Ich möchte in ihrer Hochzeitsnacht nicht das Nachbarzimmer haben.“
Vor allem für den Boulevard waren die stöhnenden Tennisdamen stets eine nie versiegende Fundgrube der Berichterstattung, das ist auch diesmal in Melbourne nicht anders. Es wurde gebohrt, bis sich eine fand, die sich beschwerte. Die WTA müsse was dagegen tun, hatte die Polin Agniezka Radwanska nach ihrer Niederlage gegen Azarenka geklagt, und vielleicht sollte sie nun beim nächsten Turnier Maria Scharapowa besser nicht unter die Augen kommen. „Mir hat noch niemand Wichtiges gesagt, dass es da Probleme gibt und etwas geändert werden soll“, giftete die Russin zurück und schob noch ein paar süffisante Bemerkungen hinterher. „Ich spiele seit meiner Kindheit so“, sagte derweil Viktoria Azarenka, „das gehört zu meiner Atmung unter Belastung“.
Weil beide aber die Dezibelzahl einer Kreissäge spielend übertreffen, dürfen sich die Zuschauer auf einen echten Hörtest einstellen. Denn nebenbei geht es ja nicht nur um den Titel, sondern auch um den Spitzenplatz der Weltrangliste, was die Anspannung und deshalb auch die Lautstärke noch erhöhen könnte, auch wenn das kaum noch möglich scheint. Zumindest ist die WTA ein Problem los - die bisherige Branchenführerin Caroline Wozniacki wurde vor allem deshalb kritisiert, weil sie noch kein Grand-Slam-Turnier gewonnen hatte. Das ist bei ihrer Nachfolgerin ausgeschlossen - und zu überhören ist sie auch nicht.