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Aus der Traum Spanien geärgert, aber nicht besiegt

24:28 - die deutsche Handball-Nationalmannschaft hält im Viertelfinale lange gegen den Turnierfavoriten Spanien mit, muss dann aber doch klein beigeben. Überragender Akteur des Spiels ist der spanische Kreisläufer Aguinagalde.

© dpa Vergrößern Das wars vorerst! Heinevetter und die deutschen Handballer verlieren gegen Spanien

Sie kamen aus der Tiefe des Traumes - und mussten erkennen, dass ihnen doch Grenzen gesetzt sind. Die Hoffnung der deutschen Handballspieler, in den Kreis der Allerbesten vorzustoßen, zerstob am Mittwochabend in Saragossa. Endstation Viertelfinale: Die deutsche Nationalmannschaft scheiterte an Spanien, am Gastgeber der Weltmeisterschaft. An einem Gegner, der sich robuster und stabiler präsentierte als die Deutschen und ein packendes, nervenaufreibendes K.o.-Spiel 28:24 gewann. Martin Heuberger zog trotz der Niederlage und der Niedergeschlagenheit im deutschen Lager ein positives Fazit. „Wir haben ein Riesenturnier gespielt, darauf bin ich stolz“, sagte der Bundestrainer.

Ein Team mit Perspektive

Rainer Seele Folgen:  

Tatsächlich hatte das neu formierte Team unter Anleitung Heubergers einen Aufwärtstrend erkennen lassen und damit nach mehreren Enttäuschungen für den deutschen Handball in den vergangenen Jahren ein bisschen Imagepflege betrieben. Die Deutschen überraschten in Spanien mit einem Sieg über Frankreich - und sie erwiesen sich als eine funktionierende Gemeinschaft. Heuberger glaubt deswegen, ein Team mit Perspektive geschaffen zu haben. „Das muss für uns eine Grundlage für die kommenden Jahre sein.“ Heuberger sprach am Mittwoch auch von einem Zeichen für die Bundesliga. „Wir haben eine grandiose WM hingelegt und gekämpft bis zum Umfallen“, behauptete der Kieler Linksaußen Dominik Klein nach der deutschen Abschiedsvorstellung in Spanien.

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11.000 Zuschauer in Saragossa, eine Art Hexenkessel: „Das macht Eindruck“, sagte Heiner Brand, der Sportmanager des Deutschen Handball-Bundes. Eindruck auf die Schiedsrichter, aber natürlich auch auf die Spieler. Die Spanier und die Deutschen hatten sich schon einige spannende Duelle geliefert, zum Beispiel bei der WM 2007 in Deutschland. Damals siegte Brands Team im Viertelfinale 27: 25; es war ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Krönung in Köln. An diesem Mittwoch sahen sich die Deutschen einer ganzen Reihe von Hünen gegenüber.

Stabilisator Roggisch, „Trickser“ Groetzki Handball-WM: Deutschland - Spanien 24:28 © AFP Bilderstrecke 

Dazu gehörte der 110 Kilogramm schwere Kreisläufer Julen Aguinagalde, der trotz seiner wuchtigen Erscheinung sehr beweglich ist. Die Spanier verfügen seit jeher über eine starke Physis. Heubergers Spieler, denen unter anderen Fußball-Bundestrainer Joachim Löw und der Dortmunder Coach Jürgen Klopp aufmunternde Botschaften hatten zukommen lassen, hielten in Saragossa jedoch erst mal dagegen. Mit all dem Selbstbewusstsein, das sie sich zuvor erarbeitet hatten. Da ging sogar bei Heuberger der Daumen früh nach oben; das war so nach dem 2:1 durch den Berliner Sven-Sören Christophersen, der insgesamt sechs Tore erzielte.

