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Australian Open : Marlene Weingärtner: "Down under" mit neuem Selbstvertrauen

  • Aktualisiert am

Ausgeschieden: Marlene Weingärtner Bild: AP

Verloren und doch gewonnen: Marlene Weingärtner, die neue Nummer eins im deutschen Damen-Tennis, zog nach der Drei-Satz-Niederlage gegen Amelie Mauresmo ein positives Fazit.

          Die Fußstapfen von Steffi Graf und Anke Huber sind riesig, doch die neue deutsche Nummer eins aus dem Boris-Becker-Städtchen Leimen lässt zumindest hoffen. Für Marlene Weingärtner hat das Tennis-Jahr trotz des knappen Achtelfinal-Aus bei den Australian Open gut begonnen. Die starken Leistungen könnten sich bald nicht nur im Preisgeld niederschlagen, ein Vertrag mit Sportartikel-Gigant Nike steht in Aussicht.

          Zwar ist sie mit 0:6, 6:4, 5:7 an der Französin Amelie Mauresmo gescheitert, doch ihr Auftritt bei den Australian Open hat ihren Status als beste deutsche Spielerin der Nach-Huber-Ära bestätigt. Gegen die Französin Amelie Mauresmo trug Marlene Weingärtner erstmals die Kleidung des US-Ausrüsters. Es habe auch andere Angebote gegeben, aber der Nike-Dress sei halt der hübscheste gewesen, erklärte sie anschließend.

          36.440 Euro Preisgeld

          In den kommenden Wochen soll es Gespräche über einen Kontrakt geben, die sie zunächst gemeinsam mit ihrem neuen Trainer Joe Giuliano führen will. Marlene Weingärtner möchte am liebsten eine eigene Kollektion entwerfen, stellt aber auch klar: „Wir sind noch ganz am Anfang.“

          Sieben Tage „down under“ könnten einen ganz neuen Abschnitt in der Karriere der Marlene Weingärtner eingeläutet haben. Nie zuvor war sie bei einem Grand-Slam-Turnier bis ins Achtelfinale vorgestoßen. Mit rund 36.440 Euro kassierte sie das höchste Preisgeld ihrer Laufbahn, und ihrem Ziel, unter die Top 30 vorzustoßen, ist sie deutlich näher gekommen.

          Selbstvertrauen gewonnen

          Vor allem aber hat das Selbstvertrauen einen gewaltigen Schub bekommen: „Ich habe gesehen, dass ich mit den Spitzenspielerinnen mithalten kann. Es wird bestimmt ein ganz gutes Jahr für mich.“ Hätte sie bei ihrem ersten Auftritt in der 11.000 Zuschauer fassenden Vodafone-Arena nicht den ersten Satz voller Nervosität und Anspannung praktisch weggeworfen, wäre vermutlich noch mehr möglich gewesen.

          Die Unsicherheit verflog allerdings im Verlauf des Matches, Weingärtner wurde zusehends sicherer: „Ich habe immer daran geglaubt, dass ich rankommen kann. Mein Motto lautet: Immer weiter kämpfen.“ Das ließ auch Amelie Mauresmo nicht unbeeindruckt: „Ich habe sie wieder ins Spiel gelassen, und plötzlich hat sie alles getroffen. Ich bin wirklich froh, dass ich gewonnen habe.“

          Am Ende fehlte die Konstanz

          Weingärtner lag im entscheidenden Satz bereits mit 4:3 und einem Break in Führung. Sie spielte die Grundschläge mit viel Druck und guten Winkeln und streute immer wieder gefährliche Stopps ein.

          Am Ende fehlten dann die Konstanz, der Mut, öfter ans Netz zu gehen, und ein starker Aufschlag. Weingärtners neuer Trainer Joe Giuliano ist für Letzteres verantwortlich. „Wir haben den Aufschlag erst in der Woche vor dem Turnier geändert“, erklärte Weingärtner: „Damit die vierte Runde zu erreichen, ist deshalb ganz gut.“

          Manager gesucht

          Vor dem Turnier in Paris Anfang Februar will sie zuhause weiter daran arbeiten. Zudem muss der unterschriftsreif vorliegende Ausrüstervertrag geprüft werden, und einen Manager sucht Marlene Weingärtner auch noch.

          Auf jeden Fall will sie als Spitzenspielerin für Deutschland im Fed Cup im April gegen Russland antreten: „Da bin ich gerne dabei.“ Ohne Extrawürste natürlich, denn trotz ihrer latenten Rückenprobleme fordert sie vom Deutsche Tennis Bund nicht, ihr einen Masseur zu bezahlen: „So schlimm bin ich nicht.“

          Genug Ablenkung außerhalb des Courts

          Der Druck in der erfolgsverwöhnten Tennis-Nation Deutschland macht Marlene Weingärtner nichts aus: „Es wird sicher noch mehr erwartet, aber ich finde das sehr positiv, wenn die Leute dahinter stehen.“ Entspannt bleiben, nicht aufgeben und auch in der Niederlage das Positive sehen: Die Tochter des ehemaligen Kanu-Vize-Europameisters Josef Weingärtner und einer Ärztin wirkt zwar ob des gewachsenen Interesses an ihrer Person mitunter etwas schüchtern, weiß aber genau, was sie will.

          Die Abiturientin hat auch außerhalb der Tennisplätze genügend Möglichkeiten, sich abzulenken. Sie spielt Klavier, sie malt, und sie hat sich am deutschsprachigen Kolleg der Universität Bukarest für ein Fernstudium im Fach Sport eingeschrieben.

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