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Donnerstag, 20. Juni 2013
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Australian Open Drum prüfe, wer sich ewig schindet

 ·  Wie verkraftet man ein fünfstündiges Spiel? Nach Armstrongs Doping-Beichte sehen sich Tennisprofis unter Rechtfertigungsdruck. Es gibt wenige Kontrollen, aber manchmal viel Geheimnistuerei.

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© AFP Bis zum letzten Schlag: Novak Djokovic und Kollegen gehen bis an die körperlichen Grenzen

Am Ende wurde Novak Djokovic in der vergangenen Woche doch leicht ungehalten. Die Komplimente, die ihm Tomás Berdych gemacht hatte, als er ihn als den fittesten Spieler überhaupt auf der Tour bezeichnete, all die schönen Lobpreisungen also, die hatte er noch gerne entgegengenommen. Doch irgendwann war dem Serben diese ganze Fragerei, wie er das bloß immer schaffe, sich so schnell zu erholen und wieder bereit für das nächste Spiel zu sein, zu viel.

Im Achtelfinale hatte Djokovic zwei Tage zuvor fünf Stunden gebraucht, um den Schweizer Stanislas Wawrinka in fünf Sätzen zu bezwingen, aber von dieser Anstrengung war ihm im Viertelfinale nichts anzumerken gewesen. „Ich verstehe, dass viele Leute unterschiedliche Meinungen und Ansichten haben. Aber alles, was ich mache, ist legal, korrekt und natürlich“, sagte der Weltranglistenerste, aber irgendwie war die gute Laune verschwunden.

Seit der Doping-Beichte von Lance Armstrong, der unter anderem gesagt hatte, das Ganze sei nur eine Frage der Planung gewesen, schlägt auch den Tennisspielern wieder Skepsis entgegen. Am Rande der Australian Open hatten die Stars den großen Vertrauensverlust beklagt, den der Radstar dem Sport zugefügt habe.

„Er sollte dafür bezahlen, er ist ein großer Betrüger“, hatte Djokovic gesagt, „es ist traurig zu sehen, dass einer das über so einen langen Zeitraum getan und dem Sport großen Schaden zugefügt hat“, betonte Roger Federer, „dies ist ein trauriger Tag für alle Sportler“, klagte Serena Williams. Aber Doping im Tennis? Das Kontrollsystem funktioniere, betonten die meisten, man müsse das gute Image des Tennis bewahren.

Das Problem dabei ist allerdings, dass der Ruf gar nicht so tadellos ist. Weil Tennis als Ganzjahressport betrieben wird, ist die Anzahl der Doping-Kontrollen außerhalb des Wettkampfes beispielsweise vergleichsweise gering - also dort, wo häufig auf verschiedensten Wegen die Basis für spätere Erfolge gelegt wird.

1,6 Millionen Dollar stellt der Internationale Tennis-Verband (ITF) insgesamt für Doping-Kontrollen jährlich zur Verfügung, erstaunlicherweise ist dieser Beitrag in den vergangenen Jahren aber nicht komplett abgerufen worden. „Mir kommt es so vor, als sei die Anzahl der Kontrollen in den vergangenen Jahren sogar zurückgegangen, vor allem der Blutkontrollen“, sagte Federer. ITF-Zahlen belegen, dass etwa Serena Williams 2011 ganze drei Mal kontrolliert worden ist.

„Es wäre schön, wenn wir das bald einführen könnten“

Was die Ermittlungen der amerikanischen Anti-Doping-Agentur aber zutage gebracht haben im Fall Armstrong, müsste auch den Tennis-Verband nachdenklich werden lassen. Unter anderem wurde die Rolle des Sportarztes Luis García del Moral während dessen Zeit in Armstrongs Rennstall US Postal (1999 bis 2003) genau beschrieben.

Der Spanier aber war mehr als 15 Jahre auch für eine Tennisakademie in Valencia tätig, in der unter anderem der aktuelle Weltranglistenvierte David Ferrer, die Italienerin Sera Errani oder die ehemalige Weltranglistenerste Dinara Safina trainierten. Wäre es nicht naiv anzunehmen, er habe sein Wissen über verbotene leistungsfördernde Medikamente tatsächlich nur im Radsport genutzt?

Zwar glaubt ITF-Präsident Ricci Bitti, dass ein solch hochorganisiertes und wissenschaftlich arbeitendes Betrugsystem im Tennis nicht möglich sei, liefert für diese These aber keine weiteren Begründungen. Die könnte eine Neuerung bringen, an der Stuart Miller, der Anti-Doping-Beauftragte der ITF arbeitet - den biologischen Pass.

„Es wäre schön, wenn wir das bald einführen könnten“, sagt Miller. Vor allem von einem der Protagonisten erhält er dabei alle Unterstützung. „Wir brauchen das unbedingt, damit alles immer nachvollziehbar ist“, sagt Andy Murray, „wir müssen im Tennis vorneweg laufen im Kampf gegen Doping.“

„Natürlich sind Spiele über fünf Stunden sehr herausfordernd“

Der Schotte verlor am Sonntag erst im Finale der Australian Open gegen Titelverteidiger Djokovic. Er hat im vergangenen Sommer die olympische Goldmedaille gewonnen und danach auch bei den US Open triumphiert, war einer der Spieler des Jahres. Und Murray hat danach in der Vorbereitung noch härter als in der Vergangenheit gearbeitet, um den nächsten Schritt zu gehen.

„Natürlich sind Spiele über fünf Stunden sehr herausfordernd, und am nächsten Tag geht es einem auch nicht gut. Aber wir trainieren sehr sehr hart, und ich bin fest davon überzeugt, dass man sich dann mit einem Tag Pause auch wieder schnell erholen kann“, sagte Murray, der sich in Melbourne noch etwas muskulöser präsentierte als zum Ende der vergangenen Saison.

Doch im Gegensatz zu Djokovic macht der Brite kein Geheimnis aus seinen Trainingsplänen. Rund um die Arbeit des Serben besteht dagegen eine große Geheimhaltungspflicht. „Meine Leute wissen genau, was zu tun ist, damit ich schnellstmöglich regeneriere“, sagte der Weltranglistenerste nur - und nährte damit allerlei Gerüchte.

Die wabern vor allem aber um einen Spieler, den momentan alle vermissen und der Anfang Februar in Chile auf die Tour zurückkehren wird. Wegen seiner muskulösen Oberarme war Rafael Nadal vielen schon immer verdächtig, und dass sein Name auch auf der Kundenliste des spanischen Doping-Arztes Eufemiano Fuentes gestanden haben soll (was allerdings nie dokumentiert wurde), hat nicht geholfen, die Verdächtigungen auszuräumen.

„Es ist nicht einfacher geworden, in diesen Tagen Sportler zu sein“

Wer den Spanier allerdings über seinen Sport und Begriffe wie Fairness, Achtung und Respekt reden hört, mag sich nicht vorstellen, dass dessen Karriere auf Betrug aufgebaut sein könnte. Doch gleichzeitig hat das Beispiel Armstrong gezeigt, dass weder fehlende positive Tests noch die vermeintlichen Beteuerungen von Sportlern irgendeine Aussagekraft besitzen.

„Es ist nicht einfacher geworden, in diesen Tagen Sportler zu sein“, sagt Federer. Auf der anderen Seite bestätigte Armstrong nur, was viele im Radsport schon immer vermutet hatten und Mitwisser hier und da auch schon ausgesagt hatten. Was aber, wenn die vielen Gerüchte rund um Doping im Tennis mehr als nur die Verschwörungstheorien sind, als die sie momentan immer bezeichnet werden?

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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