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Australian Open Kassenschlager unter sich

 ·  In diesem Duell geht es um den reinen Sport, weil Geld für beide keine Rolle mehr spielt: In Maria Scharapowa und Li Na treffen bei den Australian Open die bestbezahlten Sportlerinnen aufeinander.

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© dpa Vergrößern Ausgesorgt: Preisgelder spornen Maria Scharapowa nicht mehr an

Geld, so viel dürfte sicher sein, wird keine Rolle in diesem Halbfinale spielen. Ob sie nun eine halbe oder auch eine ganze Million Dollar mehr oder weniger auf dem Scheck stehen haben, den sie am Ende dieser Australian Open mit nach Hause nehmen dürfen, wird am Donnerstag weder für Maria Scharapowa noch für Li Na von Interesse sein.

Es geht wieder um die Basisdinge des Sports, ganz allein also um den Einzug in das Finale und darum, nach Möglichkeit einen weiteren Titel zu gewinnen, es geht um Ruhm und Ehre. Denn was soll Geld schon für eine besondere Rolle spielen - wenn die beiden ohnehin höchstbezahlten Athletinnen der Welt gegeneinander antreten?

So schlagfertig wie auf dem Platz

Es gab eine Zeit, da wirkte Maria Scharapowa immer ein wenig unnahbar in ihren Pressekonferenzen, wurde schnell schnippisch und sah hier und da auch leicht gelangweilt aus. Mittlerweile aber scheint sie Gefallen an diesem häufig immer gleichen Frage-und-Antwort-Spiel gefunden zu haben, und an Tagen, an denen sie besonders gut aufgelegt ist, präsentiert sie sich dann so schlagfertig wie auf dem Platz.

In Melbourne ist beides der Fall, was vielleicht daran liegt, dass es sportlich überaus problemlos läuft. Auf ihrem Weg bis in dieses Halbfinale hat die 25 Jahre alte Weltranglistenzweite nach dem 6:2 und 6:2 im Viertelfinale gegen Jekataria Makarowa lediglich neun Spiele abgegeben und ungefähr so viel Zeit auf dem Platz verbracht wie Novak Djokovic neulich alleine in seinem Achtelfinale gegen Stanislas Wawrinka.

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© dpa Vergrößern Auf dem Platz genauso schlagfertig wie auf der Pressekonferenz: Maria Scharapowa

„Na, Sie wollen also eine besonders witzige Frage stellen?“, fragt sie also schon einmal entspannt zurück und lächelt, wo sie früher nur grimmig geschaut hätte. Und auch diese Geschichte mit den beiden laut des Wirtschaftsmagazins Forbes bestbezahlten Sportlerinnen der Welt nimmt sie mit Humor: „Woher haben die meinen Bankcode? Das muss ich unbedingt klären!“

Aber warum sollte sie die Zahlen auch dementieren - da, wo viel ist oder auch nur viel vermutet wird, kommt in der Regel ja auch noch mehr hinzu. Maria Scharapowa wird seit Jahren auf Werbeeinnahmen zwischen 20 und 30 Millionen Dollar geschätzt, und auch Li Na hätte nach ihrem Sieg bei den French Open 2011 sicher nie mehr einen Tennisschläger anfassen müssen. Sie ist die erste und bislang einzige Chinesin, die ein Grand-Slam-Turnier gewonnen hat und seit diesem Sieg ein Mega-Star in China.

20 Millionen Dollar pro Jahr

Seitdem hat sie Werbeverträge, die ihr pro Jahr rund 20 Millionen Dollar einbringen sollen. Der Manager, der sie beide so reich gemacht hat (und sich selbst vermutlich auch ein wenig), ist in beiden Fällen ein und derselbe: Max Eisenbud hat Maria Scharapowa einst im Alter von zwölf Jahren zum Vermarkter IMG geholt und betreut seit 2009 auch Li Na. Beide verbinden außergewöhnliche Eigenschaften von Weltbürgern: Maria Scharapowa ist die amerikanisierte Russin schlechthin. Und Li Na die westlichste Chinesin, die man sich denken kann, und die nicht die Spur verschlossen oder geheimnisvoll wirkt.

Über die Form von Maria Scharapowa hatte es vor diesen Australian Open allerdings ein wenig Rätselraten gegeben, weil sie ihre Teilnahme am Turnier in Brisbane wegen einer Schlüsselbeinverletzung absagen musste. Mögliche Zweifel waren dann aber schnell verschwunden, als die Russin in Melbourne in den ersten beiden Runden jeweils 6:0 und 6:0 siegte. „Ich will Titel gewinnen und nicht 6:0-6:0-Spiele sammeln“, sagte sie, wobei man in ihrem Fall erwähnen muss, dass das eine das andere ja nicht ausschließen muss.

Seit sie im vergangenen Jahr die French Open gewann, gehört sie zu jenem illustren Kreis von Spielerinnen, die jedes der vier Grand-Slam-Turniere zumindest einmal gewonnen haben - von den noch aktiven Spielerinnen hat dies natürlich auch Serena Williams geschafft. Und bei jedem dieser prestigeträchtigen Turniere ist Maria Scharapowa daneben zumindest einmal auch ein 6:0-und-6:0-Erfolg gelungen.

Derart deutliche Erfolge über die schwächere Konkurrenz in den ersten Runden sind nicht nur ein Beweis für die Konzentrationsfähigkeit auch bei großer Überlegenheit, sondern auch für die harte Arbeit in der Vorbereitung. Wie das aussehen kann, hat Li Na diesmal besonders schmerzhaft erlebt, denn seit dem vergangenen Sommer wird sie nicht mehr von ihrem Mann Jiang Shan, sondern von Carlos Rodriguez, dem ehemaligen Coach der früheren belgischen Weltranglistenersten Justine Henin, trainiert.

Nach drei Tagen im Trainingslager in Peking aber habe sie ihren Mann angerufen und geklagt: „Carlos ist verrückt.“ Das vermutlich nicht, aber sein Programm war wohl etwas härter als alles, was Jiang Shan jemals zuvor hatte durchsetzen können. Nun ist die Dreißigjährige aber so fit wie lange nicht mehr, was sich auch bei ihrem 7:5 und 6:3 im Viertelfinale über die zwei Ränge vor ihr plazierte Weltranglistenvierte Agnieszka Radwanska zeigte.

Und dass es auch in anderen Bereichen des Lebens von Vorteil sein kann, wenn der Gatte nicht gleichzeitig auch der Trainer ist, hat Li Na schon vorher festgestellt: „Unserer Ehe tut es gut, dass wir uns nicht mehr auf dem Trainingsplatz anschreien.“

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