Die brodelnde Kulisse stachelt an

Die Deutschen, deren Aktionen von Pfiffen des spanischen Publikums begleitet wurden, waren sehr engagiert in der Abwehr. Und sie versuchten, Tempo in der Offensive zu machen, um die aggressive spanische Deckung auszuhebeln. Das zahlte sich aus: 7:5-Führung nach zwei Toren von Michael Haaß in Folge. Und prompt wechselten die Spanier ihren Torwartstar Arpad Sterbik gegen Jose Manuel Sierra aus. Sterbik stand klar im Schatten seines deutschen Kollegen Silvio Heinevetter, der sich wieder als Meister seines Fachs zeigte und etliche Würfe der Spanier parierte. Am gefährlichsten wurde es für Heinevetter und seine Mitstreiter, wenn die Spanier über die Rechtsaußenposition attackierten mit exzellenten Kräften wie Victor Tomas oder Albert Rocas.

Die spanische Rückraumreihe überzeugte jedoch nicht. Die Deutschen griffen zunächst vorwiegend über die Mitte oder über den Kreis an, weniger über die Ränder. Immerhin blieben sie auch so ihrem Gegner in einer intensiven Auseinandersetzung mit einer Serie von Zeitstrafen ebenbürtig, mehr noch: Den ersten Teil dieses Handballabends entschied Deutschland 14:12 für sich. Auch weil Klein sich nach einer schwächeren Anfangsphase steigerte und einige Male ins Schwarze traf. „Es macht unglaublich Spaß“, sagte Kapitän Oliver Roggisch zu diesem Zeitpunkt. Selbst die brodelnde Kulisse störte ihn nicht, sie schien ihn sogar eher anzustacheln.

Die Spanier hatten zwar offenbar gehörigen Respekt vor den Deutschen, aber sie kämpften sich zurück. Das lag nicht zuletzt daran, dass Heubergers Team im Vorwärtsdrang nun mancher Lapsus unterlief. Zum Beispiel, als der Mannheimer Patrick Groetzki unbedrängt vor Sierra auftauchte - und einen riskanten „Dreher“ neben das Tor setzte. Das war zum Haareraufen, auch für Heuberger, selbst wenn er Groetzki keine Vorwürfe machte. „Das macht mich ziemlich traurig“, sagte Groetzki später zur verpassten Chance. Solche Fehler im Angriff halfen den Spaniern, ein Übergewicht herzustellen. Sie zogen, nicht zuletzt durch Tore von Aguinagalde in den letzten zehn Minuten davon. Die Deutschen, die so lange mithielten und teilweise sogar überlegen waren, hatten ihre Linie verloren. Sie haderten mit sich. Und können sich doch damit trösten, trotz des Rückschlags von Saragossa keineswegs mit leeren Händen in die Heimat zurückzukehren.

Spanien - Deutschland 28:24 (12:14)

Spanien: Sierra, Sterbik - Entrerríos 6, Rocas 1, Maqueda 3, Tomás 7/1, Sarmiento 1, Aguinagalde 7, Cañellas, Montoro, Morros, Ruesga, García, Rivera 3, Ariño, Guardiola
Deutschland: Heinevetter (Füchse Berlin), Lichtlein (TBV Lemgo) - Kneer (SC Magdeburg), Roggisch (Rhein-Neckar Löwen), Wiencek (THW Kiel) 1, Reichmann (HSG Wetzlar), Schmidt (HSG Wetzlar) 1/1, Fäth (HSG Wetzlar), Theuerkauf (HBW Balingen-Weilstetten) 4, Groetzki (Rhein-Neckar Löwen) 2, Weinhold (SG Flensburg-Handewitt) 2, Strobel (TBV Lemgo), Haaß (Frisch Auf Göppingen) 3, Pfahl (VfL Gummersbach) 1, Klein (THW Kiel) 4, Christophersen (Füchse Berlin) 6/1
Schiedsrichter: Gubica/Milosevic (Kroatien)
Zuschauer: 9.500 (ausverkauft)
Strafminuten: 8 / 14

Quelle: FAZ.NET/dpa

 
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